Eine Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze. | Bildquelle: dpa

Coronavirus-Pandemie Warum die USA beim Impfstoff voraus sind

Stand: 15.05.2020 08:23 Uhr

Die USA haben sich bei der Entwicklung und Herstellung von Impfstoffen in der Corona-Krise in die Pole Position manövriert. Dabei setzt die US-Regierung vor allem auf Produktionskapazitäten.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington 

Vom Pharmakonzern Sanofi war schon vorher ein Hinweis gekommen, dass das Unternehmen jetzt davon ausgeht, dass ein großer Teil eines möglichen Impfstoffes erst einmal in die USA geht. Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus nämlich sei eines - Milliarden Spritzen damit herzustellen, etwas anderes. Und wenn die EU nicht bald dabei helfe, so hieß es da, Fabriken dafür auszustatten, drohten die USA die Kapazitäten für sich zu sichern.

Produktionskapazitäten zu sichern, so US-Präsident Donald Trump, sei auch genau das, worauf er den Fokus lege.

"Wir bauen jetzt die Versorgungswege auf, obwohl wir noch keinen Impfstoff haben. Johnson und Johnson macht das, wir haben viele Unternehmen."

Es braucht Milliarden Impfdosen

Die Führung hat dabei die US-Behörde für biomedizinische Forschung und Entwicklung, kurz Barda. Sie schließt bereits weltweit Verträge mit Massenproduzenten und arbeitet dafür mit US-Unternehmen zusammen. Zum Beispiel gingen über 400 Millionen Dollar an "Moderna" im US-Bundesstaat Massachusetts, das bereits einen Impfstoff testet. Dieses Unternehmen hat einen Liefervertrag für eine Milliarde Impfdosen mit dem Schweizer Hersteller Lonza abgeschlossen.

"Der dritte Schritt ist die Produktion", sagt Moderna-Chef Stephane Bancel. "Wenn man nur ein paar Millionen Dosen herstellen kann, hilft das nicht bei einem so komplizierten weltweiten Problem."

Produktion beginnt vielleicht schon im Juli

Lonza arbeitet weltweit, hat Produktionsstätten auf mehreren Kontinenten. Die gemeinsame Produktion beginnt vielleicht schon im Juli, und zwar in den USA - auch wenn eine Zulassung noch weit entfernt ist und man vielleicht eine ganze Charge wieder vernichten muss. Richtig so, sagt Anthony Fauci, Chefvirologe, der oberste Virologe der USA.

"Wir fahren mit den beteiligten Unternehmen die Produktion hoch. Auf Risiko, wir warten nicht auf eine Antwort, bis wir mit der Produktion beginnen."

Nur: Wer verteilt den Impfstoff? Der europäische Ansatz geht davon aus, dass er gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gerecht in der Welt verteilt wird. Mit der WHO hat Trump gerade gebrochen, an der europäischen Impfstoffinitiative sind die USA nicht beteiligt.

US-Regierung will über Verteilung entscheiden

Einen Hinweis gibt der Umgang mit dem mit großen Hoffnungen besetzten Mittel Remdesivir des US-Herstellers Gilead. Bedingung für die Schnellzulassung durch die amerikanische Arzneimittelbhörde FDA war, dass einzig die US-Regierung über die Verteilung entscheidet - eine noch nie dagewesene Bedingung. Der Hersteller hat daraufhin seinen gesamten Bestand der US-Regierung geschenkt und die ihn den an sechs Bundesstaaten verteilt.

Und wenn der erste wirksame und sichere Impfstoff nicht in den USA entwickelt wird? Wunderbar, sagt Trump. "Dann ziehe ich vor ihnen den Hut." Es komme nur darauf an, dass die Welt einen Impfstoff bekomme. Das aber genau ist Thema vieler Mediendiskussionen: Wenn die USA einen eigenen Weg gehen, dabei deutlich zunächst einmal für sich sorgen, wenn sie Konflikte mit denen pflegen, mit denen jetzt eine Kooperation notwendig wäre - werden sie dann außen vor gelassen, wenn zum Beispiel China der Gewinner des Rennen ist?

Wie sich die USA bei Impfstoffen in die Pole Positon bringen
Arthur Landwehr, ARD Washington
15.05.2020 10:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Mai 2020 um 05:25 Uhr.

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