Polizisten nehmen einen Demonstranten im Hongkonger Flughafen fest. | Bildquelle: dpa

Flughafen Hongkong Mit Pfefferspray gegen Barrikaden

Stand: 14.08.2019 00:14 Uhr

Am Flughafen von Hongkong ist es erneut zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die Sicherheitskräfte setzten Pfefferspray ein. Laut US-Präsident Trump hat China Truppen in Stellung gebracht.

Bei Protesten Tausender Regierungskritiker im Flughafen Hongkong ist es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Beamte mit Schlagstöcken, Helmen und Schilden drangen in den von Aktivisten besetzten Airport ein, der wegen der Blockade wie schon tags zuvor stundenlang komplett lahmgelegt war. Demonstranten begannen, gegen die Polizei weitere Barrikaden an einer Eingangsrampe zu errichten.

Die Sicherheitskräfte setzten Pfefferspray ein, wie ein Reuters-Reporter beobachtete. Einige Demonstranten versuchten, einem Polizeifahrzeug die Zufahrt zum Flughafen zu versperren, dabei kam es zu Rangeleien.

Wie die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" berichtete, griffen die Beamten ein, um einem Mann zu helfen, der über Stunden von Demonstranten festgehalten und beschuldigt worden sei, ein Agent vom chinesischen Festland zu sein. Sanitäter brachten den Mann schließlich aus dem Flughafen. Vor dem Gebäude wurden demnach Polizeifahrzeuge angegriffen und Fenster eingeschlagen.

Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten am Flughafen Hongkong
tagesschau 20:00 Uhr, 13.08.2019, Tamara Anthony, ARD Peking

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Barrikaden aus Gepäckwagen

Wegen der Blockade fielen seit dem Vormittag etliche Flüge aus. Nachmittags stoppte der Airportbetreiber den gesamten Check-In-Service für alle restlichen Flüge des Tages. Der Flughafen ist das zentrale Drehkreuz für Langstreckenflüge über China und Südostasien.

Tausende Anhänger der Protestbewegung besetzten wie schon am Montag die Ankunfts- und Abflughallen. Mit Gepäckwagen und anderen Gegenständen wurden Barrikaden errichtet. Die Polizei hatte sich tagsüber zunächst zurückhaltend verhalten.

Viele Demonstranten trugen Augenpflaster oder Augenklappen, um auf die schwere Augenverletzung einer Aktivistin aufmerksam zu machen, die bei Ausschreitungen am Wochenende von einem Gummigeschoss der Polizei getroffen worden war.

Appell von Außenminister Maas

Bundesaußenminister Heiko Maas äußerte sich besorgt. "Die Dinge eskalieren immer mehr. Deswegen kann man nur appellieren, dass sich alle Seiten zurücknehmen", sagte er bei einem Besuch in New York. "Wichtig wird für uns allerdings auch bleiben, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht beeinträchtigt wird."

Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, rief die Behörden auf, die Zwischenfälle zu untersuchen und sicherzustellen, dass die Sicherheitskräfte keine internationalen Normen verletzten. Bachelet warb für mehr Dialog mit den Demonstrierenden. Protestteilnehmer, die ihre Ansichten bei friedlichen Protesten kundtäten, müssten respektiert und geschützt werden.

Trump: China bringt Truppen in Stellung

US-Präsident Donald Trump zufolge bringt Chinas Militär Truppen an der Grenze zu Hongkong in Stellung. Darüber sei er von den US-Geheimdiensten informiert worden, schrieb Trump auf Twitter. Alle Parteien sollten in dieser Lage Ruhe bewahren und für Sicherheit sorgen, so Trump. Kurz zuvor hatte er vor Journalisten im Hinblick auf die angespannte Lage gesagt: "Ich hoffe, niemand wird verletzt. Ich hoffe, niemand wird getötet."

Neu ist Trumps Erkenntnis allerdings nicht: Chinas Staatsmedien hatten bereits zuvor immer wieder Videoaufnahmen und Fotos verbreitet, die Truppenbewegungen an der Grenze zwischen Festlandchina und Hongkong zeigen sollen. Ohne direkt mit einem Einmarsch in die frühere britische Kolonie zu drohen, macht die Staats- und Parteiführung in Peking damit klar: Zu Zugeständnissen in der Hongkong-Frage ist sie nicht bereit.

Nach Angaben der USA verweigerte China zwei amerikanischen Kriegsschiffen einen Aufenthalt im Hafen von Hongkong. Der Aufenthalt der beiden Schiffe in Hongkong habe "in den nächsten paar Wochen" stattfinden sollen. Einzelheiten wurden nicht genannt.

Lam verteidigt Sicherheitskräfte

Regierungschefin Carrie Lam stellte sich trotz massiver Kritik der Demonstranten hinter die Sicherheitskräfte. Die Polizei habe zuletzt "große Schwierigkeiten gehabt, das Gesetz durchzusetzen". Als jemand, der nicht selbst Teil der Polizei sei, könne sie nicht darüber bestimmen, wie die Einsätze abliefen.

Chinas Regierung mahnt immer energischer, die Ordnung in der Sonderverwaltungszone wieder herzustellen und die Gewalt zu beenden. Yang Gang, der Sprecher der für Hongkong zuständigen Behörde, hatte den gewaltbereiten Demonstranten am Montag "erste Anzeichen von Terrorismus" vorgeworfen. Zu Beginn der Woche verbreiteten Staatsmedien zudem Videos von gepanzerten Fahrzeugen der paramilitärischen Polizei, die in Shenzhen an der Grenze zu Hongkong zusammengezogen wurde. Es habe sich um eine Übung gehandelt, hieß es.

Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam | Bildquelle: REUTERS
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Hongkongs Regierungschefin Lam: Die Polizei habe zuletzt "große Schwierigkeiten gehabt, das Gesetz durchzusetzen".

Lufthansa streicht Flüge

Die Lufthansa teilte mit, drei ihrer Flugzeuge sollten noch am Dienstag deutscher Zeit von Hongkong nach Frankfurt, München und Zürich zurückfliegen. Diese Flieger könnten allerdings in Hongkong nur Umsteigepassagiere - also Fluggäste, die schon eingecheckt seien und sich im Transitbereich des Flughafens aufhielten - mitnehmen, da ein regulärer Check-in nicht möglich sei. Ob angesichts der Proteste am Flughafen weitere Lufthansa-Flüge von Frankfurt nach Hongkong gestrichen werden, sollte am Abend entschieden werden.

Die Hongkonger Fluggesellschaft Cathay Pacific bat Passagiere, auch am Mittwoch den Flughafen zu meiden. Reisen sollten möglichst verschoben werden, hieß es in einer Mitteilung.

Recht auf freie Meinungsäußerung

In der Sieben-Millionen-Metropole kommt es seit mehr zwei Monaten immer wieder zu massiven Protesten, die regelmäßig mit Ausschreitungen enden. Auslöser der Demonstrationen war ein - inzwischen auf Eis gelegter - Gesetzentwurf der Regierung zur Auslieferung mutmaßlicher Krimineller an China. Die Proteste entwickelten sich zu einer breiteren Bewegung.

Die frühere britische Kronkolonie Hongkong wird seit der Rückgabe 1997 an China als eigenes Territorium autonom regiert. Anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik genießen die Hongkonger das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie Presse- und Versammlungsfreiheit. Diese Rechte sehen viele nun in Gefahr.

Gewalt am Flughafen in Hongkong
Benjamin Eyysel, ARD Peking
13.08.2019 19:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. August 2019 um 17:00 Uhr.

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