Ein unterernährtes Baby | Bildquelle: picture alliance / AA

UN schlagen Alarm Zahl der Hungernden steigt erneut

Stand: 15.07.2019 21:40 Uhr

Jahrzehntelang gab es Fortschritte - doch seit drei Jahren verschlechtern sich die Zahlen: Laut den UN leiden derzeit 821 Millionen Menschen an Hunger. Besonders schlimm ist die Situation von Kindern.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Hochrangige Veranstaltungen bei den Vereinten Nationen können manchmal schon ein bisschen zäh sein. Gerade, wenn es um die Veröffentlichung eines Berichtes geht, an dem fünf verschiedene UN-Organisationen mitgearbeitet haben. Da braucht es dann schon mal so jemanden wie David Beasley, den Direktor des Welternährungsprogramms, um den Laden aufzumischen:

"Wir haben 821 Millionen Menschen, die unter Hunger leiden", rief er. "Ja, wir haben Fortschritte gemacht, aber wir haben heute 149 Millionen Kinder, die unterentwickelt sind. Das ist inakzeptabel. Insbesondere, wenn wir ein weltweites Vermögen von 300 Billionen Dollar haben, davon 100 Billionen allein in den USA. Sollte da ein Kind auf der Welt hungern müssen? Nein!"

Seit drei Jahren verschlechtern sich die Zahlen

Jahrzehntelang hatte es Fortschritte bei der Bekämpfung des Hungers in der Welt gegeben. Doch seit drei Jahren verschlechtern sich die Zahlen wieder. 2015 hungerten noch 785 Millionen Menschen auf der Welt. Der heute vorgestellte Ernährungsbericht geht von 821 Millionen aus. Besonders schlimm ist die Situation von Kindern: 20,5 Millionen kommen schon untergewichtig zur Welt. Fast 50 Millionen unter Fünfjährige sind unterernährt.

"Die Frage ist: Was machen wir dagegen? Wenn das unsere Jungs und Mädchen wären, dann würden wir alles tun", so Beasley. "Wir müssen sie als unsere Kinder sehen - und das sind sie! Das sind unsere Nachbarn, das sind unsere Brüder und Schwestern. Wir haben ja Programme, aber wir haben sie immer noch nicht so gut gemacht, wie sie sein könnten."

Menschen warten auf Essensrationen, die vom World Foof Programme im Südsudan verteilt werden | Bildquelle: AP
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Jeder fünfte Afrikaner gilt als unterernährt. Zu den Gründen zählen Wirtschaftskrisen, Kriege und Folgen des Klimawandels.

Laut dem Welternährungsbericht leiden zwei Milliarden Menschen weltweilt unter Ernährungsunsicherheit. Das heißt, sie haben keinen regelmäßigen Zugang zu unverdorbenem, nahrhaftem und ausreichendem Essen. Das sei eine Aufforderung an die Welt, endlich zu handeln, sagt Henrietta Fore, die Exekutivdirektorin des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF): "Wir können uns nicht leisten, diese Kinder wegen schlechter Ernährung zu verlieren. Es gibt keine bessere Entwicklungshilfe als in die Kinder zu investieren: In deren Körper, Köpfe und Zukunft. Sie sind das wirtschaftliche Kapital der notleidenden Länder und Regionen."

Jeder fünfte Afrikaner unterernährt

Afrika ist nach wie vor am stärksten betroffen. Jeder fünfte Afrikaner gilt als unterernährt. Im Osten des Kontinents sogar jeder Dritte. Zu den Gründen zählen Wirtschaftskrisen, Kriege und Folgen des Klimawandels, wie Überschwemmungen oder Dürren. Die höchste absolute Zahl an Hungernden gibt es mit rund 500 Millionen aber in Asien.

Doch nicht nur der Hunger macht dem Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, Jose Graziano da Silva, Sorgen, sondern auch die rasant steigende Zahl an übergewichtigen Menschen: Eine "globale Epidemie" sei es, wie schnell die Fettleibigkeit zunehme. "Um mal ein paar Zahlen zu nennen: In Afrika steigt die Zahl jedes Jahr um 6,3 Prozent. In Asien um siebeneinhalb Prozent jedes Jahr. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 4,8 Prozent. Das sind sehr hohe Zahlen, und sie nehmen jedes Jahr weiter zu."

Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche im Schulalter. Neben dem Kampf gegen den Hunger empfehlen die UN-Experten deshalb auch bessere Informationen über die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, die Reduzierung von Fett, Salz und Zucker und Einschränkungen bei der Werbung - besonders, wenn sie sich an Kinder richtet.

UN: Hunger breitet sich wieder aus
Peter Mücke, ARD New York
15.07.2019 21:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. Juli 2019 um 20:00 Uhr.

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