Auf dieser Müllkippe sollen die Leichen der verschleppten Studenten verbrannt worden sein.

Vermisste 43 Studenten in Mexiko "Wir haben alles mit Benzin übergossen"

Stand: 08.11.2014 10:49 Uhr

Der mexikanische Generalstaatsanwalt hat Videos von Verhören veröffentlicht, in denen der Mord an 43 Studenten beschrieben wird. Die Leichen sollen verbrannt worden sein. Bei der Identifizierung der Opfer sollen Spezialisten in Innsbruck helfen.

Von Martin Polansky, ARD-Hörfunkstudiostudio Mexiko

Die Pressekonferenz des mexikanischen Generalstaatsanwalts Jesus Murillo war mit Spannung erwartet worden, sechs Wochen nach dem Verschwinden der 43 Studenten aus Guerrero. Eine Stunde dauerte der Auftritt, in dem er die Aussagen von Drogenkriminellen präsentierte: "Die drei Verhafteten gehören der Bande Guerreros Unidos an. Sie haben gestanden, dass ihnen die Polizei von Iguala eine Gruppe junger Leute übergeben habe. Die Bandenmitglieder hätten die Gruppe dann exekutiert."

Grausame Schilderungen der Tat

Es war ein ungewöhnlicher Auftritt für den Generalstaatsanwalt eines Landes, das sich selbst als Rechtsstaat betrachtet. Trotz des laufenden Ermittlungsverfahrens ließ Murillo Teile der bisherigen Verhöre als Videomitschnitte einspielen. Die Gesichter der Verdächtigen waren verfremdet. In den Videos beschreiben sie, was sich abgespielt haben soll, nachdem die lokale Polizei von Iguala die Studenten nach einer Protestaktion Ende September festgesetzt hatte.

Es sind Schilderungen wie aus einem Horrorfilm. Von den etwa 40 übergebenen jungen Männern seien einige bereits tot gewesen, andere habe man erschlagen, so eine der vorgeführten Aussagen. "Wir haben sie an den Armen und Beinen genommen und von den Wagen geworfen. Danach schmissen wir Autoreifen und Holz auf die Körper. Wir haben dann alles mit Benzin übergossen und angezündet."

Österreichische Spezialisten sollen helfen

Die Körper sollen bis zur völligen Unkenntlichkeit verbrannt worden sein. Murillo zeigte Videos von einer Müllkippe nahe Iguala. Auf den Bildern sind offenbar die letzten menschlichen Überresten zu sehen: Verkohlte Knochen, Zähne, Asche.

Generalstaatsanwalt Jesus Murillo Karam
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Generalstaatsanwalt Murillo räumte ein, dass die Opfer noch nicht identifiziert werden konnten.

Die Tatverdächtigen hätten zudem angegeben, Reste in einen Fluss geworfen zu haben, so der Generalstaatsanwalt. Gleichzeitig betonte Murillo, dass die entscheidende Frage bis heute nicht beantwortet werden könne. "Ich habe keinen Zweifel, dass es dort einen Massenmord gab. Wir müssen nun alles tun, um die Toten zu identifizieren, um herauszufinden, ob es sich tatsächlich um die Studenten handelt."

Für die Identifizierung werde man nun die Überreste an Spezialisten der Universität Innsbruck in Österreich übergeben. Nach Angaben Murillos sind sie die Besten ihres Faches. Bis zu einem Ergebnis würden die Studenten weiter als vermisst gelten.

"Wir wollen Resultate mit Beweisen"

Mexikos Ermittlungsbehörden genießen innerhalb des Landes kaum noch Vertrauen. Bereits kurz nach dem Verschwinden der Studenten zitierte Murillo Aussagen von Festgenommenen, wonach viele der Studenten in einem Massengrab verscharrt worden seien. Wochen später verkündeten die Ermittler, dass DNA-Proben diesen Verdacht nicht bestätigt hätten.

Die Angehörigen der Verschwundenen hegen auch jetzt Zweifel. "Wir wollen Resultate mit Beweisen", machte eine Mutter deutlich. "Erst wenn wir die Gewissheit haben, dass die Generalstaatsanwaltschaft die Wahrheit sagt, werden wir jedes Ergebnis akzeptieren. Bis dahin hoffen wir weiter, dass unsere Kinder am Leben sind."

Eine zügige Aufklärung des Horrors scheint den mexikanischen Behörden nicht zu gelingen. Der Präsident des Landes, Enrique Peña Nieto, erklärte noch einmal, was er seit Wochen sagt: Man werde alles tun, um die Verantwortlichen zu bestrafen.

Eine Frau fordert bei einer Demonstration bessere Ermittlungen nach dem Verschwinden von 43 Stundenten in Mexiko
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Seit dem Verschwinden der Studenten wird bei Demonstrationen immer wieder die Aufklärung des Verbrechens gefordert - wie hier am 5. November.

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