Aktivisten mit Transparenten zeigen Schilder mit dem Bild Disha Ravis und fordern ihre Freilassung. | JAGADEESH NV/EPA-EFE/Shutterstoc

Bauernproteste Klimaaktivistin in Indien festgenommen

Stand: 15.02.2021 14:22 Uhr

In Indien ist die "Fridays for Future"-Aktivistin Disha Ravi wegen Unterstützung der Bauernproteste festgenommen worden. Ihr wird vorgeworfen, Protestaufrufe verbreitet zu haben, die Teil einer "Verschwörung" seien.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi, zzt. Hamburg

Die Verhaftung der indischen Klimaaktivistin Disha Ravi hat eine Welle empörter Reaktionen ausgelöst. Namhafte Politiker und Prominente aus verschiedenen Teilen der Gesellschaft sprachen von einem Angriff auf die Demokratie und forderten die umgehende Freilassung der 22-Jährigen. Selbst der Regierungschef der indischen Hauptstadt, Arvind Kejriwal, schrieb auf Twitter, die Unterstützung der Bauern sei doch kein Verbrechen.

Bernd Musch-Borowska ARD-Studio Neu-Delhi

Die Gründerin der indischen Sektion der weltweiten Klimaschutzbewegung "Fridays for Future" war am Wochenende von der Polizei in Untersuchungshaft genommen worden. Auf Filmmaterial der Nachrichtenagentur Reuters war zu sehen, wie die junge Frau in ihrer Wohnung im südindischen Bangalore abgeholt wurde.

Protest gegen die Regierung

Ihr wird vorgeworfen, am sogenannten Toolkit mitgearbeitet und das umstrittene Dokument verbreitet zu haben. Dabei handelt es sich um eine Anleitung, wie man mit Tweets, E-Mails, Online-Petitionen und anderen Aktivitäten in den sozialen Netzwerken den Protest gegen die Regierung verstärken könnte. Aufgeführt werden darin unter anderem Hashtags im Zusammenhang mit den Bauernprotesten und E-Mail-Adressen von Regierungseinrichtungen, an die Petitionen geschickt werden sollten. "Rise and Resist" - abschließend wurde darin zu Aufstand und Widerstand aufgefordert.

Javadekar: Internationale Verschwörung

Dieses Toolkit hat nach Auffassung der indischen Regierung dazu beigetragen, dass die Bauernproteste am 26. Januar in Delhi gewaltsam eskaliert waren. Umwelt- und Informationsminister Prakash Javadekar sprach von einer internationalen Verschwörung, denn auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hatte das Toolkit per Twitter verbreitet und Sympathie für die protestierenden indischen Bauern bekundet.

"Dieses Toolkit ist eine sehr ernste Angelegenheit. Das ist ein Beweis dafür, dass sich ausländische Mächte gegen Indien verschworen haben", meint Javadekar.

Gegen Einmischung von Promis

"Nieder mit Thunberg, nieder mit Rihanna." Auf den Straßen von Delhi protestierten Anhänger der indischen Regierungspartei BJP gegen die Einmischung internationaler Promis in innenpolitische Angelegenheiten und verbrannten Poster von Thunberg und der US-Sängerin Rihanna, wie auf Filmmaterial der Nachrichtenagentur Reuters zu sehen war.

Auch Rihanna hatte auf Twitter, wo sie mehr als 100 Millionen Follower hat, Sympathie für die indischen Landwirte bekundet, die seit Monaten gegen die umstrittene Agrarreform protestieren.

Vorwurf: Verschwörung gegen den Staat

Der jungen indischen Klimaaktivistin Ravi wird unter anderem Verschwörung gegen den Staat vorgeworfen. Bei den gewaltsamen Bauernprotesten am indischen Republic Day hatte eine separatistische Organisation der Sikhs ihre Flagge über dem Roten Fort in Delhi gehisst. Die sogenannte Khalistan-Bewegung setzt sich für die Abspaltung des Bundesstaates Punjab und für einen unabhängigen Staat ein und wird unter anderem von Organisationen der Sikhs in den USA und anderen Staaten unterstützt.

Das sogenannte Sedition Law, der Artikel 124 A des indischen Strafgesetzbuches, stammt noch aus der Zeit der britischen Kolonialherrschaft und sollte die indische Unabhängigkeitsbewegung im Zaum halten. Auch Mahatma Gandhi wurde 1922 nach diesem Gesetz wegen Aufruf zum Widerstand ins Gefängnis gesteckt.

Ravi bekräftigte, sie habe mit der Khalistan-Bewegung nichts zu tun.

Anklage gegen indische Journalisten

Auch gegen mehrere indische Journalisten, die über die Bauernproteste berichtet hatten, wurde auf der Grundlage des umstrittenen Gesetzes Anklage erhoben. Ihnen wird Volksverhetzung und Aufruhr gegen den Staat vorgeworfen.

Der Press Club of India sieht darin einen Angriff auf die Pressefreiheit in Indien und forderte, die Anklagen fallen zu lassen.

Über dieses Thema berichtete mdr Aktuell am 15. Februar 2021 um 15.21 Uhr.