Teilnehmer einer friedlichen Kundgebung in Hongkong; im Vordergrund eine Figur mit einem Regenschirm. | Bildquelle: dpa

Hongkong Proteste und Ausschreitungen am Jahrestag

Stand: 29.09.2019 11:02 Uhr

Zehntausende haben bei einer Demonstration in Hongkong an die Regenschirm-Bewegung vor fünf Jahren erinnert. Am Rande der Kundgebung kam es erneut zu Ausschreitungen. Die Proteste sollen insgesamt mehrere Tage dauern.

In Hongkong ist es am Rande einer friedlichen Demonstration zu neuen Ausschreitungen gekommen. Nahe dem Parlamentsgebäude ging die Polizei mit Wasserwerfern und Pfefferspray gegen Aktivisten vor, die Brandsätze geworfen hatten. Mehrere Regierungsgegner - viele vermummt und schwarz gekleidet - warfen Steine und besprühten Geschäfte mit Graffiti. Die Einsatzkräfte der Polizei rückten auf der Harcourt Road vor und räumten Straßenblockaden weg, während sich die Demonstranten zurückzogen. Der Wasserwerfer versprühte wieder blau versetztes Wasser, um Aktivisten zu markieren.

Zur gleichen Zeit erinnerten bei einer friedlichen Kundgebung im Tamar Park Zehntausende Menschen an die Regenschirm-Proteste vor fünf Jahren. Die Organisatoren schätzten die Zahl der Teilnehmer auf 200.000 bis 300.000, darunter auch viele Familien. Die Regenschirm-Bewegung hatte 2014 wochenlang für freie Wahlen in Hongkong demonstriert, ohne China jedoch Zugeständnisse für mehr Freiheiten abringen zu könnnen. Ihren Namen bekam sie von den Regenschirmen, die die studentischen Demonstranten damals zum Schutz gegen Sonne, Regen und das Pfefferspray der Polizei einsetzten.

Wong kündigt Kandidatur an

Aus Anlass des Jahrestages verkündete einer der Wortführer der Bewegung, Joshua Wong, im November bei den Lokalwahlen antreten zu wollen. Es gebe "keinen Grund", warum er disqualifiziert werden könnte, sagte der 22-Jährige. So sei er heute alt genug und habe bisher keine Haftstrafe von mehr als drei Monaten erhalten. Wegen seiner Beteiligung an der Regenschirmbewegung hatte er zwei Monate Haft absitzen müssen; er war im Juni freigekommen.

Joshua Wong | Bildquelle: dpa
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Joshua Wong war bei den Regenschirm-Protesten als Jugendlicher einer der Anführer gewesen.

Keine Demonstrationen am Gründungsjahrestag zugelassen

Die heutige Kundgebung ist Teil von Protesten, die gestern begonnen haben und vier Tage dauern sollen - so wollen die Aktivisten vor den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Gründung Chinas am Dienstag ein Zeichen gegen Peking setzen. An Chinas Gründungsjahrestag selbst wurden mit Hinweis auf Sicherheitsbedenken keine Demonstrationen zugelassen. Allerdings wurden frühere Verbote weitgehend ignoriert, so dass auch diesmal mit gewaltsamen Auseinandersetzungen gerechnet wird. 

Seit fünf Monaten demonstrieren die Hongkonger gegen ihre Regierung und den wachsenden Einfluss der kommunistischen Führung auf Hongkong. Sie fordern eine unabhängige Untersuchung von Polizeigewalt und freie Wahlen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. September 2019 um 09:50 Uhr und 12:00 Uhr.

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