Männer in weißen T-Shirts mit Stangen sind in Yuen Long zu sehen. | Bildquelle: REUTERS

Angriffe in Hongkong Schlägertrupp attackiert Demonstranten

Stand: 22.07.2019 14:19 Uhr

In Hongkong haben Maskierte regierungskritische Demonstranten in einem U-Bahnhof mit Metallstangen angegriffen und mehrere Menschen schwer verletzt. Aktivisten vermuten chinesische Triaden hinter den Attacken.

In Hongkong ist es nach schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten zu einer neuen Gewalteskalation gekommen. In einer U-Bahnstation griffen Unbekannte Protestierende und Pendler an.

Ein Internet-Video, dass die Zeitung "Apple Daily" veröffentlichte, zeigte, wie weißgekleidete, maskierte Angreifer in einer U-Bahnstation und einem Waggon schwarzgekleidete Protestierende schlugen. Die Angreifer waren mit Metallstangen und Holzstöcken bewaffnet.

Bei den Angriffen wurden 45 Menschen verletzt. Sechs Menschen erlitten schwere Verletzungen, einer von ihnen schwebte in Lebensgefahr.

Schlägertrupps greifen regierungskritische Demonstranten an
tagesschau 12:00 Uhr, 22.07.2019, Tamara Anthony, ARD Peking

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Angriff von "chinesischen Mobs"

Kritiker werfen der Polizei vor, trotz dramatischer Hilferufe erst nach mehr als einer Stunde in der U-Bahnstation eingetroffen zu sein. Wütende Passagiere sagten der Webseite Stand News und dem Sender iCable, die Polizei sei nicht eingeschritten.

Der bei der Attacke verletzte Abgeordnete Lam Cheuk Ting kritisierte die Polizei ebenfalls. Er machte für den Angriff Mitglieder krimineller chinesischer Banden, der sogenannten Triaden, verantwortlich.

Der Demokratie-Aktivist Nathan Law schrieb auf Twitter, wenn "chinesische Mobs" Bürger attackieren würden, greife die Polizei nicht ein. "Schande über die Regierung."

Die Beamten nahmen die weißgekleideten Angreifer dann auch nicht fest, obwohl diese sich weiterhin in den Straßen nahe des Bahnhofs aufhielten. Später wurden Männer gesehen, die den Ort in Autos mit Kennzeichen von Festland-China verließen.

Lam verurteilt Gewalt

Ein Polizeisprecher sagte, die Polizisten hätten zunächst auf Verstärkung gewartet. Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam sagte, die Polizei werde den Fall gründlich untersuchen. Außerdem verurteilte sie jegliche Gewalt: "Gewalt löst nie Probleme, sondern verursacht nur noch mehr Gewalt. Am Ende werden nur Hongkong und die Menschen hier leiden, wenn Recht und Ordnung verloren gehen."

Sorge vor Triaden

Der Bahnhof Yuen Long, an dem der Angriff stattfand, liegt in der Nähe der Grenze zwischen Hongkong und Festland-China. Mit der Attacke des Schlägertrupps auf die regierungskritischen Demonstranten hat sich der politische Konflikt in Hongkong stark zugespitzt.

Die Sorgen wachsen, dass sich die Triaden in die politische Auseinandersetzung in der chinesischen Sonderverwaltungszone einschalten könnten. Bereits 2014 hatte es gewaltsame Attacken auf Demonstranten der "Regenschirm"-Demokratiebewegung gegeben.

Farbe und Eier auf Chinas Vertretung

Vor der Attacke im Bahnhof hatten nach Angaben der Organisatoren rund 430.000 Menschen friedlich für demokratische Rechte demonstriert. Die Polizei gab die Teilnehmerzahl mit 138.000 an.

Nach Ende der Kundgebung bewarfen einige Demonstranten das Verbindungsbüro der regierenden Kommunistischen Partei Chinas mit Eiern, besprühten die Überwachungskameras am Gebäude und beschmierten das dort angebrachte chinesische Wappen mit schwarzer Tinte.

Die Polizei versuchte, die Menge auseinanderzutreiben. Dabei setzte sie auch Tränengas ein. Viele der Demonstranten hatten sich für Konfrontationen mit der Polizei mit Atemschutzmasken, selbst gemachten Schilden und Helmen ausgerüstet.

Demonstrationen für Demokratie

Die Staats- und Parteiführung in Peking kritisierte die "radikalen" Demonstranten. Sie würden das Prinzip "ein Land, zwei Systeme" in Frage stellen, mit dem Hongkong von Peking aus regiert wird, sagte der Sprecher des Außenministeriums Geng Shuang. "Wir unterstützen die Hongkonger Regierung mit allen Mitteln dabei, Regierungsgebäude zu sichern, Rechtstaatlichkeit zu garantieren und Kriminelle zu bestrafen. Ich möchte noch einmal betonen, dass wir uns gegen jegliche Einmischung und gegen unverantwortliche Kommentare von außerhalb wehren."

Immer wieder wirft die Regierung in Peking anderen Ländern vor, sich in innere Angelegenheiten einzumischen. Auch im Fall Hongkong. Seit Wochen gehen die Menschen dort auf die Straße. Auslöser der Proteste waren Pläne der Regionalregierung für ein umstrittenes Auslieferungsgesetz, durch das Bewohner von Hongkong auf dem chinesischen Festland vor Gericht hätten gestellt werden können.

Dieses wurde mittlerweile von Regierungschefin Lam, auf Eis gelegt. Die Aktivisten fordern trotzdem den Rücktritt Lams und die Absicherung der demokratischen Freiheiten, die Hongkong für Jahrzehnte garantiert worden waren, als es 1997 von Großbritannien an China zurückgegeben wurde.

Forderungen nach Wahlrecht und Freilassungen

Bei dem Protestzug proklamierten Teilnehmer fünf Forderungen aus einem Manifest, das bei der Erstürmung des Hongkonger Parlaments am 1. Juli erstmals präsentiert worden war: Allen Bewohnern Hongkongs solle ein direktes Wahlrecht gewährt, alle Vorwürfe gegen die bei den Protesten festgenommenen Demonstranten sollten fallengelassen werden, eine gewaltsame Auseinandersetzung zwischen Polizei und Demonstranten dürfe nicht mehr als "Unruhen" bezeichnet und der Legislativrat Hongkongs müsse aufgelöst werden.

Chinesische Medien hatten die Proteste in der Sonderverwaltungszone lange ignoriert. Nun schrieb das kommunistische Parteiorgan "Renmin Ribao", "radikale Extremisten", hätten am 1. Juli das Hongkonger Parlament gestürmt und die Rechtsstaatlichkeit mit Füßen getreten.

Mit Informationen von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Lage in Hongkong eskaliert in der Nacht
Benjamin Eyssel, ARD Peking
22.07.2019 06:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Juli 2019 um 12:00 Uhr.

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