Die Angeklagten auf dem Weg in den Gerichtssaal | Bildquelle: REUTERS

Demokratiebewegung in Hongkong Haft für Regenschirm-Aktivisten

Stand: 17.08.2017 12:51 Uhr

Vor drei Jahren hatten sie mit der Regenschirm-Bewegung monatelange Proteste für Demokratie und Meinungsfreiheit in Hongkong organisiert: Ein Gericht verurteilte drei junge Männer nun zu mehreren Monaten Gefängnis.

In Hongkong sind drei Anführer der pro-demokratischen Proteste von 2014 zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Das Gericht hob damit die Entscheidung einer vorangegangenen Instanz auf. Diese hatte die Aktivisten Joshua Wong und Nathan Law zu Sozialstunden verurteilt und eine einwöchige Haftstrafe für einen weiteren, Alex Chow, zur Bewährung ausgesetzt.

Müssen Strafe sofort antreten

Alle drei müssen nach der jüngsten Entscheidung nun in Haft, und zwar für acht, sieben und sechs Monate. Die Männer wurden umgehend abgeführt und mussten ihre Haftstrafe sofort antreten.

Sie wurden verurteilt, im September 2014 zu einer illegalen Protestaktion aufgerufen zu haben, aus der sich weitreichende Demonstrationen entwickelten. Die Staatsanwaltschaft kritisierte das Strafmaß nach der ersten Verurteilung als zu niedrig.

Joshua Wong Chi-fung @joshuawongcf
You can lock up our bodies, but not our minds! We want democracy in Hong Kong. And we will not give up.

Wong kündigte nach der Gerichtsentscheidung an, er werde seinen Kampf für Freiheit und Demokratie fortsetzen. Eines Tages werde Hongkong über seine Zukunft selbst entscheiden können. "See you soon" - wir sehen uns bald, verkündete er via Twitter kurz nach Bekanntgabe des Urteils. Wong war eines der prominentesten Gesichter der sogenannten Regenschirm-Bewegung. Die Proteste in Hongkong dauerten elf Wochen.

Niederlage für Aktivisten

Das Urteil ist ein weiterer Rückschlag für das pro-demokratische Lager in Hongkong. 20 Jahre nach Übergabe der ehemals britischen Kolonie an China baut die Pekinger Zentralregierung ihren Einfluss auf das eigentlich autonome Hongkong immer weiter aus. Die Opposition wirft Peking vor, sich zunehmend in die Angelegenheiten Hongkongs einzumischen und damit die Autonomievereinbarungen zu verletzen. Pro-demokratische Kräfte werden nach Ansicht der meisten Beobachter zunehmend unterdrückt.

Die meist jungen Aktivisten hatten 2014 eine Direktwahl des Regierungschefs in Hongkong ohne Vorauswahl der Kandidaten durch die chinesische Regierung gefordert.

Vor wenigen Monaten hatte sich der verurteilte Demokratieaktivist Law im ARD-Hörfunkinterview zur Zukunft Hongkongs geäußert. Mit Blick auf die Zentralregierung in Peking hatte er gesagt: "Kurzfristig bin ich pessimistisch, was die Zukunft angeht. Langfristig bin ich aber zuversichtlich. Weil ich überzeugt bin, dass autokratische Systeme irgendwann alle zusammenbrechen. Daran glaube ich zumindest."

Mit Informationen von Steffen Wurzel, Shanghai.

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"Regenschirm-Revolution": Aufstand in Hongkong (September 2014)

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Bei den Protesten in Hongkong blockierten Demonstranten die Zugänge zum Regierungssitz.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. August 2017 um 12:00 Uhr.

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