Polizisten in Hongkong | Bildquelle: dpa

Proteste in Hongkong Schüsse, Feuer, Eskalation

Stand: 11.11.2019 14:44 Uhr

Der Einsatz scharfer Munition durch die Polizei hat die Lage in Hongkong weiter eskalieren lassen - es kam teils zu chaotischen Szenen. Bei Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Anhängern der Regierung wurde ein Mann angezündet.

Fünf Monate nach Beginn der Anti-Regierungsproteste in Hongkong ist kein Ende der Gewalt absehbar: Nachdem erneut ein Demonstrant von einem Polizisten angeschossen und in den Oberkörper getroffen worden war, spielten sich in der chinesischen Sonderverwaltungszone teils chaotische Szenen ab.

Gewalt an mehreren Stellen in der Stadt

An mehreren Orten in der Stadt entluden sich Proteste in Gewalt. Radikale Demonstranten blockierten Straßen, legten Feuer und warfen Pflastersteine. Die Polizei setzte Gummigeschosse und Tränengas ein.

Der 21-Jährige Mann war am Morgen an einer von Demonstranten blockierten Kreuzung von einem Polizisten angeschossen worden. Nach Angaben der Krankenhaus-Behörde befand er sich in einem kritischen Zustand. Seit dem Ausbruch der Anti-Regierungsproteste im Juni war es das dritte Mal, dass ein Demonstrant von der Polizei angeschossen wurde.

Auf einem in sozialen Netzwerken geteilten Video ist zu sehen, wie ein Polizist zunächst aus nächster Nähe seine Waffe auf einen Demonstranten richtet. Es kommt zu einem Handgemenge. Als von der Seite ein weiterer Demonstrant auf den Beamten zukommt, schießt er auf diesen und feuert zwei weitere Schüsse ebenfalls in Richtung anderer Demonstranten ab.

Die Polizei rechtfertigte den Einsatz der Waffe. Der Polizist sei bedroht worden, es habe sich um Notwehr gehandelt, so Polizeisprecher Tse Chun-Chung. Ein Aktivist habe versucht, ihm die Waffe zu entreißen. "Wir gehen auf jeden Fall davon aus, dass der Polizist niemanden vorsätzlich verletzen wollte. Der Fall wird von der Hongkonger Kriminalpolizei bearbeitet. Wir werden uns alle Videos von Überwachungskameras und aus dem Internet ansehen und den Fall gründlich untersuchen", so der Sprecher.

Auch in einem weiteren Fall versprach die Polizei Aufklärung: Auf einem Video, das im Internet verbreitet wurde, ist zu sehen, wie ein Polizist auf einem Motorrad in eine Gruppe Demonstranten fährt. Einige von ihnen hatten zuvor den Polizisten angegriffen.

Ein Demonstrant in Hongkong mit Regenschirm. | Bildquelle: dpa
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Erneut ist die Gewalt in Hongkong eskaliert. Die Polizei setzte auch Tränengas ein.

Ein Mann in Brand gesetzt

Zu Gewalt kam es auch erneut zwischen Gegnern und Anhängern der Regierung. Wie die "South China Morning Post" berichtete, wurde ein Mann mit einer Flüssigkeit bespritzt und in Brand gesetzt, nachdem er einer Gruppe "Ihr seid keine Chinesen" zugerufen habe. Der Mann wurde demnach mit Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht. 

Joshua Wong, eines der bekanntesten Gesichter der Demokratiebewegung, forderte ein Ende der Polizeigewalt. "Nicht wir haben die Gewalt eskaliert, sondern die einzige Seite, die eskaliert, ist die Polizei", sagte Wong der britischen BBC. "Aus Hongkong wird ein Polizeistaat gemacht."

Lam nennt Demonstranten "Feinde des Volkes"

Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam erklärte, die Gewalt der Demonstranten überschatte deren Forderung nach Demokratie. Sie seien nun Feinde des Volkes. Laut Lam waren am Montag insgesamt mehr als 60 Verletzte zur Behandlung im Krankenhaus.

Mit ihren Blockade-Aktionen wollten die Demonstranten ursprünglich an den Tod eines Studenten erinnern. Der 22-Jährige war am Freitag an den Folgen seiner schweren Verletzungen gestorben, nachdem er vergangene Woche am Rande von Protesten von einem Parkhaus gestürzt war. Durch die Schüsse der Polizei schaukelte sich die Lage dann weiter hoch.

Seit dem 9. Juni demonstrieren die Hongkonger gegen die eigene Regierung. Sie kritisieren einen wachsenden Einfluss der Pekinger Führung auf die ehemalige britische Kronkolonie. Immer wieder kommt es dabei zu schweren Zusammenstößen von Polizei und Demonstranten. Auslöser der Proteste waren ursprünglich die kontroversen Pläne der Regierungschefin für ein Auslieferungsgesetz. Damit hätten auch Personen, die vom chinesischen Justizsystem verdächtigt werden, an China ausgeliefert werden können.

Mehr als 2000 Festnahmen

Die Regierung lenkte schließlich ein und kassierte das Gesetz wieder ein. Die Demonstranten fordern aber zudem freie Wahlen, eine unabhängige Untersuchung von Polizeibrutalität sowie Straffreiheit für die bereits weit mehr als 2000 Festgenommenen. Auch der Rücktritt von Regierungschefin Lam gehört zu ihren Forderungen.

Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" autonom regiert. Anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik genießen die sieben Millionen Hongkonger Meinungs- und Versammlungsfreiheit, fürchten aber zunehmend um ihre Freiheitsrechte.

Mit Informationen von Benjamin Eyssel, RBB, zzt. Hongkong

Hongkong: Polizist schießt auf Demonstranten, ein Schwerverletzter
Benjamin Eyssel, RBB, zzt. ARD Hongkong
11.11.2019 06:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 11. November 2019 Deutschlandfunk Kultur um 08:09 Uhr in der Sendung "Studio 9" und die tagesschau um 14:00 Uhr.

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