Zerstörtes Haus in Puerto Cabezas, Nicaragua | REUTERS

Nächster Hurrikan Nach "Eta" wütet nun "Iota" in Mittelamerika

Stand: 18.11.2020 08:35 Uhr

Nach "Eta" nun "Iota": Gleich zweimal in kürzester Zeit ist ein Hurrikan über Teile Mittelamerikas hinweggefegt. Die Folgen sind verheerend - und dann ist da auch noch das Coronavirus.

Anne Demmer

Von Anne Demmer, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Menschen schauen mit Entsetzen auf den Strom eines reißenden Flusses im Norden von Nicaragua, der Regen peitscht ihnen ins Gesicht - plötzlich bricht das Ufer weg. Ein junger Mann wird von den Wassermassen mitgerissen - so zu sehen auf einem Video, das in den sozialen Netzwerken geteilt wird. Der Sturm hat riesige Bäume entwurzelt, Dächer fliegen durch die Luft. Nach Informationen der Regierung Nicaraguas kamen mindestens sechs Menschen ums Leben.

Vittoria Peñalba, Landesdirektorin der Organisation World Vision organisiert die Hilfe in Nicaragua, sie sagt:

Die Menschen in den Notunterkünften sind nach dem Hurrikan 'Eta' immer noch im Schockzustand. Sie haben alles verloren und Angst davor, was jetzt noch auf sie zukommt. Die Rettungsmannschaften sind erschöpft und überfordert. Sie hatten gerade erst mit den Aufräumarbeiten nach dem letzten Hurrikan angefangen. Welches Ausmaß die Zerstörung von 'Iota' haben wird, ist noch nicht klar.

Rettung mit Booten und Hubschraubern

Rund 40.000 Menschen mussten allein in Nicaragua in Sicherheit gebracht werden. Für die Hilfskräfte ist es schwer, die Opfer in den betroffenen Regionen zu erreichen. Straßen sind überschwemmt. In Honduras wurden zur Rettung Zehntausender Menschen Boote und Hubschrauber eingesetzt.

Die Region leide unter einer dreifachen Katastrophe, erklärt der Landesdirektor der Hilfsorganisation World Vision in Honduras Jorge Galeano: "Seit acht Monaten kämpfen wir mit Corona, das hat unsere ohnehin schon schwache Wirtschaft hart getroffen. Dann kam 'Eta', hat die Region verwüstet und jetzt auch noch 'Iota'."

Region kämpft noch mit Folgen von "Eta"

"Iota" traf auf eine Region, die nach wie vor mit den Folgen von "Eta" zu kämpfen hat. Anfang November war der Hurrikan der Kategorie vier auf die Küstenregion von Nicaragua getroffen. Er wütete auch in Mexiko, in Honduras und Guatemala, wo ein halbes Dorf von einem Erdrutsch begraben wurde. Rund 200 Menschen sind in Mittelamerika ums Leben gekommen. Hunderttausende Familien sind obdachlos.

Die Versorgung in den Notunterkünften gestaltet sich schwierig, auf beengtem Raum können die Hygiene-Regeln nicht eingehalten werden, es gibt kein sauberes Wasser, so Galeano: "Wir machen Corona-Schnelltests - die Fallzahlen sind extrem angestiegen. Das Ansteckungsrisiko ist natürlich jetzt noch höher und die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Virus noch weiter ausbreitet. Unser Gesundheitssystem ist schwach. Die Situation ist sehr schwierig."

Kritik an Industrieländern

Die Hilfsorganisation World Vision ruft zu Spenden für die Katastrophenopfer auf. Der Präsident von Honduras, Juan Orlando Hernández, kritisiert die fehlende Unterstützung durch die Industrieländer.

Es ist wissenschaftlich bewiesen und wir sehen es auch in der Praxis, dass Mittelamerika eine der Regionen ist, die am schwersten vom Klimawandel betroffen sind. Wir haben ein Problem: Die Länder, die durch ihre Industrien, ihre Produktionsmodelle die Hauptverantwortung am  Klimawandel tragen, hätten zwar Gelder im Rahmen des grünen Klimafonds, aber es ist extrem schwer an sie heranzukommen.

Der starke Regen wird in den nächsten Tagen weitergehen, so die Prognosen. Er trifft auf aufgeweichten Boden - weitere Überschwemmungen und Erdrutsche könnten die Folge sein.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. November 2020 um 09:45 Uhr in den Nachrichten.