Muslimische Frauen stehen in einer Schlange, um zu prüfen, ob ihre Namen im nationalen Bürgerregister im indischen Bundesstaat Assam eingetragen sind.  | Bildquelle: dpa

Umstrittenes Bürgerregister Indien erklärt Millionen zu Illegalen

Stand: 30.07.2018 16:06 Uhr

Vier Millionen Menschen in Indien sind auf einen Schlag zu illegalen Einwanderern erklärt worden. Das geht aus einem neuen Bürgerregister hervor, das die Regierung des Bundesstaates Assam veröffentlichte.

Indien hat anhand eines umstrittenen vorläufigen Bürgerregisters vier Millionen Menschen im Bundesstaat Assam faktisch die Staatsbürgerschaft entzogen. Darin werden nur knapp 29 Millionen Menschen gezählt - rund 33 Millionen Einwohner hatten aber Anträge eingereicht. "Es ist ein historischer Tag für Assam und ganz Indien", sagte Shailesh Nayak, oberster Registrierbeamter Indiens, auf einer Pressekonferenz. Die Veröffentlichung des ersten vollständigen nationalen Bürgerregisters sei "ein Meilenstein". 

Kritiker: gegen Muslime gerichtete Maßnahme

Das Bürgerregister umfasst nur Bewohner, die beweisen können, dass sie bereits vor 1971 in Assam gelebt haben - dem Jahr, als Millionen Menschen vor dem Unabhängigkeitskrieg an Assam grenzenden Nachbarlandes Bangladesch nach Indien flohen. Die Übrigen müssen nun beweisen, dass ihre Familien schon vor der Staatsgründung Bangladeschs in Indien lebten. Ansonsten droht ihnen die Abschiebung.

Menschen warten in einer Schlange im indischen Bundesstaat Assam, um ihre Namen auf dem Entwurf des vorläufigen Bürgerregisters zu prüfen. | Bildquelle: REUTERS
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Schlange stehen, um zu prüfen, ob der eigene Name in neuen Bürgerregister steht. 33 Millionen Menschen hatten Anträge eingereicht, 29 Millionen sind aufgeführt.

"Es sind wahrscheinlich nur Muslime, die das komplizierte und unfaire Beschwerdeverfahren durchlaufen müssen", erklärte die in den USA ansässige Menschenrechtsgruppe Avaaz in einer Mitteilung. Hindu-Nationalisten sehen diese als Eindringlinge - ein Wort, das auch Indiens Premierminister Narendra Modi schon gebraucht hat. Die Kritiker sprechen daher von einer gegen Muslime gerichteten Maßnahme der hindu-nationalistischen Partei BJP, die sowohl Indien als auch Assam regiert.

Bangladesch wird die Menschen nicht anerkennen

Unter Premierminister Modis Regierung hat die extremistische Gewalt gegen Muslime in Indien zugenommen. Die Regierung rechtfertigt die Volkszählung damit, dass illegale Einwanderer aufgespürt werden müssten. Unter Muslimen löste das Ergebnis Angst vor Deportationen aus.

Weil das arme, überbevölkerte Bangladesch vermutlich nicht die vier Millionen Menschen als eigene Bürger anerkennen und aufnehmen will, könnten sie staatenlos werden. Dieses Schicksal würden sie mit den Angehörigen der muslimischen Rohingya teilen, die im vergangenen Jahr zu Hunderttausenden vor Gewalt der Armee in Myanmar nach Bangladesch geflohen waren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. August 2018 um 13:50 Uhr.

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