Li Kwai-wah, leitender Beamter des Nationalen Sicherheitsministeriums der Polizei in Hongkong, posiert mit Beweisen, darunter drei Kinderbücher. | AP

Hongkong Kinderbuch-Herausgeber festgenommen

Stand: 22.07.2021 14:57 Uhr

Fünf Mitglieder einer Hongkonger Logopäden-Gewerkschaft sind wegen der Veröffentlichung angeblich "aufrührerischer" Kinderbücher festgenommen worden. Sie hätten versucht, den Hass von Kindern gegen die Regierung zu schüren, erklärte die Polizei.

In Hongkong sind fünf Mitglieder der Gewerkschaft der Logopäden wegen einer Serie von Kinderbüchern festgenommen worden. Die drei Frauen und zwei Männer zwischen 25 und 28 Jahren hätten "aufrührerische Publikationen veröffentlicht, verbreitet, ausgestellt oder kopiert", erklärte die Hongkonger Polizei.

Die Gewerkschaft hatte in den vergangenen drei Monaten drei illustrierte Bücher veröffentlicht, um Kindern die Demokratie-Bewegung zu erklären. Die Aktivisten werden darin als Schafe dargestellt, die in einem von Wölfen umzingelten Dorf leben. Die Schafe werden aktiv, indem sie etwa in den Streik treten oder in Booten flüchten, wie aus Zusammenfassungen der Bücher auf der Website der Vereinigung hervorgeht.

Vorwurf der Gewaltanstifung

Die Gewerkschafter hätten versucht, "den Hass der Öffentlichkeit - und insbesondere den von kleinen Kindern - gegen die Regierung und die Justiz Hongkongs zu schüren und zu Gewalt und illegalen Handlungen anzustiften", erklärte die Polizei. Diese fror auch Vermögen im Wert von umgerechnet rund 17.500 Euro ein, die in Verbindung zur Gewerkschaft stehen.

Innerhalb der Sicherheitsbehörden war die neugeschaffene Nationale Sicherheitspolizeieinheit für die Festnahmen zuständig, die das Vorgehen gegen Kritiker der Hongkonger und der chinesischen Regierung anführt.

Sicherheitsgesetz erlaubt Behörden hartes Durchgreifen

In Hongkong hatte es 2019 monatelange Massenproteste gegen den wachsenden Einfluss Chinas gegeben. Als Reaktion darauf erließ die chinesische Führung vor einem Jahr das sogenannte Sicherheitsgesetz, das den Behörden in Hongkong ein hartes Vorgehen gegen alle Aktivitäten erlaubt, die nach ihrer Auffassung die nationale Sicherheit Chinas bedrohen. Verstöße können mit lebenslanger Haft bestraft werden. Seitdem kommt es immer wieder zu Verhaftungen prodemokratischer Anhänger.

Zeitgleich zu den Verhaftungen der Gewerkschafter verweigerte ein Gericht in Hongkong vier festgenommenen leitenden Redakteuren und Journalisten der inzwischen eingestellten prodemokratischen Zeitung "Apple Daily" zudem eine Freilassung gegen Kaution.

Sieben Demokratie-Anhänger verurteilt

Am Vortag kamen sie unter dem Verdacht in Gewahrsam, sich in Absprache mit ausländischen Kräften zur Gefährdung der nationalen Sicherheit verschworen zu haben. Bisher sind acht frühere Angestellte der "Apple Daily" festgenommen worden.

Die Justiz verurteilte außerdem sieben Unterstützer der Hongkonger Regierung für einen gewaltsamen Angriff auf Demonstranten. Richter Eddie Yip sagte, sie hätten "kollektiv den Verstand verloren" und "das Gesetz in ihre eigenen Hände genommen und die Bewohner in extremen Terror versetzt".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Juni 2021 um 20:55 Uhr.