Blick über den Finanzzentralbezirk in Hongkong, China | REUTERS
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Wegen Asyl für Demokratie-Aktivistin Hongkong protestiert bei Generalkonsul

Stand: 22.10.2020 10:27 Uhr

In Hongkong hat die Regierung den deutschen Generalkonsul zu einem Gespräch gebeten. Sie protestiert dagegen, dass eine Teilnehmerin der Massenproteste vom vergangenen Jahr in Deutschland Asyl erhalten hat.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Hongkongs Regierung protestiert scharf gegen die Anerkennung einer jungen Hongkongerin als Flüchtling in Deutschland. Die Frau hatte bei den Massenprotesten vergangenes Jahr mitgemacht, aus Angst vor einer Gefängnisstrafe ist sie nach Deutschland geflohen. Man habe deswegen gestern den deutschen Generalkonsul Dieter Lamlé zu einem Gespräch gebeten, teilte die Hongkonger Regierung mit.

Kein Kommentar vom Generalkonsulat

Verwaltungschef Matthew Cheung habe bei dem Treffen mit dem deutschen Diplomaten nachdrücklich protestiert dagegen, dass Deutschland, "Kriminellen Unterschlupf" gewähre. Das Deutsche Generalkonsulat in der chinesischen Sonderverwaltungsregion wollte das Treffen nicht kommentieren.

Anklage wegen Aufruhrs gegen die Studentin

Hintergrund ist der Fall einer 22-jährigen Studentin aus Hongkong. Sie ist nach Angaben der nichtstaatlichen Organisation "Hong Kong Watch" die erste Teilnehmerin der Massenproteste vom vergangenen Jahr, die in Deutschland offiziell Asyl bekommen hat. In Hongkong läuft eine Anklage gegen die Studentin wegen Aufruhrs. Sie soll bei den Anti-Regierungs-Demos vergangenes Jahr Gewalt angewendet haben. Die Frau war vergangenen November kurzzeitig festgenommen worden.

Monatelange Proteste in Hongkong

Monatelang hatten in Hongkong vergangenes Jahr Menschen gegen den wachsenden Einfluss der chinesischen Staats- und Parteiführung demonstriert. Die meisten Demos waren friedlich, es kam aber auch zu erheblicher Gewalt.

Dieser Beitrag lief am 22. Oktober 2020 um 11:00 Uhr im Deutschlandfunk.