Ein mit Helm und Schutzschild ausgerüsteter Polizist in Hongkong | Bildquelle: dpa

Protestbewegung Erneut Festnahmen in Hongkong

Stand: 30.08.2019 20:23 Uhr

Die Führung in Hongkong geht rigoroser gegen mutmaßliche Kritiker vor: Neben bekannten Aktivisten wurden auch mehrere Parlamentarier festgenommen. Eine am Wochenende geplante Demonstration wurde verboten.

Im Zusammenhang mit den seit rund drei Monaten andauernden Protesten in Hongkong sind insgesamt drei Parlamentsabgeordnete der chinesischen Sonderverwaltungszone festgenommen worden. Sie sollen der Demokratiebewegung nahestehen.

Am Abend seien die Abgeordneten Au Nok Hin und Jeremy Tam festgenommen worden, wie die Bürgerpartei, der Tam angehört, auf Facebook mitteilte. Den beiden werde Behinderung der Polizei vorgeworfen. Au werde zudem beschuldigt, einen Polizisten angegriffen zu haben.

Insgesamt stieg die Zahl der festgenommenen Parlamentarier damit auf drei: Auch der Abgeordnete Cheng Chung Tai wurde nach Angaben seiner eigenen Partei festgenommen. Die Polizei bestätigte die Festnahme eines 35-jährigen Mannes mit Namen Cheng. Ihm werde "Verschwörung" vorgeworfen, um "kriminellen Schaden" anzurichten.

Auch Aktivisten festgenommen

Neben den beiden Abgeordneten waren zuvor auch die bekannten Demokratieaktivisten Joshua Wong und Agnes Chow festgenommen worden, weil sie am 21. Juni zur Teilnahme an einer illegalen Versammlung animiert und auch selbst an ihr teilgenommen hätten. Bürgerrechtler Wong wird zudem vorgeworfen, die Demonstration organisiert zu haben. Beide Aktivisten kamen aber wenige Stunden nach ihrer Festnahme auf Kaution frei.

Wong ist Generalsekretär von Demosisto und war 2014 einer der studentischen Anführer der prodemokratischen Regenschirmbewegung. Im Zuge dessen war er zu Haft verurteilt worden. Er kam im Juni nach zwei Monaten aus dem Gefängnis frei. Bei den Demonstrationen in diesem Sommer in Hongkong hat er wiederholt öffentlich gesprochen.

Joshua Wong (M), einer der führenden Köpfe der Demokratiebewegung, geht vor Reportern, nachdem er mit Demonstranten gesprochen hat. | Bildquelle: dpa
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Wong ist Generalsekretär der Partei Demosisto und war 2014 einer der studentischen Anführer der prodemokratischen Regenschirmbewegung.

Eine weitere Festnahme gab es bereits am Donnerstag: Medienberichten zufolge war der Anführer der verbotenen Unabhängigkeitspartei Hong Kong National Party, Andy Chan, am internationalen Flughafen der Millionenmetropole festgenommen worden, von wo aus er nach Japan fliegen wollte.

Großdemo für Samstag abgesagt

Für Samstag hatte die Demokratiebewegung erneut zu einer Großdemonstration gegen die pekingtreue Führung Hongkongs aufgerufen. Die Demo wurde aber verboten. Die Polizei hatte an die Organisatoren geschrieben, es sei zu befürchten, dass Teilnehmer "gewalttätige und destruktive Taten" begehen wollten. Demonstrierende hätten zuletzt "nicht nur Feuer gelegt und Straßensperren errichtet, sondern auch Brandbomben, Stahlkugeln, Steine, lange Speere und verschiedene selbst gefertigte Waffen" eingesetzt.

Nach dem Verbot sagten die Organisatoren der Demonstration ihre geplante Kundgebung ab. Man sehe keine andere Möglichkeit, sagte Bonnie Leung von der Zivilen Menschenrechtsfront. Es gebe Sorgen um die Rechtssicherheit und die körperliche Unversehrtheit der Teilnehmer. Unklar war, ob es dennoch nicht genehmigte Demonstrationen geben würde.

Mit Informationen von Markus Pfalzgraf, ARD-Studio Shanghai, zzt. in Hongkong

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. August 2019 um 20:00 Uhr.

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