Emmanuel Macron | AFP

Zwölf- bis 18-Jährige Bald Impfungen für Jugendliche in Frankreich

Stand: 03.06.2021 16:06 Uhr

Französische Jugendliche können sich vom 15. Juni an gegen das Coronavirus impfen lassen. Gleichzeitig gibt es im Südwesten des Landes viele Neuinfektionen - auch mit der Delta-Variante.

Von Cai Rienäcker, ARD-Studio Paris

Die Hälfte der Erwachsenen ist in Frankreich bereits geimpft. Nun konzentriert sich die Corona-Impfkampagne auf das Alterssegment unter 18 Jahren. Vor dem Sommer war zunächst nur die möglichst vollständige Impfung der 16- bis 18-Jährigen geplant. Nachdem sowohl die europäische als auch die französische Gesundheitsbehörde grünes Licht gegeben haben, soll nun auch die noch jüngere Gruppe der zwölf- bis 15-jährigen Jugendlichen geimpft werden.

Cai Rienäcker ARD-Studio Paris

Präsident Emmanuel Macron erklärte dazu: "Wir haben entschieden, ab dem 15. Juni den Zwölf- bis 18-Jährigen zu erlauben, sich impfen zu lassen. Die genauen Bedingungen, auch was die Zustimmung der Eltern angeht, müssen jedoch noch von den zuständigen Behörden ausgearbeitet werden."

Impfungen verpflichtend für Schulbesuch?

Die französischen Gesundheitsbehörden wollen den Impfstart bei den Jugendlichen auch mit Antikörpertests verbinden. Wer direkt vor der Impfung Antikörper nachweist, also vermutlich schon infiziert war, würde dann zunächst nur eine Impfung benötigen und nicht mitten in den Ferien im August zur zweiten Impfung wiederkommen müssen.

Elternvertreter fragen sich, ob das Thema Impfen von Schülerinnen und Schülern nicht eines nationalen Dialogs bedürfe. So erklärt Rodrigo Arenas vom Elternverband FCPE: "Wir reden von einer Epidemie, die Menschen tötet. Vielleicht sollte die Corona-Impfung Teil des Pakets der verpflichtenden Impfungen sein, um in die Schule zu gehen. Das muss doch eine konzertierte Debatte sein."

Die französische Regierung hat es jedoch jetzt eilig mit den Impfungen der Jugendlichen. Oft wird das Bild des Wettlaufs bemüht zwischen Impfkampagne auf der einen Seite und aufkommenden Virusvarianten und der Gefahr der nächsten Corona-Welle auf der anderen.

Neue Welle im Südwesten?

Im Südwesten Frankreichs gibt es denn auch erste Zeichen dafür, dass die Pandemie noch nicht besiegt sein könnte. Der französische Regierungssprecher Gabriel Attal sagte, es gebe "Warnsignale in einigen Regionen. Bislang muss deswegen niemand beunruhigt sein. Aber es zeigt, dass wir wachsam bleiben müssen."

In Teilen des französischen Südwestens, so der Regierungssprecher, sei der Reproduktionswert wieder über die Marke von eins gestiegen. Dort breite sich das Virus also wieder aus.

Die regionale Gesundheitsagentur berichtet, dass im Kurort Dax in der Gascogne die Delta-Virusvariante, die erstmals in Indien entdeckt wurde, in einer Familie festgestellt wurde, ohne dass hier eine nachvollziehbare Verbindung zu Indien oder Großbritannien bestanden habe.

Diese Fälle machen der französischen Regierung Sorge. Sie will unbedingt an den weiteren Etappen der Öffnung nach der Hochphase der Pandemie festhalten. Mitte nächster Woche sollen Cafés und Restaurants auch in den Innenräumen wieder Gäste empfangen dürfen. Die abendliche Sperrstunde soll dann in ganz Frankreich von 21 auf 23 Uhr verschoben werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Juni 2021 um 13:15 Uhr.