Abgebrannte Gebäude in Neu-Delhi | Bildquelle: REUTERS

Proteste gegen Einbürgerungsgesetz Gewalt und viele Tote in Neu-Delhi

Stand: 26.02.2020 16:12 Uhr

Sie gehen mit Steinen und Stöcken aufeinander los, Läden werden in Brand gesteckt: In Neu Delhi gibt es erneut schwere Ausschreitung zwischen Hindus und Muslimen. Mindestens 23 Menschen starben.

Mindestens 23 Menschen sind bei den schlimmsten gewaltsamem Zusammenstößen zwischen Hindus und Muslimen seit Jahrzehnten in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi ums Leben gekommen. Mehr als 180 Menschen, darunter rund 40 Polizisten, wurden verletzt, wie die Polizei mitteilte.

Seit Anfang der Woche gingen demnach verschiedene Gruppen mit Steinen und Stöcken aufeinander los. Auch Moscheen, Läden und Autos wurden in Brand gesteckt, wie Fernsehbilder zeigen.

Ausschreitungen in Neu-Delhi | Bildquelle: AP
galerie

Die gewaltsamen Proteste hinterlassen in Neu-Delhi eine Spur der Zerstörung.

"Besorgniserregende Situation"

Der Ministerpräsident von Neu-Delhi, Arvind Kejriwal, rief die nationale Regierung dazu auf, eine Ausgangssperre zu verhängen. Kejriwal, nannte die Situation auf Twitter "besorgniserregend".  Die Polizei sei "trotz aller Bemühungen" unfähig, die Situation zu kontrollieren und "Vertrauen herzustellen". Er forderte die nationale Regierung auf, die Armee mit der Beaufsichtigung einer Ausgangssperre zu beauftragen. 

Hintergrund der Gewalt sind Proteste gegen ein vom hindunationalistischen Premierminister Narendra Modi durchgedrücktes Einbürgerungsgesetz. Kritiker werfen der hinduistisch-nationalistischen Partei BJP von Ministerpräsident Narendra Modi vor, mit der Reform die 200 Millionen Muslime im Land zu diskriminieren. Bereits nach kurzer Zeit mündeten die Demonstrationen in Straßenschlachten zwischen Hindus und Muslimen. Die Gewalt hinterließ in Neu Delhi eine Spur der Verwüstung. Zahlreiche Gebäude sowie ein Reifenmarkt wurden zerstört. 

Ausschreitungen in Neu-Delhi | Bildquelle: AP
galerie

Zerstörte Geschäfte und beschädigte Autos in Neu-Delhi: Die gewaltsamen Proteste in Neu Delhi dauern an.

Umstrittene Gesetzesreform

Die umstrittene Gesetzesreform ermöglicht den Angehörigen religiöser Minderheiten aus Bangladesch, Pakistan und Afghanistan, die vor 2015 ohne gültige Papiere ins Land kamen, eine vereinfachte Einbürgerung. Muslime sind jedoch davon ausgeschlossen. Sie sind Indiens größte religiöse Minderheit, sie machen rund 14 Prozent der indischen Bevölkerung aus, rund 80 Prozent sind Hindus.

Die Ausschreitungen überschatteten den Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump. Bei dem Besuch ging es vor allem um die problematischen Handelsbeziehungen der beiden größten Demokratien der Welt. 

Tote und Verletzte bei Ausschreitungen
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
26.02.2020 11:37 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Februar 2020 um 09:30 Uhr.

Darstellung: