Eine junge Frau hält ein Plakat hoch, auf dem übersetzt steht "Raus mit JOH" (für Juan Orlando Hernandez). | AP

Honduras Hernández - der ungeliebte Staatschef

Stand: 27.01.2018 10:11 Uhr

Seit Monaten dauern in Honduras die Proteste gegen Hernández an - trotzdem tritt er heute sein Amt als Präsident an. Kritiker werfen ihm vor, durch Betrug an die Staatsspitze gerückt zu sein.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-Stadt

"Ihr seid Mörder", rufen Parlamentarier der Opposition ihren nationalkonservativen Gegnern zu. Im Kongress von Honduras kommt es kurz vor dem Amtsantritt von Präsident Juan Manuel Hernández zu tumultartigen Szenen. Auf den Straßen des kleinen mittelamerikanischen Landes herrscht seit der umstrittenen Wahl im November Gewalt: Bei Protesten gegen Hernández starben mehr als 30 Menschen.

Anne-Katrin Mellmann ARD-Studio Mexiko City

Die Anhänger des knapp unterlegenen Mitte-Links-Oppositionskandidaten Salvador Nasralla wollen das Ergebnis nicht akzeptieren und fordern Neuwahlen.

Juan Orlando Hernandez | REUTERS

Juan Orlando Hernández ist heftig umstritten. Bild: REUTERS

Die meisten Medien schweigen

Nur wenige Medien sind nicht auf Linie der regierenden Eliten und berichten kritisch über das Vorgehen der Sicherheitskräfte, die Wahl und die Entwicklungen seitdem.

Der Jesuitenpriester Melo vom unabhängigen Radio "Progreso" wird deshalb bedroht und in sozialen Netzwerken als Drogenhändler und Waffenschmuggler beschimpft. Er stachele zur Gewalt an, so der Vorwurf. "Sollte mir etwas zustoßen, wird man behaupten dass es sich um eine Abrechnung handelt, um  Konflikte innerhalb der Drogenkartelle. Ich fühle ich mich nicht mehr sicher und habe Angst um mein Leben", sagt Melo. In Honduras sei ein gewaltsamer Tod nichts außergewöhnliches, heißt es von dem Moderator weiter: "Seit der Wahl haben wir die Ermordung von 35 Personen dokumentiert. Sie protestierten gegen den Wahlbetrug und die Institutionalisierung der Diktatur."

Dialog - nein danke

Nichtregierungsorganisationen prangern schwere Menschenrechtsverletzungen in dem Land an: die Einschränkung der Versammlungsfreiheit, Hunderte Festnahmen und Folter. Honduras steckt in einer schweren Krise.

Zu seinem Amtsantritt will der nationalkonservative Hernández das schlechte Verhältnis zum politischen Gegner kitten und bietet einen Dialog an: "Alle, die an diesem Dialog teilnehmen wollen, müssen sich überlegen, was gut ist für Honduras. Keiner sollte die Vorschläge des anderen ausklammern." Doch Nasralla, der Kandidat des Oppositionsbündnisses "Allianz gegen die Diktatur", verzichtet.

"Erhebliche Zweifel" am Wahlausgang

Honduras ist polarisierter denn je. Die Krise begann bereits vor der Wahl, weil sich Amtsinhaber Hernández verfassungswidrig zur Wiederwahl stellte - abgesegnet vom treuen Obersten Gericht. Die Wahl selbst wurde von Betrugsvorwürfen überschattet. Nach Schließung der Wahllokale lag zunächst Nasralla vorn, doch dann verschob sich das Ergebnis zugunsten von Hernández - nach einem angeblichen Computerproblem.

"Erhebliche Zweifel" hegt die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und bescheinigt der Wahl eine "schlechte Qualität". Aus ihrer anfänglichen Neuwahlforderung wurde jedoch eine windelweiche Anerkennung der neuen Hernández-Regierung.

Hauptsache loyal

Padre Melo von Radio "Progreso" erklärt die Kehrtwende so: Die OAS sei von den USA und den wichtigsten Ländern Lateinamerikas unter Druck gesetzt worden. Die Organisation könne kaum eigenständig handeln. "Es ist unwahrscheinlich, dass die OAS dauerhaft eine Position vertritt, die der der USA widerspricht. Der US-Regierung ist egal, ob eine Regierung im strategisch wichtigen Honduras korrupt oder in den Drogenhandel verwickelt ist. Wichtig ist, dass sie sich der US-Politik unterwirft und loyal ist. Solange das geschieht, werden die USA ihre Zustimmung geben", meint Melo.

So knickten nach anfänglicher Kritik fast alle Staaten und Bündnisse ein. Auch die Europäische Union erkennt Hernández als Präsidenten an.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. Januar 2018 um 07:54 Uhr.