Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Militärpfarrer Andreas Bronder beim Feldgottesdienst im Camp Castor in Gao in Mali | Bildquelle: dpa

Nach Hubschrauber-Unglück in Mali "Dieser Verlust wiegt schwer"

Stand: 30.07.2017 20:55 Uhr

Vier Tage nach dem tödlichen Hubschrauber-Absturz in Mali hat Verteidigungsministerin von der Leyen die Truppe vor Ort besucht, um der verunglückten Soldaten zu gedenken. Es habe sich um hochgeschätzte Kameraden gehandelt, sagte die Ministerin.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Nordwestafrika

Im Camp Castor haben sie die "Martinskirche" eingerichtet. Das ist natürlich keine echte Kirche, sondern ein Zelt, bedeckt von einer dünnen Schicht Wüstensand. Soldaten haben hier einen kleinen Altar errichtet. Kerzen stehen darauf und Fotos der beiden Bundeswehrpiloten, die am Mittwoch beim Absturz des Kampfhubschraubers Tiger ums Leben gekommen waren.

Im Lager singt und betet Ursula von der Leyen mit den rund 100 Soldaten, die zu einem Feldgottesdienst gekommen sind. Später sagt die Verteidigungsministerin: "Dieser Verlust wiegt schwer."

Seit mehr als zwei Jahren war kein deutscher Soldat mehr in einem Auslandseinsatz getötet worden. In Gao ist es geschehen, als der Hubschrauber 70 Kilometer nördlich aus bisher ungeklärter Ursache abstürzte. Unmittelbar danach mussten die Soldaten funktionieren: rausfahren, die Absturzstelle sichern, Informationen weiterleiten. Viele konnten sich erst viel später über das Geschehene Gedanken machen.

Da sein. Zuhören.

Ursula von der Leyen will mit ihnen sprechen, da sein, zuhören. "Deshalb möchte ich heute hier den Tag beim Kontingent verbringen, um Raum und Zeit zu lassen für viele Gespräche", betont sie.

Das "Kontingent" - das sind die mehr als 800 Bundeswehrsoldaten die momentan in Gao stationiert sind. Der Militärpfarrer sagt beim Feldgottesdienst: "Wir haben eine sehr schwere Woche hinter uns."

Absturzursache weiter unklar

Ein Kampfhubschrauber des Typs "Tiger" landet am 25.03.2017 erstmals in Gao, Mali. | Bildquelle: dpa
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Ein Kampfhubschrauber des Typs "Tiger" landet Ende März erstmals in Gao, Mali.

Warum der Hubschrauber abstürzte, ist nach wie vor ungeklärt. Ein Team von Experten ist vor Ort, um die Ursache zu klären. Die Ministerin spricht auch mit ihnen. Klare Resultate gibt es offenbar noch nicht. Beide Flugschreiber des Hubschraubers wurde mittlerweile gefunden. Sie sind jedoch stark beschädigt. Ob daraus Informationen zu ziehen sind, ist noch unklar.

Aber heute liegt der Fokus auf den Gesprächen mit der Truppe in Gao. Ministerin von der Leyen will aber nicht nur über den Absturz sprechen. Sie werde mit den Soldatinnen und Soldaten auch über die Friedensmission im Auftrag der Vereinten Nationen sprechen, zu der sie hier seien.

"Ich bin hier, um ihnen auch den Rücken zu stärken", sagt die Ministerin. "Denn wir wissen, dass der Erfolg der Friedensmission hier in Mali entscheidend ist für die Stabilität unserer Nachbarschaft. Und dass die Stabilisierung der europäischen Nachbarschaft Auswirkungen hat auf die Stabilisierung und die Stabilität Deutschlands, aber auch Europas."

"Deutscher Beitrag ist ein wichtiger Pfeiler"

Das klingt so, als wolle von der Leyen noch einmal für Motivation sorgen. Den Soldaten noch einmal klarmachen, dass ihre Arbeit in Mali wichtig ist. Die Bundeswehr soll dort mit ihrer Informationsbeschaffung dabei helfen, die Sicherheitslage zu verbessern und ein ziemlich wackeliges Friedensabkommen durchzusetzen.

Aus Sicht der Ministerin haben die Deutschen im Rahmen der Mission der Vereinten Nationen eine zentrale Rolle: "Es ist eine der wichtigsten, aber auch eine der gefährlichsten Missionen der Vereinten Nationen. Der deutsche Beitrag ist ein wichtiger Pfeiler - unverzichtbar."

Das gilt nicht nur für den Job, den die Soldaten dort tun. Sondern auch für das militärische Gerät, dass die Bundeswehr stellt. Auch deshalb ist es wichtig, möglichst bald die Ursache für den Absturz des Kampfhubschraubers zu klären. Denn momentan müssen die drei noch übrig gebliebenen Helikopter der Bundeswehr am Boden bleiben. Nur im Ausnahmefall sollen sie aufsteigen dürfen. Bis die Absturzursache geklärt ist.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Juli 2017 um 13:15 Uhr.

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