Ein Demonstrant hebt nach Zusammenstößen mit der Polizei in Hongkong den Zeigefinger. | Bildquelle: dpa

Gewalt bei Protesten in Hongkong Keine Seite will aufgeben

Stand: 12.06.2019 19:24 Uhr

Demonstranten werfen Steine, Polizisten setzen Schlagstöcke ein: In Hongkong sind die Proteste gegen das Gesetz für Auslieferungen an China in Gewalt umgeschlagen. Die Regierungschefin bleibt aber hart.

Von Markus Pfalzgraf, ARD-Studio Shanghai

"Keine Auslieferungen nach China! Keine Auslieferungen nach China!", rufen sie und: "Carrie Lam, tritt zurück! Carrie Lam, tritt zurück! Es sind vor allem junge Menschen, die hier im Regierungsviertel von Hongkong protestieren.

Einer von ihnen ist Jimmy Pang Chi Ming: "So viele junge Menschen - das gibt mir das Gefühl, dass es noch Hoffnung gibt. Sie werden nicht aufgeben. Für sie ist Hongkong die Heimat, die sind sie nicht bereit sind aufzugeben."

"Das macht mich traurig"

Aufgeben will auch die Regierungschefin nicht. Zu einer ähnlichen Zeit gibt sie einem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in Hongkong ein Interview. "Im Moment mache ich mir Sorgen, das macht mich traurig. Und zwar, weil ich so viele junge Leute sehe, die diese Aktionen machen. Hongkong war aber immer ein Ort des zivilisierten Friedens und der Vernunft", sagt Lam.

Zusammenstöße zwischen Polizisten und Demonstranten in Hongkong | Bildquelle: AFP
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Bei den Zusammenstößen in Hongkong wurden laut Regierung mindestens 72 Menschen verletzt.

Mit Pfefferspray gegen Demonstranten

Schon gegen die Demonstrationen, Streiks und Blockaden hatte sich die Regierungschefin ausgesprochen. Doch dann eskalierte die Gewalt. Auch diese Bilder gehen über den Sender: Demonstrierende versuchen, Barrikaden zu durchbrechen, werfen Gegenstände, die Polizei setzt Pfefferspray ein. An anderen Orten auch Tränengas und Schlagstöcke.

Doch trotz aller Konflikte hält die Regierung an dem umstrittenen Gesetz fest, auch wenn die Debatte im Parlament heute abgesagt wurde. Die Regierungschefin bleibt dabei: "Keine Frage, dass dieses Gesetz kontrovers ist. Erklärungen und Kommunikation sind hilfreich, aber sie können wohl niemals komplett die Ängste und Befürchtungen oder den Streit beenden."

"Sie errichtet eine Diktatur"

Und dieser Streit spitzt sich zu an diesem Tag in Hongkong. Jimmy Pang, der junge Demonstrant im Regierungsviertel, sagt, er habe auch mehrmals Tränengas abbekommen.

Aber die Jugendlichen seien trotzdem geblieben, die junge Generation komme wieder. "Unter diesen Umständen übt Regierungschefin Carrie Lam Gewalt gegen junge Leute aus. Sie errichtet eine Diktatur, ohne Dialog und ohne Prinzipien."

Gewalt bei Protesten in Hongkong
Markus Pfalzgraf, ARD Shanghai
12.06.2019 18:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Juni 2019 um 22:36 Uhr.

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