Polioimpfung in der pakistanischen Metropole Karatschi | Bildquelle: REUTERS

Online-Geberkonferenz 7,7 Milliarden Euro für Impfprogramme

Stand: 04.06.2020 19:20 Uhr

Mehr Geld als erwartet ist beim Online-Gipfel für die globale Impf-Allianz Gavi zusammengekommen. Millionen Kinder können nun gegen gefährliche Krankheiten geimpft werden. Zudem dienen die Mittel der Serum-Forschung gegen Covid-19.

Im Kampf gegen Infektionskrankheiten sind bei einer internationalen Geberkonferenz umgerechnet rund 7,7 Milliarden Euro für die globale Impf-Allianz Gavi zugesagt worden. Die Erwartungen wurden damit um mehr als eine Milliarde übertroffen. Vertreter von mehr als 50 Ländern hatten sich zu einer Konferenz zusammengeschaltet, um mindestens 6,6 Milliarden Euro für Impfprogramme zu sammeln.

Mithilfe des Geldes sollen innerhalb der kommenden fünf Jahre 300 Millionen Kinder gegen Krankheiten wie Masern, Meningitis, Tuberkulose, Polio und Tetanus geimpft werden. Die Mittel dienen aber auch der Entwicklung eines Serums gegen Covid-19. Zudem wurde diskutiert, wie künftiger Impfstoff gegen das Coronavirus für Menschen auf der ganzen Welt zugänglich gemacht werden kann.

Deutschland beteiligt sich mit 600 Millionen Euro, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Videobotschaft ankündigte. Hinzu kämen 100 Millionen Euro zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte in einer Videobotschaft an, den französischen Beitrag auf 500 Millionen Euro zu verdoppeln und 100 Millionen Euro zusätzlich bereitzustellen, sobald ein Impfstoff gegen Covid-19 verfügbar ist.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte allein für die Brüsseler Behörde 300 Millionen Euro zu. Gastgeber Großbritannien ist nach Angaben von Premierminister Boris Johnson mit einer Zusage von 1,65 Milliarden Pfund (rund 1,85 Milliarden Euro) größter Gavi-Geldgeber.

Routine-Impfungen nicht vernachlässigen

Mehrere Entwicklungsorganisationen, darunter Plan International, Save the Children und World Vision, erklärten jedoch, Routine-Impfungen dürften angesichts der Fokussierung auf die Corona-Pandemie nicht vernachlässigt werden. Auch der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, warnte davor, die Erfolge eines umfassenden Impfschutzes für Kinder zu gefährden. Wegen der Corona-Pandemie seien Impfprogramme für 80 Millionen Kinder gegen Polio, Tuberkulose und Masern unterbrochen worden.

Der Kommissionspräsident der Afrikanischen Union, Moussa Faki Mahama, rief zu weiteren Anstrengungen auf. Gavi setze 60 Prozent seiner Mittel in Afrika ein, wo aber immer noch Millionen Kinder ohne Impfschutz seien.

Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, sprach bei einer Pressekonferenz in London. | Bildquelle: dpa
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Gastgeber der Konferenz: der britische Premier Johnson, der selbst an Covid-19 erkrankt war. (Archivbild)

Zum Auftakt der Online-Konferenz hatte Johnson die Hoffnung geäußert, dass der virtuelle Gipfel ein echter Moment sein werde, an dem sich die Menschheit im Kampf gegen Krankheiten zusammenschließe. Gavi - diese "lebensrettende Allianz" müsse gestärkt und "eine neue Ära der globalen Gesundheitszusammenarbeit" eingeleitet werden. Es handele sich aus seiner Sicht um "das wichtigste gemeinsame Unterfangen unseres Lebens".

"Das wichtigste gemeinsame Unterfangen unseres Lebens"

Johnson betonte, Länder, Pharmaunternehmen und internationale Partner wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) müssten dabei in einem noch nie da gewesenen Maße miteinander kooperieren. Man müsse Gavi dazu nutzen, künftige Impfstoffe für alle Menschen auf der Welt bezahlbar und verfügbar zu machen.

"Ein Impfstoff an sich ist nicht genug"

UN-Generalsekretär António Guterres erklärte, dass es eine wichtige Lektion zu lernen gibt: "Ein Impfstoff an sich ist nicht genug. Wir brauchen globale Solidarität, um sicherzustellen, dass jede Person überall Zugang dazu hat." Ein Corona-Impfmittel solle deshalb als ein gemeinsames internationales Gut verstanden werden. "Krankheiten kennen keine Grenzen."

Antonio Guterres | Bildquelle: AFP
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Ein Corona-Impfmittel solle als gemeinsames internationales Gut verstanden werden, sagte UN-Generalsekretär Guterres.

"Welt ohne Impfstoff gleicht einem Kartenhaus"

Die Gavi-Vorstandsvorsitzende Ngozi Okonjo-Iweala sagte, die Corona-Krise habe gezeigt, welche entscheidende Rolle Impfstoffe im Kampf gegen Krankheiten spielten - sowohl beim Schutz von Leben als auch bei dem von Existenzen und der Wirtschaft. Das Impfen solle als gemeinschaftliche globale Aufgabe verstanden werden. Die Coronavirus-Pandemie habe letztlich offenbart, dass eine Welt ohne Impfstoffe lediglich einem "Kartenhaus" gleiche.

Die in Genf ansässige Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (Gavi) war im Jahr 2000 gegründet worden und hat seitdem dabei geholfen, mehr als 760 Millionen Kinder in den ärmsten Ländern der Erde zu impfen. Ziel des Bündnisses aus öffentlichen und privaten Geldgebern ist es, mehr Kinder zu impfen und so vor lebensbedrohlichen Krankheiten zu schützen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Juni 2020 um 06:00 Uhr.

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