Demonstranten halten in Hongkong Bilder mit Kreuzen und Jesus in den Händen.  | Bildquelle: AFP

Hongkong Mit Kreuzen gegen Demonstrationsverbote

Stand: 31.08.2019 09:51 Uhr

Obwohl eine Großdemonstration zum Jahrestag der Regenschirm-Proteste verboten worden war, sind erneut Tausende in Hongkong auf die Straße gegangen. Die Aktivisten umgingen die behördliche Vorschrift kreativ.

Das Demonstrationsverbot der Polizei hat die Demonstranten in Hongkong nicht abgehalten, trotzdem auf die Straße zu gehen: Erneut versammelten sich Tausende Menschen in der Sonderverwaltungszone.

Die Protestbewegung ging mit dem Demonstrationsverbot kreativ um. Die Menschen trafen sich zum "Beten" oder "Einkaufen". Viele Demonstranten trugen Kreuze und sangen "Halleluja".

Grund für die vorherige Absage der geplanten Großdemonstration waren laut Behörden Sicherheitsgründe. Zunächst nahmen die Organisatoren der Civil Human Rights Front (CHRF) ihren Aufruf zu dem Marsch auch zurück. Doch die Demokratiebewegung wollte mit dem heutigen Protestzug den fünften Jahrestag des Scheiterns der Wahlreform 2014 begehen.

Eine Demonstrantin hält in Hongkong ein Plakat mit Regierungschefin Lam hoch. | Bildquelle: AFP
galerie

Die Demonstranten in Hongkong erinnern an die heute als "Regenschirmbewegung" bekannten prodemokratischen Demonstrationen aus dem Jahr 2014.

Festnahmen heizen Stimmung an

Die Polizei erklärte, solche Vorwände im Zweifel nicht gelten zu lassen. Allerdings wolle sie sich bei friedlichen Aktionen zunächst zurückhalten. Bisher sind keine weiteren Zusammenstöße zwischen Polizisten und Demonstranten bekannt. Vorsorglich errichteten die Behörden neue Absperrungen vor dem Verbindungsbüro der chinesischen Regierung und postierten Wasserwerfer in den Straßen.

Festnahmen mehrerer führender Mitglieder der Protestbewegung haben die Spannungen in Hongkong vor dem Wochenende verschärft. Die bekannten Demokratieaktivisten Joshua Wong und Agnes Chow waren festgenommen worden, weil sie am 21. Juni zur Teilnahme an einer illegalen Versammlung animiert und auch selbst an ihr teilgenommen hätten. Die Aktivisten kamen kurze Zeit später wieder auf Kaution frei.

Am Abend seien die prodemokratischen Abgeordneten Au Nok Hin und Jeremy Tam festgenommen worden, wie die Bürgerpartei, der Tam angehört, auf Facebook mitteilte.

Die Hongkonger Demokratieaktivisten Agnes Chow und Joshua Wong | Bildquelle: AP
galerie

Die Hongkonger Demokratieaktivisten Agnes Chow und Joshua Wong nach ihrer Freilassung am Freitag.

Die Polizei beteuerte, die Festnahmen der führenden Mitglieder der regierungskritischen Bewegung hätten nichts mit den Demonstrationen zum Jahrestag der "Regenschirmbewegung" zu tun.

Schutz gegen Pfefferspray

Vor fünf Jahren begannen die heute als "Regenschirmbewegung" bekannten prodemokratischen Demonstrationen, die Teile der asiatischen Wirtschafts- und Finanzmetropole wochenlang lahmgelegt hatten. Der Name stammt von den Regenschirmen, mit denen sich die Demonstranten damals gegen die Sonne, den Regen, aber auch gegen das Pfefferspray der Polizei schützten.

In Hongkong sind erneut Tausende Menschen auf die Straßen gegangen. | Bildquelle: AFP
galerie

Festnahmen mehrerer führender Mitglieder der Protestbewegung haben die Spannungen in Hongkong vor dem Wochenende verschärft.

Zuletzt immer wieder Proteste

Seit fast drei Monaten kommt es in Hongkong immer wieder zu Protesten, die oft mit Zusammenstößen zwischen einem kleinen Teil der Demonstranten und der Polizei endeten. Die Protestbewegung befürchtet steigenden Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong und eine Beschneidung ihrer Freiheitsrechte. Auch fordern die Demonstranten eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt bei den Protesten.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird die frühere britische Kronkolonie in ihrem eigenen Territorium als chinesische Sonderverwaltungsregion nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" autonom regiert. Die sieben Millionen Einwohner stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. August 2019 um 09:50 Uhr.

Darstellung: