Die Angeklagten Joshua Wong und Ivan Lam besteigen einen Polizeibus, mit dem sie zum Prozess gebracht werden. | AFP

Demokratiebewegung in Hongkong Aktivist Wong zu Haftstrafe verurteilt

Stand: 02.12.2020 09:28 Uhr

Wegen der Teilnahme an einer nicht genehmigten Demonstration muss der Hongkonger Aktivist Wong für mehr als ein Jahr in Haft. China geht weiter mit harter Hand gegen die Demokratiebewegung vor.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Joshua Wong muss für dreizehneinhalb Monate ins Gefängnis, die Mitangeklagten Agnes Chow und Ivan Lam wurden zu zehn beziehungsweise sieben Monaten Haft verurteilt. Das hat ein Gericht im Hongkonger Stadtteil Kowloon entschieden. Die Anklage hatte den Dreien vorgeworfen, vergangenes Jahr bei einer nicht genehmigten Demonstration gegen den wachsenden Einfluss der chinesischen Staatsführung auf Hongkong mitgemacht zu haben.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Seit Jahren Proteste

Der 24-jährige Wong und Chow, die morgen 24 Jahre alt wird, sind die international bekanntesten Gesichter der Hongkonger Demokratiebewegung. Sie protestieren seit Jahren für die Aufrechterhaltung der völkerrechtlich garantierten Autonomie Hongkongs und für demokratische Rechte.

Die internationale Aufmerksamkeit für die Situation in der Metropole hatte in den vergangenen Monaten zwar abgenommen, doch die Lage ist aus Sicht der Demokratiebewegung schlimmer denn je. Chinas kommunistische Führung geht seit Monaten massiv und im Eiltempo gegen die Reste der Autonomie Hongkongs vor: An Schulen werden Lehrpläne geändert, die verbleibenden freien Medien werden gegängelt, kritische Journalistinnen und Journalisten werden gefeuert.

Chinas Staatsführung hat mehreren pro-demokratischen Politikern ihre Abgeordnetensitze weggenommen. Zahlreiche Aktivistinnen und Aktivisten flohen seit dem Frühjahr ins Ausland, andere wurden festgenommen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 02. Dezember 2020 um 09:39 Uhr.