Der UN-Syrien-Gesandte de Mistura | Bildquelle: AFP

Drohende Offensive in Idlib De Mistura fordert humanitären Korridor

Stand: 30.08.2018 17:19 Uhr

Steht eine Offensive auf Idlib kurz bevor? Der UN-Gesandte Mistura forderte für Zivilisten einen Korridor, damit sie die syrische Provinz verlassen können. Russland stockt die Seestreitkräfte in der Region auf.

Angesichts der zunehmenden Anzeichen für eine bevorstehende Offensive gegen die syrische Rebellenhochburg Idlib empfiehlt der UN-Syriengesandte Staffan de Mistura den Zivilisten, die Region zu verlassen.

UN für humanitären Korridor

De Mistura forderte dafür die Einrichtung eines humanitären Korridors für Menschen in der Provinz. Er sei bereit, persönlich nach Idlib zu reisen, um solch eine Einrichtung zu erreichen, damit die Bevölkerung in ein sichereres Gebiet ausreisen kann, sagte er. Beispielsweise sollten sie in die von der Regierung gehaltenen Gebiete Syriens gehen, schlug er vor.

Laut de Mistura leben 2,9 Millionen Menschen in Idlib, davon 1,4 Millionen Vertriebene aus anderen Landesteilen. Die Provinz liegt an der Grenze zur Türkei.

Zerstörte Häuser in Idlib | Bildquelle: AFP
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Für die Zivilisten in Idlib soll es einen humanitären Korridor geben, damit sie die Provinz verlassen können.

Laut de Mistura 10.000 Kämpfer in Idlib

Der UN-Gesandte schätzte die Zahl der Kämpfer des früheren Al-Kaida-Ablegers Al-Nusra in der Provinz auf 10.000 plus ihre Familien. Niemand bezweifle, dass es sich bei den Kämpfern um "Terroristen" handele, die besiegt werden müssten, aber nicht auf Kosten von Zivilisten in der Provinz, mahnte der UN-Diplomat in Genf.

Karte: Syrien
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Fast drei Millionen Menschen leben in der Provinz Idlib

Die syrische Regierung droht seit Wochen mit einer Offensive auf die letzte Rebellenbastion im Nordwesten. Derzeit laufen intensive Gespräche zwischen Russland, der Türkei und dem Iran, um eine Offensive zu vermeiden, die zu einer massiven Fluchtwelle in die Türkei führen könnte. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif reiste zu diesem Zweck am Mittwoch nach Ankara, doch wurden keine Einzelheiten der Gespräche bekannt.

Russland kündigt großes Seemanöver an

Derweil wurde bekannt, dass Russland, ein enger Verbündeter des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, seine Seestreitkräfte im östlichen Mittelmeer aufstockt. Das Verteidigungsministerium in Moskau kündigte ein großes Seemanöver an: Bei der Übung vom 1. bis 8. September würden 25 Kriegsschiffe und etwa 30 Flugzeuge eingesetzt. Kremlsprecher Dmitri Peskow zog offen eine Verbindung zur Lage in Idlib, die er kompliziert nannte. "Deshalb ist jede Erhöhung der Vorsichtsmaßnahmen gerechtfertigt und begründet", sagte er der Agentur Interfax zufolge.

Die Zeitung "Iswestija" schrieb vom "größten Flottenverband seit dem Eingreifen Russlands in den Syrienkonflikt".

Lawrow spricht von "eiterndem Geschwür"

Parallel zu der massiven Verstärkung der russischen Seestreitmacht hatte Russlands Außenminister Sergej Lawrow die letzte verbliebene Rebellenenklave als "eiterndes Geschwür" bezeichnet, das "liquidiert" werden müsse. Idlib sei die letzte Brutstätte des Terrors in Syrien. Die Extremisten dort missbrauchten die Zivilbevölkerung als menschliche Schutzschilde und hinderten die verhandlungswilligen Rebellengruppen am Dialog mit der Regierung, sagte Lawrow.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. August 2018 um 16:00 Uhr.

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