Ein Demonstrant hält bei einer Kundgebung am Flughafen in Hongkong ein Schild mit der Aufschrift "Hong Kong. No Justice" in der Hand.  | Bildquelle: dpa

Protest in Hongkong Die Gewalt ist nicht vergessen

Stand: 27.07.2019 04:36 Uhr

Die Anti-Regierungsdemos in Hongkong nehmen kein Ende. Aktivisten wollen heute erneut auf die Straße gehen - und dabei auch gegen den Gewaltausbruch in der vergangenen Woche protestieren.

 Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai z.Zt. Hongkong

Dutzende maskierte und in weiß gekleidete Männer stürmen durch die U-Bahn-Station Yuen Long im Norden der Sonderverwaltungsregion Hongkong. Mit Schlagstöcken und anderen Gegenständen schlagen sie auf Passanten ein. Mindestens 45 Menschen werden verletzt, einige von ihnen schwer.

Zahlreiche Handy-Videos von der Schlägerattacke kursieren seit dem Vorfall im Netz. "Das war wirklich gruselig," erzählt der 23-jährige Calvin So einem Reporter der Nachrichtenagentur Reuters. "Die haben mich angegriffen mit Stöcken und Ruten. Hier auf meinem Rücken ... alles ist voller Blutergüsse und Prellungen. Ich hatte einfach nur Angst."

Tamara Anthony, ARD Peking zzt. Hongkong, über die Lage vor Ort
tagesschau24 10:00 Uhr, 27.07.2019

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Wer steckt hinter den Attacken?

Die meisten der angegriffenen U-Bahn-Passagiere kamen gerade von einer Anti-Regierungsdemo im Hongkonger Stadtzentrum. Viele aus dem pro-demokratischen Lager der Stadt sind davon überzeugt, dass die chinesische Staats- und Parteiführung und die pekingfreundliche Hongkonger Regierung hinter der brutalen Prügelattacke stecken.

Ins Bild passt, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen Hongkongs Aufnahmen zeigte, auf denen einige der mutmaßlichen Schläger im lockeren Gespräch mit Polizisten zu sehen waren. Anfang der Woche nahmen Ermittler sechs Verdächtige fest. Einige von ihnen hätten Verbindungen zur Hongkonger Mafia, erklärte die Polizei.

Männer in weißen T-Shirts mit Stangen sind in Yuen Long zu sehen.
galerie

Männer in weißen T-Shirts und mit Stangen in Yuen Long: Wer steckt hinter den Attacken?

"Sie verbreiten Angst und Schrecken in der Bevölkerung"

Für pro-demokratische Aktivisten in Hongkong ist das ein weiterer Hinweis darauf, dass die Regierung für den Angriff verantwortlich ist oder ihn zumindest geduldet hat. Tatsächlich sei es kein Geheimnis, dass Chinas Staats- und Parteiführung in Hongkong mit Gruppen aus dem Umfeld des Organisierten Verbrechens zusammenarbeite, sagt Wissenschaftler Adam Ni. Er ist China-Sicherheitsexperte an der Macquarie-Universität in Sydney. "Diese Verbindungen und Netzwerke bestehen seit mehreren Jahrzehnten", sagt er. "Die Führung in Peking hat sie noch zu britischen Kolonialzeiten aufgebaut, und zwar, um Einfluss auf Hongkong zu nehmen.“

Die pro-festlandchinesische Hongkonger Regierung hat jegliche Verbindungen zum Schläger-Trupp an der Haltestelle Yuen Long zurückgewiesen. "Jeder Vorwurf, dass unsere Regierung oder unsere Polizei irgendetwas mit den Angreifern zu tun habe, ist völlig unbegründet", sagte Regierungschefin Carrie Lam.

Der pro-demokratische Hongkonger Abgeordnete Eddy Chu hält das für eine Lüge. "Viele autoritäre Regime wenden solche Terrortaktiken an", sagte er im öffentlich-rechtlichen Sender RTHK. "Sie verbreiten Angst und Schrecken in der Bevölkerung, damit diese die Regierung dann unterstützt. Wir erleben das in Russland, der Ukraine und auch in Festlandchina."

Der China-Sicherheitsforscher Adam Ni teilt diese These. Ausbrüche von Gewalt in Hongkong, wie der an der Haltestelle Yuen Long, nutzten stimmungsmäßig letztlich der chinesischen Führung: "Die Staats- und Parteiführung beschreibt die Gewalt als etwas, das direkt ausgelöst wurde durch die Proteste. Sie will damit sowohl in Hongkong als auch in Festlandchina ein gewisses Bild vermitteln, nach dem Motto: Die Proteste sorgen immer für Chaos."

Für heute Nachmittag haben pro-demokratische Gruppen zu einer Demo an der fraglichen U-Bahn-Station aufgerufen. Das Motto der Protestaktion: "Wir holen uns Yuen Long zurück."

Hongkong: Neue Proteste und Erinnern an Gewalt vor einer Woche
Steffen Wurzel, ARD Shanghai, zzt. Hongkong
27.07.2019 06:35 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 27. Juli 2019 um 07:07 Uhr auf MDR aktuell.

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