Der Hongkong-Aktivist Joshua Wong | Bildquelle: RITCHIE B TONGO/EPA-EFE/REX

Nach Festnahme Hongkong-Aktivist Wong wieder frei

Stand: 09.09.2019 07:18 Uhr

Der bekannte Hongkonger Aktivist Joshua Wong ist wieder auf freiem Fuß und auf dem Weg nach Berlin. Er war gestern vor einer geplanten Deutschlandreise am Flughafen festgenommen worden.

Nach einer Nacht in Polizeigewahrsam ist der Hongkonger Demokratie-Aktivist Joshua Wong wieder frei. Die Polizei hatte ihn gestern festgenommen, er habe gegen Kautionsauflagen verstoßen, so der Vorwurf.

Ein Richter wies das heute früh zurück, der 22-Jährige kam wieder frei und darf auch ausdrücklich seine für diese Woche geplanten Reisen nach Deutschland und in die USA antreten. Er sei bereits auf dem Weg nach Berlin, sagte Wong der Nachrichtenagentur dpa. "Es war unnötig, dass sie mich für 24 Stunden festgehalten haben. Sie hätten mich schon gestern Nachmittag entlassen können."

Kaution nach Festnahme Ende August

In Berlin wird Wong am Abend bei einem von der "Bild"-Zeitung organisierten Fest im Dachgarten-Restaurant des Bundestags erwartet. Ende der Woche ist seine Weiterreise in die USA geplant.

Der 22-Jährige war Ende August wegen Aufrufs zu einer nicht genehmigten Versammlung festgenommen worden und später unter Auflagen freigekommen. Ihm und seiner Mitstreiterin Agnes Chow wird vorgeworfen, andere zur Teilnahme an einer illegalen Versammlung in der chinesischen Sonderverwaltungszone am 21. Juni animiert und selbst daran teilgenommen zu haben. Wong muss sich auch für die Organisation der Demonstration verantworten.

Stiller Schüler-Protest

Unterdessen haben nach einem Wochenende erneuter gewaltsamer Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizisten Tausende Schüler ihre Solidarität mit der Protestbewegung ausgedrückt. In Schulen in der halbautonomen Sonderverwaltungszone bildeten sie schweigende Menschenketten, etliche Kinder und Jugendliche trugen dabei Mundschutz.

Am Sonntag waren wieder Zehntausende Menschen auf die Straßen gegangen, um gegen den wachsenden Einfluss von Chinas Staats- und Parteiführung auf die autonom regierte Stadt zu protestieren. Die Demonstrantinnen und Demonstranten zogen vor das Generalkonsulat der Vereinigten Staaten in Hongkong. Sie forderten die US-Regierung auf, den Druck auf Chinas Staatsführung in der Hongkongfrage zu erhöhen.

Demonstranten schwenken während eines Protestes Fahnen der Vereinigten Staaten. | Bildquelle: dpa
galerie

Demonstranten schwenken während eines Protestes Fahnen der Vereinigten Staaten. Die Protestteilnehmer marschieren zum US-Konsulat, um internationale Unterstützung für ihre Protestbewegung zu gewinnen.

Im Anschluss an die Kundgebung kam es erneut zu Gewalt. Radikale Demonstranten errichteten Barrikaden und zündeten diese an. Sie legten auch Feuer am Eingang einer U-Bahnstation und randalierten. Die Polizei nahm mehrere Menschen fest.

Drei Monate Protest

Seit dem 9. Juni kommt es in der Finanzmetropole immer wieder zu Protesten, die oft mit Zusammenstößen zwischen einem kleinen Teil der Demonstranten und der Polizei endeten. Die Protestbewegung befürchtet den wachsenden Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong. Auch fordern die Demonstranten eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt bei den Protesten.

Mit Informationen von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Hongkong: Neue Proteste, Aktivist Joshua Wong auf dem Weg nach Berlin
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
09.09.2019 06:41 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR 2 am 09. September 2019 um 08:00 Uhr.

Darstellung: