Das Atomkraftwerk Indian Points | REUTERS

AKW Indian Point New Yorks tickende Zeitbombe

Stand: 10.01.2017 11:58 Uhr

Stromausfälle, Brände, Öllecks - das US-Atomkraftwerk Indian Point gilt längst als "tickende Zeitbombe". Noch dazu liegt das AKW nur eine halbe Autostunde von New York City entfernt. Jetzt wurde seine Stilllegung für 2021 verkündet. Und die Suche nach Alternativen beginnt.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Nationalhymne, Fahnen und Gebet: Der alljährliche Bericht des Gouverneurs von New York ist eine weihevolle Angelegenheit - nicht zuletzt voller Selbstlob. Inmitten seiner fast einstündigen Rede aber lässt Andrew Cuomo dann auf einmal so etwas wie die Warnglocken schrillen. Keine 50 Kilometer von New York entfernt gebe es eine tickende Zeitbombe. Ihr Name: Indian Point.

Kai Clement

Dahinter verbirgt sich ein in die Jahre, vielmehr in die Jahrzehnte gekommenes Atomkraftwerk aus den 70ern, direkt am Hudson River. Ein Meiler "jenseits seines Ablaufdatums", so lautete einmal der Kommentar von Umweltschützern in der "New York Times". Pannen wie Stromausfälle, Brände oder Öllecks gibt es dort fast in regelmäßiger Taktung. Zuletzt waren es zehn in nur acht Monaten.

Stilllegung der "tickenden Zeitbombe" gefordert

Indian Point liege in dem am dichtesten besiedelten Gebiet des Staates New York, sogar der ganzen Welt, so Kritiker. Kein anderes Atomkraftwerk liege näher an einer solchen Region. Eine Evakuierung sei nahezu unmöglich. Die AKW-Gegner fordern seit Jahren eine Stilllegung der "tickenden Zeitbombe". Schlicht "Wahnsinn", so nennt Gerry Shaw ein Atomkraftwerk in New Yorks Nähe.

Der demokratische Gouverneur Cuomo ist kein grundsätzlicher Kritiker der Atomkraft. Für ihn ist sie eher eine sinnvolle Brückentechnologie hin zu erneuerbaren Energien. Jetzt aber hat er sich durchgesetzt: "Ich bin stolz mitzuteilen: es gibt eine Einigung. Indian Point wird in vier Jahren schließen. 14 Jahre früher als geplant."

Eigentlich will Betreiber Entergy Corp die Lizenzen seit Jahren verlängern. Nun nicht mehr. Abgelaufen sind sie sogar schon 2013 und 2015. Die beiden verbliebenen Reaktoren konnten aber während des Antragsprozesses weiterlaufen. Nun ist 2021 endgültig Schluss. Damit beginnt auch die Suche nach neuer Energie für die Weltstadt. Denn Indian Point liefert ein Viertel ihres Stroms.

Suche nach neuer Energie für New York

Der Ersatz könnte, so mutmaßt die Zeitung "New York Times", als Wasserenergie aus dem kanadischen Quebec kommen oder von neuen Windenergiefarmen in New York.

Das verspricht neuen Streit mit New Yorks prominentestem Bewohner. Der künftige US-Präsident Donald Trump setzt ganz auf Öl und Kohle. Klimawandel ist für ihn mehr als zweifelhaft. Das demokratische New York und der republikanische Populist Trump - es ist einfach keine Liebesehe.