Ölförderung im Reservat Fort Berholt, Nord-Dakota/USA. | Bildquelle: Verena Bünten

Ölförderung im US-Reservat "Seit Trump ist hier der Wilde Westen"

Stand: 26.11.2019 11:34 Uhr

In den USA soll immer mehr Öl und Gas gefördert werden, dafür schafft US-Präsident Trump Umweltauflagen ab. Im Reservat Fort Berthold stieg dadurch die Ölproduktion um 75 Prozent - aber auch die Umweltbelastung.

Von Verena Bünten, ARD-Studio Washington

Auf der weiten Prärie in North Dakota wachsen Salbei und Echinacea - und am Horizont die Zahl der Gasfackeln. Das Reservat Fort Berthold galt als arm und abgelegen, bis Ölquellen entdeckt wurden. Seitdem boomt hier die Ölindustrie und fackelt das Nebenprodukt, wertloseres Erdgas, im großen Stil ab. Die Belastung der Region steigt, seit US-Präsident Donald Trump Umweltauflagen reduzierte, mit denen die Obama-Regierung das Abfackeln schrittweise verringern wollte.

Ashley Hall und Tanya Sand-Driver sind alarmiert. Die Heilpflanzen-Expertinnen der ansässigen indigenen Stämme Mandan, Hidatsa und Arikara fühlen sich von der Großindustrie des "Weißen Mannes" überrollt. "Kaum war Trump im Amt, kamen immer mehr Fackeln. Das ist hier wieder wie im Wilden Westen", klagt Sand-Driver. "Für die Ölfirmen zählt nur Profit, darum arbeiten sie möglichst schnell und dreckig. Das ist nicht im Einklang damit, wie wir als Amerikas Ureinwohner traditionell mit Ressourcen umgehen", ergänzt Hall.

Erdgasverbrennung in einem Indianerreservat in North Dakota
tagesthemen 22:15 Uhr, 26.11.2019, Verena Bünten, ARD Washington

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Klimakiller und giftige Stoffe

Fast nirgendwo in den USA wird so viel Gas abgefackelt wie in Fort Berthold - eine gleich dreifache Umweltsünde: Das freigesetzte Methan ist ein absoluter Klimakiller und für die Erderwärmung 25 mal schädlicher als CO2. Energiepolitisch gilt es als Riesenverschwendung: Allein mit dem Gas, das in Fort Berthold abgefackelt wird, könnten umgerechnet 600.000 Einfamilienhäuser geheizt werden. Dazu kommt, dass die Verbrennung die Atemluft im Reservat mit giftigen Stoffen belastet. Viele der Anwohner leiden am sogenannten "Ölfeld-Husten", der sonst nur bei Ölfeld-Arbeitern auftritt.

Aktivisten kämpfen gegen Ölbusiness

Wenn Joletta Birdbear nachts auf den Hügel hinter ihrem Haus steigt, leuchtet der Himmel orange: "Wenn ich an den Horizont blicke, kann ich rund um mein Haus die Gasfackeln brennen sehen", sagt sie. Mit der Aktivistengruppe "Fort Berthold POWER" kämpft sie für eine strengere Regulierung der Industrie und mehr Aufklärung etwa über das steigende Krebsrisiko. "Ich wünschte, wir könnten dieses ganze Ölbusiness loswerden", sagt Mitaktivistin Katheryn Youngbear: "Durch das Abfackeln verlieren wir alles, was uns ausmacht: unsere indigene Kultur, unsere Spiritualität und am Ende noch unsere Gesundheit."

Ölförderung im Reservat Fort Berholt, Nord-Dakota/USA. | Bildquelle: Verena Bünten
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Die Reservatsbewohner verdienen zwar an den Ölquellen, aber die Schäden für Menschen und Umwelt sind noch nicht absehbar.

Das Öl-Geld lockt auch

Aber nicht alle Reservatsbewohner wollen die sprudelnden Quellen bremsen. Für jedes geförderte Barrel Öl bekommen die Stämme eine Gewinnbeteiligung. In den armen Reservaten ist die Arbeitslosigkeit viermal so hoch wie im US-Durchschnitt. Da ist das Öl-Geld verlockend, auch wenn andere den größten Teil des Gewinns einfahren.

Nur mit einer einzigen Firma fördert die Stammesgemeinschaft selbst ihr Öl. Auf der Übersichtskarte ist ihr Förderfeld ein winziger roter Fleck im Patchwork der Großkonzerne - gerade mal acht Ölquellen von insgesamt 25.000 betreiben sie. Anders als die meisten Konzerne fangen sie aber den Großteil des Erdgases zur Verwertung auf. Finanziell lohnt sich das nicht, sagt Geschäftsführer Dave Williams: "Wir machen das, um ein gutes Beispiel zu geben. Auch wir wollen fördern, bohren, produzieren, aber gleichzeitig verantwortungsvoll mit dem Land umgehen."

Geld, aber auch Schäden

Der Ölboom und die Zahlungen der Konzerne spalten die Gemeinschaft der Mandan, Hidatsa und Arikara. Für die einen ist das vergiftetes Geld. Die anderen sehen darin eine Rückzahlung für Jahrhunderte der Unterdrückung. Stammesrat-Mitglied Judy Brugh bringt den Zwiespalt auf den Punkt:  Gut sei, dass das Öl Geld ins Reservat brachte, und damit etwas aufgebaut werden konnte, sagt sie. "Das Schlechte ist, das wir dafür mit unserem Land und unserer Gesundheit bezahlen. Und ich weiß nicht, ob es das wert ist."

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 26. November 2019 um 06:39 Uhr.

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