In Hongkong sind erneut Tausende Menschen auf die Straßen gegangen.  | Bildquelle: AFP

Hongkong Festnahmen verschärfen die Spannungen

Stand: 31.08.2019 08:36 Uhr

Die Festnahme führender Mitglieder der Demokratiebewegung in Hongkong hat die Atmosphäre erneut aufgeheizt. Eine Großdemonstration wurde verboten. Dennoch könnte es zu neuen Protestaktionen kommen.

Neue Festnahmen haben die Spannungen in Hongkong verschärft. Nachdem die Polizei schon mehrere führende Mitglieder der Protestbewegung abgeführt hatte, wurden zusätzlich noch zwei prodemokratische Abgeordnete festgenommen.

Au Nok-hin und Jeremy Tam wurden bereits am Freitag aufgegriffen, wie örtliche Medien berichteten. Ihnen wird Behinderung der Polizei vorgeworfen. Der Abgeordnete Au soll ferner einen Polizisten angegriffen haben.

Die Polizei beteuerte, die Festnahmen der führenden Mitglieder der regierungskritischen Bewegung hätten nichts mit den geplanten neuen Demonstrationen zu tun. Mehrere von ihnen, darunter der bekannte frühere Studentenführer Joshua Wong und seine Mitstreiterin Agnes Chow, kamen kurze Zeit später wieder auf Kaution frei.

Neue Protestaktionen erwartet

Die Festnahmen heizten die Atmosphäre an diesem Wochenende zusätzlich an. Neue Protestaktionen wurden erwartet, nachdem die Polizei eine für heute geplante Großdemonstration aus Sicherheitsgründen verboten hatte. Nach dem Verbot nahmen die Organisatoren der Civil Human Rights Front (CHRF) ihren Aufruf zu dem Marsch auch zurück.

Die Protestbewegung geht jedoch kreativ mit dem Verbot um. Die Menschen wollen sich zum "Beten" oder "Einkaufen" treffen. Die Polizei erklärte, solche Vorwände im Zweifel nicht gelten zu lassen. Allerdings will sie sich bei friedlichen Aktionen zunächst zurückhalten. Sollte es aber Gewalt geben, werde eingeschritten, sagten hochrangige Offizielle gegenüber Journalisten.

Eigentlich wollte die Demokratiebewegung mit einem Protestzug den fünften Jahrestag des Scheiterns der Wahlreform 2014 begehen. Es war damals der Anfang der heute als "Regenschirmbewegung" bekannten prodemokratischen Demonstrationen, die Teile der asiatischen Wirtschafts- und Finanzmetropole wochenlang lahmgelegt hatten. Der Name stammt von den Regenschirmen, mit denen sich die Demonstranten damals gegen die Sonne, den Regen, aber auch gegen das Pfefferspray der Polizei schützten.

Die Hongkonger Demokratieaktivisten Agnes Chow und Joshua Wong | Bildquelle: AP
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Die Hongkonger Demokratieaktivisten Agnes Chow und Joshua Wong nach ihrer Freilassung am Freitag.

Zuletzt immer wieder Proteste

Seit fast drei Monaten kommt es in Hongkong immer wieder zu Protesten, die oft mit Zusammenstößen zwischen einem kleinen Teil der Demonstranten und der Polizei endeten. Die Protestbewegung befürchtet steigenden Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong und eine Beschneidung ihrer Freiheitsrechte. Auch fordern die Demonstranten eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt bei den Protesten.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird die frühere britische Kronkolonie in ihrem eigenen Territorium als chinesische Sonderverwaltungsregion nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" autonom regiert. Die sieben Millionen Einwohner stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

Mit Informationen von Markus Pfalzgraf, ARD-Studio Shanghai, zzt. in Hongkong

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. August 2019 um 09:00 Uhr.

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