Demonstranten in Hongkong | Bildquelle: dpa

Hongkong Gewalt und blaue Straßen

Stand: 20.10.2019 18:48 Uhr

Erneut Zehntausende Menschen auf den Straßen, Gummigeschosse gegen Molotowcocktails, brennende Barrikaden und Tränengas: In Hongkong kam es zu den heftigsten Zusammenstößen seit Langem.

Von Frank Aischmann, ARD-Studio Shanghai, zzt. Hongkong

Es begann als friedlicher Protest am Sonntagmittag im Süden der Halbinsel Kowloon. Dort, wo eigentlich Touristen flanieren, strömten Zehntausende zusammen. Und schon das war illegal, warnte die Polizei über ihre Online-Kanäle. Denn die Polizei hatte keine Genehmigung erteilt, die Organisatoren der Civil Human Rights Front waren am Samstag mit ihrem Einspruch dagegen vor dem Berufungsgericht Hongkongs gescheitert.

"Ich habe kein Vertrauen mehr", sagt ein junger Demonstrant, "weder in meine Regierung noch in die chinesische Zentralregierung - die ist totalitär. Seit vier Monaten werden unsere Proteste unterdrückt und wir werden wohl nie die Demokratie erhalten und das allgemeine Wahlrecht, das uns bei der Übergabe Hongkongs an China versprochen wurde."

Friedliche Demonstration gegen Vermummungsverbot

Auffallend zu Beginn: Keine Polizei weit und breit. Die Demonstranten regeln selbst diszipliniert den Straßenverkehr, bis es einfach zu viele sind. Und dann geht der Zug in zwei Parallelstraßen Richtung Norden. Viele Transparente, viele Regenschirme, viele Gesichtsmasken. Neben den seit Monaten wiederholten 5 Grundforderungen geht es an diesem Sonntag auch um die Ablehnung des Anfang Oktober von regierungschefin Carrie Lam verhängten Vermummungsverbots. Eine Frau verteilt kostenlos Einweg- OP-Masken - die Nachfrage ist groß. "Ohne Maske verhaftet zu werden", erklärt die Frau, "da kann man zu bis zu einem Jahr Gefängnis verurteilt werden und zu einer hohen Geldstrafe - das verletzt die Menschenrechte!"

Demonstranten in Hongkong | Bildquelle: LYNN BO BO/EPA-EFE/REX
galerie

Nach anfangs friedlichem Protest kam es zu den heftigsten Ausschreitungen seit Wochen.

Gewalt gegen U-Bahn-Stationen

Kurz vor 15 Uhr. Während immer noch Hunderte die Nathan-Road entlang demonstrieren, versammeln sich in einer Seitenstraße schwarz Vermummte, die aus Mülltonnen und herausgerissenen Geländern Barrikaden errichten. Eine andere Gruppe mit Pflastersteinen und Metallstangen zerschlägt die Glasverkleidung einer Station der MTR genannten U-Bahn. Die mehrheitlich der Hongkonger Regierung gehörende MTR ist vom friedlichen Nahverkehrsmittel zum Feindbild vieler Protestierenden geworden, seit sie an Demonstrationstagen nur eingeschränkt verkehrt. 14 Stationen werden bis zum Abend geschlossen.

Demonstranten werfen Brandbomben und zünden Geschäfte an (unkommentiertes Video)
20.10.2019

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Gewalt wird gerechtfertigt

Wenig später, eine Straße weiter, wird der Geldautomat einer chinesischen Bank zerstört. Viele Filialen wurden mit Holz oder Metall extra gesichert, etwa 500 Geldautomaten Hongkongweit außer Betrieb genommen. Dann versucht eine Gruppe, die gut gesicherte Metalltür eines chinesischen Reisebüros aufzubrechen. Angemessen? Einer der schwarz Vermummten, schwer zu verstehen unter seiner aufgesetzten Gasmaske: "Ja, diese Gewalt ist angemessen. Im Juni waren wir absolut friedlich, ab Juli aber hat die Polizei zunehmend Gewalt eingesetzt. Wir müssen zeigen, dass wir uns das nicht bieten lassen, uns selbst verteidigen. Sie wollen uns vom Protestieren abhalten, aber sie setzen auf die falschen Mittel, den Widerstand kleinzukriegen. Sie gehen die Probleme nicht an! Die Regierung muss mit den Menschen reden, den Dialog suchen. Mit allen, nicht nur einigen ausgewählten."

Ein Demonstrant läuft vor einem Wasserwerfer der Polizei davon. | Bildquelle: AFP
galerie

Die Polizei färbte das Wasser blau ein, offenbar um Randalierer auch im Nachhinein identifizieren zu können.

Gegen 16 Uhr beginnt eine Schlacht vor der Polizeistation auf der Nathan Road. Molotowcocktails fliegen über die Mauer, vom Dach löschen Polizisten mit C-Rohren - und feuern immer wieder Tränengas. Allgemeines Chaos - bis aus Richtung Süden ein Wasserwerfer naht und die Straße blau hinterlässt vom gefärbten, mit Reizstoff versetzten Wasser, das auch Journalisten abbekommen. Es folgen Räumpanzer, Dutzende Einsatzfahrzeuge - mit Härte und viel Tränengas erobern Polizisten die ehemalige Demonstrationsroute zurück. Gummigeschosse gegen Molotowcocktails - bis in den Abend bleibt der Stadtteil Mong Kok unübersichtlicher Schauplatz einer weiteren Straßenschlacht, die als friedliche Demonstration begann. An der sich, so einer der ursprünglichen Organisatoren, gut 350.000 beteiligt haben sollen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Oktober 2019 um 18:00 Uhr.

Darstellung: