Der Hongkonger Demokratie-Aktivist Joshua Wong. | Bildquelle: JEROME FAVRE/EPA-EFE/REX

Vor Deutschland-Reise Hongkong-Aktivist Wong festgenommen

Stand: 08.09.2019 16:51 Uhr

Eigentlich wollte der Demokratie-Aktivist heute nach Deutschland fliegen. Doch die Polizei setzte den 22-Jährigen schon am Hongkonger Flughafen fest. Wong pocht darauf, dass ein Gericht ihm die Reise erlaubt habe.

Der bekannte Hongkonger Aktivst Joshua Wong ist erneut von der Polizei festgenommen worden. Wie Wong über seinen Anwalt auf Twitter mitteilen ließ, wurde er von Beamten am Flughafen festgesetzt. Demnach wird ihm vorgeworfen, seine Kautionsbedingungen verletzt zu haben. Wie die "Bild"-Zeitung berichtete, war Wong auf dem Weg nach Deutschland, wo er am Montagabend zu einem von der Zeitung organisierten Fest im Dachgarten-Restaurant des Bundestags eingeladen war. 

Anhörung am Montag

Wong ging laut der Twitter-Mitteilung davon aus, dass es sich bei der Festnahme um einen Fehler handele. Eine vorläufige Rechtsberatung habe ergeben, "dass das Gericht meine Reisen nach Deutschland und in die USA anerkannt und genehmigt hatte, als es am 30. August eine Kaution gewährte" so Wong. Der Aktivist ging davon aus, am Montagmorgen nach einer Anhörung entlassen zu werden.

Der 22-Jährige war Ende August wegen Aufrufs zu einer nicht genehmigten Versammlung festgenommen worden und später unter Auflagen freigekommen. Ihm und seiner Mitstreiterin Agnes Chow wird vorgeworfen, andere zur Teilnahme an einer illegalen Versammlung in der chinesischen Sonderverwaltungszone am 21. Juni animiert und selbst daran teilgenommen zu haben. Wong muss sich auch für die Organisation der Demonstration verantworten.

Marsch vor das US-Konsulat

Trotz Zugeständnissen der Regierung ist es in Hongkong am Wochenende erneut zu Protesten und Ausschreitungen gekommen. Zehntausende regierungskritische Demonstranten zogen in einem zunächst friedlichen Marsch zum US-Konsulat in der chinesischen Sonderverwaltungszone, um für Unterstützung der Amerikaner zu werben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bei ihrem China-Besuches die Hoffnung geäußert, dass die Konflikte in Hongkong friedlich gelöst werden. Merkel sagte in Wuhan, alles andere wäre aus ihrer Sicht "eine Katastrophe".

Demonstranten schwenken während eines Protestes Fahnen der Vereinigten Staaten. | Bildquelle: dpa
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Demonstranten schwenken während eines Protestes Fahnen der Vereinigten Staaten. Die Protestteilnehmer marschieren zum US-Konsulat, um internationale Unterstützung für ihre Protestbewegung zu gewinnen

Seit dem 9. Juni kommt es in der Finanzmetropole immer wieder zu Protesten, die oft mit Zusammenstößen zwischen einem kleinen Teil der Demonstranten und der Polizei endeten. Die Protestbewegung befürchtet den wachsenden Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong. Auch fordern die Demonstranten eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt bei den Protesten.

Hongkong: Proteste schlagen erneut in Gewalt um
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
09.09.2019 06:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. September 2019 um 16:44 Uhr.

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