Arbeiter schrauben Holzplatten vor die offene Terrasse einer Austernbar in Santa Rosa Beach. | Bildquelle: dpa

Tropensturm in den USA Florida zittert vor Hurrikan "Michael"

Stand: 10.10.2018 08:16 Uhr

Kurz vor seiner Ankunft in Florida gewinnt Hurrikan "Michael" weiter an Stärke. In vielen Landkreisen gilt der Notstand. Rund 375.000 Anwohner wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Tom Conklin hämmert und schraubt. Er versucht, mit Holzplatten die Fenster seines Geschäfts in Panama City an der US-Golfküste vor Hurrikan "Michael" zu schützen. "Der Wirbelsturm kommt empfindlich nah, da wird man etwas nervös", erzählt er. "Mein Geschäft liegt fast am Strand. Also gebe ich mir etwas mehr Mühe und kann dann vielleicht ruhiger sein."

"Ein vernichtender Sturm"

In vielen Landkreisen von Florida und im benachbarten Bundesstaat Alabama haben die Behörden den Notstand ausgerufen. Tausende Menschen sind verpflichtet, ihre Häuser entlang der Küste zu verlassen. Der Wirbelsturm ist nur noch gut 300 Kilometer vom Festland entfernt.

Über dem warmen Wasser des Golfs von Mexiko gewinnt das Sturmtief weiter an Kraft. Meteorologen rechnen damit, dass der Hurrikan im Verlauf des Tages Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern pro Stunde erreicht. "Hurrikan 'Michael' wird ein vernichtender Sturm sein, in einem Teil von Florida, der so etwas lange nicht erlebt hat", sagt Jeffrey Byard vom US-Katastrophenschutz FEMA. Er warnt vor Stromausfällen und Schäden an der Infrastruktur.

Hurrikan "Michael" hat bereits jetzt die Förderung von Öl und Gas in den USA beeinträchtigt. Einige Bohrinseln im Golf von Mexiko haben aus Sicherheitsgründen die Arbeit unterbrochen. Beim Öl fiel die Fördermenge um 40 Prozent.

Ausläufer von Hurrikan Michael fegten bereits über Kuba hinweg. | Bildquelle: AP
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Ausläufer von Hurrikan "Michael" fegten bereits über Kuba hinweg.

 "Michael" hinterlässt Zerstörung auf Kuba

Mit welcher Kraft der Wirbelsturm über Land fegt, ist bereits für die Menschen auf Kuba zu sehen. Einige Orte an der kubanischen Küste sind nicht über den Landweg zu erreichen. In der Provinz Pinar del Rio stehen Felder unter Wasser, Dämme an Flüssen sind gebrochen und Häuser zerstört. Die Geschichtsprofessorin Zoe Parades steht vor einem Wohnhaus mit zerrissener Fassade. "Ich bin in diesem Haus geboren und aufgewachsen", sagt sie. "Nun muss ich sehen, wie es weitergeht."

Nicht jeder will sein Haus verlassen

In Florida sind bereits 2500 Soldaten der Nationalgarde im Einsatz. 13.000 Arbeiter von Versorgungsbetrieben stehen bereit. US-Präsident Donald Trump versichert in Washington, die USA seien sehr gut auf den nahenden Hurrikan vorbereitet. "FEMA steht bereit. Ich habe mit allen Verantwortlichen gesprochen", sagt Trump. "Vielleicht haben wir auch Glück, aber vielleicht auch nicht. Aber wir sind vorbereitet." 

Nicht überall sind Bewohner bereit, ihre Häuser zu verlassen. Wie bei jedem Sturm können viele Menschen nicht weg. Andere halten die gesamte Aufregung schlicht für übertrieben. "Ich ducke mich einfach", sagt etwa Eric Henderson aus Panama City. "Wir hatten schon so viele Stürme. Das Fernsehen dreht manchmal etwas durch, und die Menschen springen auf und rennen los. Und das sollen sie auch tun. Aber wir haben genug Essen, Strom und Benzin, uns passiert nichts."

Menschen in Lynn Haven füllen Sandsäcke | Bildquelle: dpa
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Menschen in Lynn Haven bereiten sich auf den Hurrikan vor.

Sorge vor schwerer Sturmflut

Die größte Gefahr geht bei Hurrikan "Michael" voraussichtlich nicht vom Sturm, sondern von heftigen Regenfällen und einer möglichen Sturmflut aus. An der flachen Golfküste könnte das Wasser bis zu 3,70 Meter steigen und anschließend alles mit sich reißen, sagen Meteorologen voraus.

Notstand in vielen Landkreisen Floridas ausgerufen
Torsten Teichmann, BR Washington
10.10.2018 08:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Oktober 2018 um 09:00 Uhr.

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