Journalisten in Hongkong protestieren mit beschrifteten Helmen gegen Polizeigewalt | Bildquelle: dpa

Wegen Polizeigewalt Hongkongs Journalisten protestieren

Stand: 04.11.2019 18:49 Uhr

Das Wochenende in Hongkong war so gewalttätig wie lange nicht. Die Polizei demonstrierte Härte - auch gegen Journalisten. Das prangerten Medienschaffende auf einer Pressekonferenz der Polizei an.

Von Benjamin Eyssel, RBB, zzt. Hongkong

Was eigentlich eine reguläre Pressekonferenz der Polizei werden sollte, endete mit einem Eklat. Mehrere Hongkonger Journalistinnen und Journalisten hatten sich aus Protest gegen das harte Vorgehen der Polizei gegen Reporter und aus Protest gegen Festnahmen von Journalisten Helme aufgesetzt. Daran hatten sie Schilder mit chinesischen Schriftzeichen befestigt. Zu lesen war "Polizeigewalt und Lügen stoppen und untersuchen".

Die Polizei forderte die Journalisten auf, die Helme abzusetzen - doch diese weigerten sich. Polizeisprecher Ko Chun Pong ging die Helmträger hart an:

"Ich habe diese sechs Journalisten mehrfach darauf hingewiesen, dass sie ihren Beruf respektieren sollten. Sie verhalten sich unfair gegenüber den anderen Medienschaffenden hier im Raum. Allerdings hat sich nichts an der Situation geändert. Deswegen habe ich keine andere Wahl als diese Pressekonferenz zu beenden. Mit Ihrem unverantwortlichen Verhalten berauben Sie die Hongkonger um ihr Recht auf Information. Die heutige Pressekonferenz ist damit beendet, vielen Dank."

Anschließend wurde das Licht ausgeschaltet, die Journalisten im Raum saßen im Dunkeln. Die Polizei verbreitete ihre Statements kurz darauf ohne Medienvertreter über das Internet.

Festnahme nach Beißattacke

Dabei erwähnte ein Polizeisprecher auch, dass nach dem blutigen Zwischenfall vom Sonntag vor einem Einkaufszentrum drei Personen festgenommen worden seien. Darunter der Mann, der einem prodemokratischen Lokalpolitiker ein Teil seines Ohrs abgebissen haben soll. Der mutmaßlich pekingtreue Angreifer soll zuvor nach einem Streit über Politik mehrere Menschen mit einem Messer angegriffen haben.

Die Stimmung in Hongkong ist aufgeheizt nach dem Wochenende. Da sei es gar nicht so einfach, wieder zum Alltag zurückzukehren, sagte der prodemokratische Parlamentsabgeordnete Charles Mok der Nachrichtenagentur Reuters. "Na klar, die Menschen gehen weiter zur Arbeit, sie müssen zur Arbeit gehen. Aber abgesehen davon sehen wir doch, dass das die Leute sehr belastet. Sie wissen nicht, was heute Nacht passieren wird oder vielleicht am kommenden Wochenende. Die Menschen machen sich viele Sorgen."

Xi stärkt Hongkongs Regierung den Rücken

Angesichts der andauernden Massenproteste in Hongkong hat sich Chinas Präsident Xi Jinping demonstrativ hinter die Führung der chinesischen Sonderverwaltungszone gestellt. Die Pekinger Zentralregierung habe großes Vertrauen in Regierungschefin Carrie Lam und ihr Team, sagte Xi laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua nach einem Treffen mit Lam. Ihre Regierung habe hart dafür gearbeitet, die Lage in Hongkong unter Kontrolle zu bekommen und die Stimmung in der Bevölkerung zu verbessern. Oberste Priorität habe weiterhin, das Chaos in Hongkong zu beenden, nach geltendem Recht gegen Gewalt vorzugehen sowie für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Er hoffe, dass die Bürger Hongkongs das Gesetz und das Prinzip "Ein Land, zwei Systeme" achteten, so Xi.

Harte Auseinandersetzungen am Wochenende

Am Wochenende hatte es die heftigsten Ausschreitungen in Hongkong seit Wochen gegeben. Nachdem eine Demonstration verboten worden war, ging die Polizei hart gegen Aktivisten vor, die sich trotzdem im Zentrum der autonom regierten Stadt versammelt hatten. Was folgte waren stundenlange Auseinandersetzungen zwischen gewaltbereiten Demonstranten und der Polizei. Diese setzte Tränengas, Gummigeschosse, Pfefferspray und Wasserwerfer ein, um die Demonstranten auseinanderzutreiben. Es gab etwa 200 Festnahmen und mehr als 50 Verletzte.

Seit mittlerweile fünf Monaten gehen die Menschen in der chinesischen Sonderverwaltungsregion auf die Straße. Auslöser war ursprünglich ein geplantes Gesetz, das es ermöglichen sollte, Verdächtige auch Festlandchina zu überstellen. Obwohl die Hongkonger Regierung das Auslieferungsgesetz zurückgezogen hat, gehen die Menschen weiter auf die Straße. Sie demonstrieren unter anderem für freie Wahlen und gegen den zunehmenden Einfluss der Staats- und Parteiführung in Peking.

Hongkong: Polizei bricht nach Eklat Pressekonferenz ab
Benjamin Eyssel, RBB, zzt. ARD Hongkong
04.11.2019 18:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. November 2019 um 09:50 Uhr.

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