Demonstrant in Hongkong | Bildquelle: REUTERS

Staatsgründung Chinas Demo statt Party in Hongkong

Stand: 01.10.2019 11:37 Uhr

Während sich China in Peking mit einer riesigen Parade selbst feiert, gehen in Hongkong Tausende auf die Straße. Sie sprechen von einem Trauertag. Offizielle Feierlichkeiten finden möglichst unauffällig statt.

Tausende Menschen sind in Hongkong zu einem Protestmarsch für Demokratie und Menschenrechte durch die Stadt gezogen. "Freiheit für Hongkong" und "Hongkong gib Gas" riefen die zumeist schwarz gekleideten Demonstranten. Am Morgen schon stiegen schwarze Luftballons im Stadtteil Kowloon in die Luft. Friedliche Demonstranten zeigten damit ihre Trauer über 70 Jahre kommunistischer Herrschaft in China. Heute sei kein Tag zum Feiern, sondern zum Trauern, steht auf vielen Plakaten in Hongkong.

Viele versteckten ihre Gesichter auf dem Weg durch die Innenstadt hinter Masken. Auch die Hymne der Protestbewegung wurde bei dem zunächst friedlichen Marsch angestimmt. Immer mehr Menschen strömten nach, um sich anzuschließen.

Vor dem Hongkonger Regierungs-Hauptgebäude eskalierten die Proteste. Die Polizei setzt Tränengas und Wasserwerfer ein, um die Demonstranten zu vertreiben.

Feiern in geschlossenen Räumen

Die Regierung der Sonderverwaltungszone tut alles, um die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Staatsgründung Chinas glimpflich über die Bühne zu bringen. Das feierliche Flaggenhissen wurde schon früher als geplant abgehalten, abgeschirmt in einem öffentlichen Gebäude. Zwei Hubschrauber mit den Flaggen von China und Hongkong flogen über den Hafen - am Morgen schon, als noch kaum Leute auf den Beinen waren.

Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam ist bei der Feierlichkeiten in Peking. Daheim wird sie nicht vermisst, die Mehrheit lehnt sie ab. Daran kann auch der Bürgerdialog nichts ändern, den sie vor einigen Tagen ins Leben rief.

Helikopter mit den Flaggen von China und Hongkong | Bildquelle: REUTERS
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Helikopter mit den Flaggen von China und Hongkong

Offenbar 6000 Polizisten in Bereitschaft

Hongkongs Behörden hatten einen geplanten Protestmarsch im Vorfeld untersagt. In Erwartung neuer Ausschreitungen schlossen die Behörden bereits am Morgen einige Straßen und U-Bahn-Stationen in der Innenstadt. Mindestens 6000 Polizisten hielten sich bereit, wie die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" berichtete. Mehrere große Einkaufszentren kündigten an, geschlossen zu bleiben; einige Hotels empfahlen ihren Gästen, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten.

Das Verhältnis zwischen Peking und der Sonderverwaltungszone Hongkong ist angespannt. Seit der Rückgabe 1997 an China wird Hongkong mit einem eigenen Grundgesetz autonom regiert. Die sieben Millionen Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, um die sie jetzt fürchten.

Mit Informationen von Alfred Schmit, ARD-Studio Peking, zzt. Hongkong

Demo statt Party: Hongkong vor dem 70. Jahrestag der VR-China-Staatsgründung
Alfred Schmit, ARD Berlin zzt. Hongkong
01.10.2019 10:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 01. Oktober 2019 Deutschlandfunk um 06:16 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen" und die tagesschau um 12:00 Uhr.

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