Screenshot: eva.stories auf instagram | Bildquelle: Instagram/eva.stories

"Eva Stories" Holocaust-Gedenken auf Instagram

Stand: 02.05.2019 11:59 Uhr

Eine 13-Jährige dokumentiert auf Instagram die Machtergreifung der Nazis - und ihre Deportation nach Auschwitz: Das Projekt "Eva Stories" eines israelischen Regisseurs geht neue Wege des Gedenkens, die nicht alle angebracht finden.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

Ein Mädchen mit langen dunkelbraunen Locken, Mütze und einem blauen Mantel steht in einem Park und filmt sich selbst. Eine berühmte Reporterin wolle sie werden, erzählt die 13 Jahre alte Eva - und sie lädt die Instagram-Nutzer dazu ein, ihre Geschichte zu verfolgen.

Die Eva-Geschichten basieren auf den Tagebüchern der ungarischen Jüdin Eva Heyman, die von den Nazis in Auschwitz ermordet wurde. Die Verfilmung der Tagebücher für Instagram hat der israelische Hightech-Milliardär Mati Kochavi finanziert, der aus einer Familie von Holocaust-Überlebenden stammt.

Holocaust-Gedenken: "Eva Stories" auf Instagram
tagesthemen 22:15 Uhr, 02.05.2019, Mike Lingenfelser, ARD Tel Aviv

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Die Idee sei in einem Gespräch darüber entstanden, wie die Erinnerung an den Holocaust wach gehalten werden kann, erzählt er: "Das geht nicht nur mit Museen und Büchern, da muss der richtige Weg gefunden werden. Also dachten wir uns: 'Okay, wo befinden sich alle? Welche sozialen Plattformen gibt es?' Und eine davon ist natürlich Instagram." Denn dort sei das Publikum, an das das Projekt sich richten wolle: "Aber es ist andere Inhalte gewohnt. Wir haben uns also überlegt, wie die Geschichte des Holocausts über diese Plattform vermittelt werden kann."

Vom Einmarsch der Wehrmacht bis zur Deportation

In insgesamt 70 Instagram-Stories, kurzen Video- und Bildergeschichten, wird das Schicksal Eva Heymans vom Einmarsch der Wehrmacht in Ungarn bis zur Deportation nach Auschwitz erzählt. Die 13-Jährige wird von einer Schauspielerin dargestellt, die das Geschehen selbst filmt. Die Eva-Stories wurden komplett mit dem Smartphone aufgenommen. Gedreht wurde überwiegend in der Ukraine.

Von der Aufmachung her erinnern die Filme zum Teil an Hollywood-Kino. Die "Eva Stories" sind ein Versuch, die Erinnerung an den Massenmord wach zu halten und junge Leute mit dem Thema zu erreichen.

Ein Porträt der 13-jährigen Eva Heyman, auf deren Lebensgeschichte das Projekt "Eva Stories" basiert. | Bildquelle: AP
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Ein Porträt der 13-jährigen Eva Heyman, auf deren Lebensgeschichte das Projekt "Eva Stories" basiert. Wenige Monate nach der Aufnahme wurde sie nach Auschwitz deportiert.

In Israel, wo nun am nationalen Holocaust-Gedenktag an die Opfer der Shoah erinnert wird, gibt es bereits eine breite Diskussion darüber, wie dieses Gedenken künftig aussehen soll. Neue Wege der Vermittlung sind dringend nötig, glaubt die Soziologin Yifat Gutman von der Ben Gurion Universität in Beersheba: "Bisher hatten die Zeitzeugen, als diejenigen, die vor Ort waren und mit eigenen Augen alles miterlebten, eine einzigartige Position. Augenzeugen haben eine moralische Autorität und  Berechtigung. Die Aussagen der Holocaust-Überlebenden flossen in die Forschung ein, aber vor allem prägten sie das Gedenken."

Soziologin skeptisch über die Wirkung des Projekts

Die Zeitzeugen werden weniger und bald wird es niemanden mehr geben, der selbst über den Massenmord berichten kann. Manche Museen und Gedenkstätten haben Hologramme produziert, in denen Holocaust-Überlebende ihre Geschichten erzählen.

Können auch die "Eva Stories" auf Instagram ein Weg sein, um zu verhindern, dass die Erinnerung verblasst und vielleicht ganz verschwindet? Die Soziologin Yifat Gutmann klingt skeptisch. "Dieses Projekt geht einen eigenen, nichtstaatlichen Weg und richtet sich direkt an die Jugendlichen mit ihren Worten und ihrer Bildsprache", sagt sie. "Abzuwarten bleibt, ob wirkliches Interesse geweckt wird oder das Thema zusammen mit anderen Informationen einfach vorbei zieht."

"Es ist oberflächlich und ist es auch wieder nicht"

Zu oberflächlich, dem Thema nicht angemessen: Dieser Vorwurf gegen die "Eva Stories" wurde schon vor dem Start der Kurzgeschichten erhoben. Es gehe darum Zielgruppen zu erreichen, die bisher nichts über den Holocaust wussten, sagt Regisseur und Produzent Kochavi:

"Es ist oberflächlich und ist es auch wieder nicht. Es bietet ein sehr hohes Niveau an Intimität. Es setzt kein Vorwissen voraus. Es erzählt, als würde man nichts wissen."

Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem war an dem Projekt nicht beteiligt, findet den Ansatz, soziale Medien in das Gedenken einzubinden, im Grundsatz aber richtig. 

Eine Werbetafel für das Projekt "Eva Stories" in Tel Aviv. | Bildquelle: REUTERS
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Eine Werbetafel für das Projekt "Eva Stories" in Tel Aviv.

Kochavi ließ auf haushohen Werbetafeln entlang der Tel Aviver Stadtautobahn für seine "Eva Stories" werben, die schon vor dem Start mehr als 360.000 Follower hatten. Großes Interesse ist den Geschichten also sicher. Ob sie nachhaltig das Bewusstsein schärfen und an die Schrecken des Holocaust erinnern können, muss sich noch zeigen.

Holocaust-Gedenken auf Instagram
Tim Aßmann, ARD Tel Aviv
02.05.2019 10:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Mai 2019 um 12:00 Uhr.

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