Einsatzkräfte der Polizei in Hongkong feuern Tränengas ab (Foto vom 11.08.2019). | Bildquelle: AP

Proteste in Hongkong Einsätze der Polizei werden brutaler

Stand: 12.08.2019 11:46 Uhr

Auch das zehnte Protest-Wochenende in Hongkong war geprägt von Gewalt. Immer rigoroser ging die Polizei vor, auch in ihren Reihen gab es Verletzte. Eine Einigung wird immer unwahrscheinlicher.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Nach diesem Proteste-Wochenende wird immer deutlicher: Dass sich die Lage in Hongkong schnell beruhigt, dass Regierung und Demonstranten aufeinander zugehen, wird immer unwahrscheinlicher. Im Gegenteil: Das inzwischen zehnte Protest-Wochenende in Folge war geprägt von Gewalt.

Gummigeschosse aus kurzer Distanz gefeuert

Nach Behördenangaben wurde ein Polizist durch einen Brandsatz verletzt. Die Polizei wiederum setzte am Wochenende erstmals in großem Stil Tränengas auch innerhalb von U-Bahn-Stationen ein. Entsprechende Handy-Aufnahmen sind heute das Gesprächsthema in der Stadt. Für Aufsehen sorgt außerdem ein Video, das einen Polizisten zeigt, der am Eingang einer U-Bahn-Station mit einem Gummigeschoss-Gewehr auf einen Protestierer zielt und aus kurzer Distanz abdrückt. Eine andere Demonstrantin wurde von einem Gummigeschoss ins rechte Auge getroffen.

"Hören Sie auf, auf Augen zu zielen", steht auf einem Plakat, das eine Teilnehmerin des Sitzstreiks am Hongkonger Flughafen hochhält. | Bildquelle: REUTERS
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"Hören Sie auf, auf Augen zu zielen", steht auf einem Plakat, das eine Teilnehmerin des Sitzstreiks am Hongkonger Flughafen hochhält.

Es ist offenkundig: Die Einsätze der Hongkonger Polizei werden brutaler. Zunehmend werden Demonstranten bei Festnahmen schwer verletzt und immer häufiger sind auch Polizisten im Einsatz, die sich als Protestierer verkleidet unter die Demonstranten mischen.

Lam besucht ein pekingtreues Militärcamp

Dass die festlandchina-treue Hongkonger Regierung die Lage schnell in den Griff bekommt, kann bezweifelt werden: Der Graben zwischen Bevölkerung und Einsatzkräften wird tiefer. Hongkongs umstrittene Regierungschefin Carrie Lam besuchte gestern demonstrativ ein pro-festlandchinesisches Militär-Trainingscamp. Sie versprach erneut, jungen Menschen in Hongkong stärker als bisher zuzuhören.

Aus Sicht der Protestierernden ist das blanker Hohn: Deren Forderungen, zum Beispiel nach unabhängiger Überprüfung des Vorgehens der Polizei in den vergangenen Wochen, lehnt Hongkongs Regierung weiter ab.

Polizei in Hongkong geht härter gegen Demonstranten vor
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
12.08.2019 10:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. August 2019 um 08:38 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".

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