Screenshot aus dem Video | Bildquelle: dpa

Affäre in Österreich BKA stellt komplettes Ibiza-Video sicher

Stand: 27.05.2020 22:40 Uhr

2019 sorgte ein auf Ibiza aufgenommenes Video für eine Staatskrise in Österreich. Nun konnte die Polizei das komplette Material beschlagnahmen - und sucht mit Fahndungsfoto nach dem Lockvogel.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Das österreichische Bundeskriminalamt hat nach eigenen Angaben das sogenannte Ibiza-Video in seiner Gesamtlänge sichergestellt. Zugleich veröffentlichte das BK in Wien auf seiner Internetseite mehrere Fahndungsfotos der jungen Frau, die sich beim Zustandekommen des Treffens im Juli 2017 gegenüber dem damaligen FPÖ-Chef Heinz Christian Strache und seinem Parteifreund Johann Gudenus als angebliche Oligarchennichte ausgegeben haben soll.

"Nun versuchen wir, Informationen zu generieren über die Identität der unbekannten Täterin, die sich mit Aliasnamen Alyona Makarov bezeichnet hat. Sprich, das ist die Person, die im Volksmund oder in den Medien oft als Lockvogel betitelt wird", sagte BK-Sprecher Vincenz Kriegs-Au.

Ende April stellte die Sonderkommission "Tape" im BKA das Video in Österreich bei einem Bekannten des mutmaßlichen Drahtziehers, eines Anwalts, sicher, wie die Austria Presse Agentur (APA) den Leiter der Sonderkommission zitiert.

Fahndungsbild des Bundeskriminalamtes Österreich (Quelle: BKA Österreich) | Bildquelle: BKA Österreich
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Mit diesem Foto fahndet das österreichische BKA nach der Frau, die sich als russische Oligarchennichte ausgab.

Gut versteckt auf einer Mikrospeicherkarte

Das beschlagnahmte Material - zwölf Stunden Video- und acht Stunden Audio-Aufnahmen - habe sich auf einer Mikrospeicherkarte befunden und sei "sehr gut" versteckt gewesen. Auf den Mann sei man im Zuge der Ermittlungen und zahlreicher Vernehmungen aufmerksam geworden. Der gesamte Abend sei "nahtlos" aufgenommen worden.

"Wir haben eine Dokumentation des gesamten Abends auf der Finca", sagte Soko-Leiter Dieter Csefan gegenüber der APA. Nach bisherigem Ermittlungsstand könne eine "Fremdfinanzierung" oder ein "nachrichtendienstlicher Hintergrund" ausgeschlossen werden. Vielmehr handele es sich bei der Gruppe, die dem damaligen FPÖ-Chef auf Ibiza eine Falle gestellt habe, um eine "kriminelle Vereinigung", die das Video anschließend habe weiterverkaufen wollen.

Mehr als 40 Ermittlungsverfahren

Seit der Beschlagnahme des gesamten Video- und Audiomaterials werte die Sonderkommission "Tape" die Aufnahmen aus. Es seien mehr als 40 Ermittlungsverfahren eingeleitet worden: "Einerseits geht es darum, die Aufklärung der Hintergründe zur Entstehung des Ibiza-Videos aufzuklären und andererseits um die Überprüfung der im Video getätigten Aussagen und ob hier strafbare Hintergründe festgestellt werden können", sagte BKA-Sprecher Kriegs-Au.

Strache: "Objektives Beweismittel"

Am 4. Juni nimmt ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss im österreichischen Parlament die Ibiza-Affäre unter die Lupe. In einer ersten Reaktion schrieb der ehemalige FPÖ-Chef Strache, der einen Tag nach Veröffentlichung des Videos von dem Amt des Vizekanzlers und Parteivorsitzenden zurückgetreten war, auf Facebook: Der Ermittlungserfolg freue ihn. Nun könnten die Ermittler auf "ein objektives Beweismittel" zurückgreifen und seien nicht auf die Angaben von Hintermännern und Journalisten angewiesen.

Die im österreichischen Nationalrat vertretenen Parteien verlangten, dass dem Untersuchungsausschuss das gesamte Ibiza-Video zugänglich gemacht werden müsse.

Ibiza-Affäre: Österreichs BKA veröffentlicht Fahndungsfotos
Clemens Verenkotte, ARD Wien
27.05.2020 21:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Mai 2020 um 18:34 Uhr.

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