In dieser Skizze des Gerichtssaals sitzt Meng Wanzhou (re) neben einem Übersetzer während einer Kautionsantrags-Verhandlung vor dem Obersten Gerichtshof von British Columbia. | Bildquelle: dpa

Gerichtstermin in Kanada Brisante Iran-Geschäfte von Huawei?

Stand: 08.12.2018 03:53 Uhr

Bei der Kautionsverhandlung der Huawei-Spitzenmanagerin Meng sind im kanadischen Vancouver erstmals Details zu den Vorwürfen öffentlich geworden. Im Zentrum steht dabei die Firma Skycom und deren Iran-Geschäfte.

Im kanadischen Vancouver hat die Anhörung der festgenommene Finanzchefin des chinesischen Technologieriesen Huawei, Meng Wanzhou, begonnen. Ihr Anwalt fordert eine Freilassung gegen Kaution. Es gebe keine Fluchtgefahr, argumentierte er vor Gericht. Schließlich sei Meng bekannt und eine Flucht würde zudem ihren Vater, Huawei-Gründer Ren Zhengfei, demütigen. "Sie können ihr vertrauen", betonte er.

Die Staatsanwaltschaft argumentierte hingegen, dass Meng sehr wohlhabend sei und Fluchtgefahr bestehe, weil ihr nach einer Auslieferung in die USA eine jahrzehntelange Haftstrafe drohe.

Verstoß gegen Iran-Sanktionen

Meng Wanzhou | Bildquelle: MAXIM SHIPENKOV/EPA-EFE/REX/Shut
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Meng soll Banken über Iran-Geschäfte belogen haben.(Archivbild)

Nach rund sechs Stunden wurde die Anhörung auf Montag vertagt. Vor dem Gericht in Vancouver wurden auch erstmals Details der US-Vorwürfe öffentlich. Die Ermittler beschuldigten die 46-Jährige, über die Firma Skycom Geschäfte mit dem Iran gemacht und so gegen Sanktionsrecht verstoßen zu haben. Meng soll laut Staatsanwaltschaft bewusst die Geschäftsbeziehung zwischen Huawei und der in Hongkong ansässigen Firma Skycom verschleiert haben. Sie habe Banken zudem verschwiegen, dass es sich bei Skycom de facto um eine Huawei-Tochter handelte.

Skycom habe trotz eines Handelsembargos der EU und der USA zwischen 2009 und 2014 Geschäfte mit einem iranischen Telekom-Anbieter gemacht. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters bot Skycom unter anderem Computer der Firma Hewlett-Packard an. Kunden waren demnach mehrere iranische Mobilfunkunternehmen. Nach Angaben ihres Anwalts drohen Meng bei einer Verurteilung in den USA 30 Jahre Haft wegen "Verschwörung zum Betrug von Finanzinstitutionen".

Die Huawei-Managerin war am vergangenen Samstag auf Betreiben der US-Behörden in Kanada festgenommen worden.

Große Firma, wachsende Probleme

Huawei mit seinen etwa 180.000 Mitarbeitern ist der weltgrößte Netzwerkausrüster und der zweitgrößte Produzent von Smartphones. Der Aufstieg und der Ausbau der Firma waren in den vergangenen Jahren rasant. Die Eignerstruktur ist undurchsichtig, westliche Geheimdienste haben Sicherheitsbedenken. Sie fürchten Einflussnahme durch die Regierung in Peking, Spionage und Störung der nationalen Netze.

Immer wieder wird der Verdacht geäußert, Huawei könnte Spionage-Chips in seine Produkte einbauen. In Australien, den USA und Neuseeland dürfen deswegen beim Aufbau des neuen 5G-Systems für mobiles Internet keine Bauteile und Steuerelemente von Huawei mehr verwendet werden. In Großbritannien hat British Telecom einen ähnlichen Bann gegen das Unternehmen verhängt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Dezember 2018 um 20:00 Uhr.

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