Schulstreik und Proteste in Hongkong: Schülerinnen und Schüler in Schuluniformen auf einer Kundgebung | Bildquelle: Markus Pfalzgraf/SWR

Nach Ausschreitungen Gespannte Ruhe in Hongkong

Stand: 02.09.2019 14:38 Uhr

Nach einem Wochenende mit heftigen Ausschreitungen beginnt die Woche in Hongkong weitgehend friedlich. Nur vereinzelt kommt es zu Verkehrsbehinderungen. Studenten und Schüler allerdings streiken.

Von Markus Pfalzgraf, ARD-Studio Shanghai

Die Demonstranten rufen "Freies Hongkong. Zeit für eine Revolution!" Forderungen wie diese hört man inzwischen bei fast jeder Protestveranstaltung in Hongkong. Auch von Studierenden an einer der größten Universitäten der Stadt.

Sie boykottieren zu Wochenbeginn ihre Uni und versammeln sich zum Protest: gegen die Polizeigewalt - besonders der vom vergangenen Wochenende - gegen die Regierungspolitik und den Einfluss Pekings im eigentlich selbst verwalteten Hongkong. Aber eben auch für Freiheit und Revolution.

Manche Studierende ziehen auch in die Innenstadt. Im Regierungsviertel gibt es eine große Kundgebung. Wieder kommen Tausende Menschen. Diesmal sind auch viele Leute dabei, die die Arbeit niederlegen.

Fluggesellschaft droht mit Entlassungen

Mit der Hongkonger Fluggesellschaft Cathay Pacific ist aus Sicht der Bewegung ein großes, symbolisch wichtiges Unternehmen umgefallen. Denn die Firmenspitze droht ihren Angestellten mit Entlassung, sollten sie sich an Protesten beteiligen.

Bei der Streikveranstaltung dagegen macht sich ein Ingenieur, der für eine mittelgroße Firma arbeitet, nur wenige Sorgen um mögliche Konsequenzen. In seiner Firma seien die Leute gespalten, erzählt er. Die eine Hälfte unterstütze den Protest, die andere Hälfte kümmere sich lieber um ihre eigenen Angelegenheiten. "Ich glaube, mein Chef versteht, warum ich mich beteilige. Deshalb denke ich nicht, dass er mich feuert." Der Mann trägt nicht einmal eine Maske, er demonstriert ohne Angst, von Behörden identifiziert zu werden.

Hongkong | Bildquelle: dpa
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Proteste in Hongkong: Tausende Schüler und Studenten gingen heute auf die Straße.

Auf keine Forderung verzichten

Eine junge Arbeitnehmerin, gerade ein Jahr mit Uni-Abschluss, versteckt sich dagegen hinter ihrem Mundschutz und dem Tarnnamen T. "Die Regierung geht immer noch nicht auf uns ein. Deshalb ist es an der Zeit, weiter zu protestieren", sagt sie. Sie müssten darauf bestehen, dass die Regierung auf ihre fünf Forderungen eingeht. "Nicht auf eine einzige können wir verzichten", betont die junge Frau.

Nach wie vor sind die Hauptforderungen, dass die Regierung das vorläufig zurückgenommene Auslieferungsgesetz komplett streicht, Polizeigewalt unabhängig untersuchen lässt und am besten gleich ganz zurücktritt. Außerdem sollen Protestierende nicht mehr als Randalierer bezeichnet und Festgenommene freigelassen werden.

Das steht auch auf Plakaten von Schülerinnen und Schülern, die sich in der Nähe des Rathauses von Hongkong versammelt haben. Viele tragen ihre Schuluniform, weiße Röcke, oder ein weißes Hemd mit Krawatte. Sie wollten nur tageweise den Unterricht boykottieren, erzählt eine Schülerin. "Von unserer Schule sind 40 Schülerinnen und Schüler hier. Wir machen das nicht jeden Tag, aber ein oder zwei Tage pro Woche."

Und zwar so lange, bis die Regierung auf die Forderungen der Demonstrierenden eingeht. Und das könnte lange dauern.

Schulstreik und Proteste in Hongkong
Markus Pfalzgraf, ARD Shanghai, zzt. Hongkong
02.09.2019 13:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. September 2019 um 13:24 Uhr.

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