Amerikanische Rotkreuzschwestern während der Spanischen Grippe stellen Masken her | Bildquelle: picture alliance / akg-images

Coronavirus-Pandemie Wie die Spanische Grippe Hollywood veränderte

Stand: 28.04.2020 05:12 Uhr

Kinos werden geschlossen, Dreharbeiten werden verschoben. Das war das Jahr 1918, als die Spanische Grippe Los Angeles erreichte. Hollywood sah danach nicht mehr so aus wie vorher. Lassen sich Parallelen zu heute finden?

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Herbst 1918: Der Erste Weltkrieg ging zu Ende, die Filmindustrie in Hollywood wurde immer größer und erfolgreicher. In der Bevölkerung machte sich eigentlich so etwas wie Erleichterung breit - doch dann kam die Spanische Grippe.

"Als die Spanische Grippe Los Angeles erreichte, hielt man sie für nicht so gefährlich. Doch das änderte sich schnell, als die Infektions- und Todeszahlen rasant stiegen." So erzählt es der Hollywood-Historiker William Mann. "Die Stadt Los Angeles verbot dann erst einmal Dreharbeiten von Menschenansammlungen. Die Studios gingen dann aber schnell dazu über, erst einmal alle Dreharbeiten zu beenden."

Notlazarett in Brookline Massachussetts | Bildquelle: picture alliance / akg-images
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Notlazarett in Brookline Massachussetts

Vertraute Einschränkungen

Geschlossene Kinos, Menschen, die nur noch mit Masken das Haus verlassen - und keine Dreharbeiten mehr. Das klingt alles vertraut, und trotzdem liegen zwischen damals und heute knapp über 100 Jahre.

"Manche großen Stars weigerten sich, Maske zu tragen. Douglas Fairbanks wollte so seine Männlichkeit unter Beweis stellen. Doch einige der größten Stars wurden krank. Mary Pickford, damals ein riesiger Star und die spätere Ehefrau von Fairbanks, bekam die Grippe und überlebte sie", erzählt er.

Auch der damals noch junge und unbekannte Walt Disney überlebte die Grippe - andere jedoch nicht. 15 bis 50 Millionen Menschen soll die Spanische Grippe getötet haben. Zu den prominentesten Opfern gehören der Maler Egon Schiele oder der Soziologe Max Weber. Auch der Großvater von US-Präsident Donald Trump, Frederick Trump, verstarb an den Folgen der Grippe.

Drei Wellen - und ein gewaltiger Umbruch

In drei Wellen verlief die Spanische Grippe. Kinos, Geschäfte, das Öffentliche Leben wurde mehrfach wieder stillgelegt. Die Filmindustrie litt unter den Einbußen, vor allem kleine, familienbetrieben Kinos mussten schließen. Und genau das führte zu einem gewaltigen Umbruch in Hollywood, eingeläutet von Paramount Studio-Gründer Adolph Zukor. "Er kaufte viele von diesen kleinen Kinos auf, denn er wollte, dass die Filmproduktion, Vertrieb und Exhibition in einer Hand waren. Er nutzte also die Gelegenheit. Das führte zu einem sehr effizienten Filmemachen. Und so entstanden die großen amerikanischen Filme der 30er-, 40er- und 50er-Jahre."

Das Hollywood-Studiosystem war geschaffen. Es gab auch direkte Gewinner der Pandemie. Das Nachsehen hatten kleinere, unabhängige Filmproduktionen.

Was folgt diesmal auf die Krise?

Nun, 100 Jahre später, befindet sich die Filmwirtschaft wieder in der Krise. Hunderte Dreharbeiten pausieren wegen des Coronavirus. Kinos müssen geschlossen bleiben. Große Studios wie MGM haben bereits angekündigt, Personal entlassen zu müssen. Kinoketten wie AMC befürchten, insolvent zu werden. Wie wird Hollywood dieses Mal aus der Krise hervorgehen?

Historiker William Mann glaubt, das sich ein Trend fortsetzen wird, nämlich, dass die großen Kinoketten verschwinden werden: "Schon vor der Krise gingen die Menschen weniger ins Kino - auch, weil interessante Filme und Serien über Streaming verfügbar wurden. Wer nicht gerade den großen Blockbuster mit Special-Effects sehen will, der schaut Filme über Netflix, Prime oder Hulu."

Schon jetzt zeigen einige Studios ihre Filme statt auf der Leinwand über Streaming-Services - um wenigstens einen Teil des Publikums zu erreichen. Offenbar läuft dies erfolgreicher als gedacht - ein Indikator möglicherweise, dass statt des Kinos immer öfter zu Hause geschaut werden könnte, auch nach der Coronavirus-Krise.

Knapp zwei Jahre dauerte es übrigens, bis nach der Spanischen Grippe wieder regelmäßig Filme gedreht wurden. Hollywood werde auch aus dieser Krise wieder herausfinden, meint William Mann, der Schlüssel liege in der Kreativität der Branche.

Wie die Spanische Grippe Hollywood verändert hat
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
28.04.2020 08:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. April 2020 um 04:14 Uhr.

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