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Syrien-Konflikt Neuanfang in Trümmern

Stand: 12.10.2018 13:13 Uhr

Ihre Heimat liegt in Schutt und Asche. Auf dem Golan versuchen die Bewohner den Wiederaufbau. Im Juli hatten syrische Truppen das Gebiet von Rebellen zurückerobert.

Von Daniel Hechler, ARD-Studio Kairo, zzt. Kuneitra

Abdel Hemaidy zieht tief an seiner Zigarette und schaut mit grimmigem Blick auf seine beiden Kühe. Die haben einen Feigenbaum entdeckt und können von den süßen Früchten nicht lassen. Der 60-Jährige kam vor wenigen Wochen zurück in sein Heimatdorf, das heute in Trümmern liegt. Ein Steinwurf entfernt liegen Granatsplitter und reichlich Geschosshülsen. Das Dach des Nachbarhauses ist eingestürzt.

Golan in Syrien: Menschen kehren in ihre Heimat zurück
nachtmagazin 01:00 Uhr, 13.10.2018, Daniel Hechler, ARD Kairo, zzt. Damaskus

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Schlacht um die Vormacht

Im Juli noch tobte in Hamidiyeh die Schlacht um die Vormacht im Südwesten Syriens. Die syrische Armee und ihre russischen Verbündeten lieferten sich in der Provinz Kuneitra mit islamistischen Rebellen erbitterte Gefechte vor der Haustür Israels. Der Grenzzaun ist wenige hundert Meter entfernt. Israelische Einheiten beobachteten die Kämpfe mit einiger Nervosität, griffen aber nicht ein.

Nun herrscht Ruhe. Erst mal.

Die Rebellen sind abgezogen, die meisten Menschen geflohen. Die Regierung von Baschar Hafiz al-Assad hat die Kontrolle in dem hochsensiblen Grenzgebiet zurück. Und doch wagen nur wenige Einwohner hier den Neuanfang. Abdel Hemaidy ist nichts geblieben außer seinen beiden Kühen. Und doch ist er zufrieden. Angst habe er nicht, wie er sagt. Er hofft, die jungen Syrer würden das Dorf schon irgendwie verteidigen.

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Abdel Hemaidy ist einer der wenigen Einwohner, die den Neuanfang wagen. Ihm sind nur noch seine beiden Kühe geblieben.

Spur der Verwüstung entlang des Grenzstreifens

Den Grenzstreifen auf den Golanhöhen durchzieht eine Spur der Verwüstung: menschenleere Landstriche, verlassene Dörfer, zerstörte Häuser über etliche Kilometer. Kein Strom, kein Trinkwasser.

Fahdi al-Hamad floh 2014 aus Hamidiyeh. Vor einem Monat kam er zurück. Mit einem Klamottengeschäft versucht er, über die Runden zu kommen. Kunden sind aber rar. Zum Leben reiche das nicht - noch nicht. Er hofft auf den Wiederaufbau und Frieden. "Mit Gottes Hilfe wird es schon irgendwann besser werden", sagt er. "Wenn Strom und Wasser zurück sind, werden die Menschen auch zurückkommen. Immerhin ist es jetzt sicher." Eine vage Hoffnung.

Israel fürchtet Vorrücken iranischer Milizen

Jenseits des Grenzzauns fürchtet Israel, dass mit Assads Siegeszug auch iranische Milizen, seine Verbündeten, vorrücken könnten. Womöglich bis an die Haustür Israels, um von dort Raketen auf den Erzfeind abzuschießen. Für diesen Fall droht die Regierung in Tel Aviv mit einer harten Antwort.

Eine direkte Konfrontation der beiden Regionalmächte würde die Menschen auf den Golanhöhen bitter treffen. Einmal mehr. "Es ist unser Land und wir wollen es vor Israel oder welcher Macht auch immer schützen", sagt Fahdi al-Hamad. "Die Iraner jedenfalls sind nicht hier."

Ein Stück Normalität auf den Golanhöhen

Tatsächlich stehen die Zeichen im Grenzgebiet erst einmal auf Entspannung. Es kehrt ein Stück Normalität zurück auf dem Golan. In der Pufferzone zwischen Israel und Syrien patrouillieren seit kurzem wieder UN-Soldaten. So war es im Waffenstillstandsabkommen von 1974 vereinbart worden. Als die Rebellen hier noch die Kontrolle hatten, zogen die UN ab. Schon bald soll nun auch der Grenzübergang zwischen den beiden Ländern wieder geöffnet werden. So wie vor Beginn des Bürgerkriegs.

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Die Einwohner bauen Solarzellen auf, um endlich wieder Strom zu bekommen.

Russland markiert Machtanspruch

Russland bietet sich als Garant des Friedens in der zerrissenen Region an. Mit vier Beobachtungsposten am Rande der Pufferzone markiert Syriens Verbündeter seinen Machtanspruch.

Im Laden von Hussein Arsan direkt gegenüber eines solchen Postens kaufen die Soldaten gelegentlich Lebensmittel ein. Er lebt gut von und auch mit ihnen, wie er sagt: "Natürlich sind wir glücklich damit, dass sie da sind. Schließlich helfen sie uns, Sicherheit wieder herzustellen und die Parteien miteinander zu versöhnen nach all dem Terror, der das Land zerstört hat."

Ob das tatsächlich gelingt, ist ungewiss nach Jahren von Krieg und Leid in dem zerrissenen Land. Die Sehnsucht der Menschen nach ein wenig Alltag und nach einem Leben in Sicherheit ist zumindest größer denn je.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Oktober 2018 um 12:00 Uhr.

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