Medizinisches Personal beim Impfstart in Polen | LESZEK SZYMANSKI/EPA-EFE/Shutter

Impfstart in Europa "Berührender Moment der Einheit"

Stand: 27.12.2020 12:40 Uhr

EU-weit haben Politiker und Ärzte dazu aufgerufen, sich impfen zu lassen. Am ersten Tag der europaweiten Aktion profitierten je nach Land zuerst Ältere oder medizinisches Personal. Massenimpfungen soll es im Januar geben.

In der Europäischen Union haben mehrere Länder offiziell mit dem Impfen gegen das Coronavirus begonnen. Erste Menschen bekamen in Ländern wie Italien, Polen, Kroatien, Spanien, Österreich und Rumänien eine Impfdosis. Diese gehören entweder zur Gruppe mit dem größten Risiko oder arbeiten im Kranken- und Pflegebereich.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete den europaweiten Impfstart und die kommenden ersten Impftage als "berührenden Moment der Einheit". Die ersten Lieferungen waren in den meisten Mitgliedsländern auf unter 10.000 beschränkt. Massenimpfungen werden erst im Januar beginnen.

Auch einigen Politikerinnen und Politikern wurde das Mittel des deutschen Herstellers Biontech und seines US-Partners Pfizer verabreicht, unter ihnen war der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis. "Es gibt nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste", sagte er bei der Impfung.

Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis wird gegen Covid-19 geimpft | AFP

Auch der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis ließ sich heute impfen. Bild: AFP

"Lassen Sie sich impfen"

In Rumänien war eine Krankenschwester im Bukarester Forschungsinstitut Matei Bals die erste Geimpfte: "Es hat überhaupt nicht weh getan", sagte sie. "Öffnen Sie Ihre Augen und lassen Sie sich impfen."

Obwohl der Impfstart heute EU-weit koordiniert stattfinden sollte, waren mancherorts schon gestern Menschen geimpft worden.

Italien: "Das war ein historischer Moment"

Auch in dem europaweit von der Pandemie am schwersten betroffenen Italien haben die ersten Impfungen gegen Covid-19 begonnen. Drei Mitarbeiter des Gesundheitswesens im Spallanzani-Krankenhaus in Rom seien am Morgen mit dem von Biontech entwickelten Impfstoff gespritzt worden, sagte der Seuchenbeauftragte Domenico Arcuri.

"Das war ein aufregender, historischer Moment", sagte eine Krankenschwester dem Fernsehsender Rai News 24. Italien ist seit Donnerstag das achte Land der Welt, das die Zahl von zwei Millionen registrierten Corona-Fällen überschritten hat. Inzwischen wurden 70.909 Todesfälle gemeldet - die höchste Zahl in Europa und die fünfthöchste weltweit.

"Ein schöner, symbolischer Tag"

Deshalb war die Erleichterung groß, als der erste in der EU zugelassene Impfstoff erstmals zum Einsatz kam. "Die Botschaft ist eine der Hoffnung, des Vertrauens und eine Einladung, an dieser Möglichkeit teilzuhaben", sagte eine der ersten Empfängerinnen, die Ärztin Maria Rosaria Capobianchi. Sie ist Leiterin des Virologie-Labors im Krankenhaus Spallanzani und half Anfang Februar, das Virus zu isolieren.

Im Januar war dort ein chinesisches Paar aus Wuhan positiv auf das Virus getestet, es wurde zum ersten bestätigten Fall in Italien. Später sollte sich die Lombardei zum Epizentrum des Corona-Ausbruchs in Europa entwickeln.

Dänemark: "Licht am Ende des Tunnels"

In Dänemark sind ebenfalls die ersten Menschen geimpft worden. Regierungschefin Mette Frederiksen sagte, es gebe nun ein "Licht am Ende des Tunnels nach dem schwierigsten Jahr seit dem Zweiten Weltkrieg". Sichtlich gerührt sprach sie vor Reportern von einem "großen Wendepunkt für die ganze Welt".

Jedes EU-Land bestimmt selbst, wer zuerst geimpft wird. Während Deutschland, Spanien und Frankreich ihre Priorität auf alte Menschen und Pflegeheimbewohner legen, werden Italien und Polen zuerst Ärztinnen, Ärzte und anderes Krankenhauspersonal impfen.

Insgesamt sind in den 27 EU-Ländern mindestens 16 Millionen Corona-Infektionen und mehr als 336.000 Todesfälle verzeichnet worden. Neben Italien hatte beispielsweise auch Spanien zu Beginn dieses Jahres so hohe Zahlen, dass beide im weltweiten Vergleich als sogenannte Hotspots galten. Anderen EU-Ländern wie Tschechien blieb zunächst Schlimmeres erspart, im Herbst stand dort dann aber die Gesundheitsversorgung knapp vor dem Zusammenbruch.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Dezember 2020 um 12:01 Uhr.