Hollywood-Schriftzug (Archivbild) | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

US-Filmbranche Hollywood zittert vor dem Virus

Stand: 07.03.2020 18:11 Uhr

Die Premiere der jüngsten "James Bond"-Episode ist wegen des Coronavirus verschoben - nun macht sich die US-Filmbranche Sorgen, bald lahmgelegt zu sein. Doch es gibt auch Profiteure der Epidemie.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

"Keine Zeit zu sterben" ist der Titel des neuesten James-Bond-Films. Offensichtlich hat 007 aber Zeit, wenn es um das Coronavirus geht. Denn aufgrund der weltweiten Ausbreitung der Krankheit Convid-19 wurde der internationale Filmstart von April auf November verschoben. Die Macher hatten schon Trailer und Werbung gestartet - allein 4,5 Millionen Dollar kostete der Werbespot für den Super Bowl, das Finale der American-Football-Profiliga. 

"Eine solche Marketingkampagne zu verlegen und dann nochmal neu zu starten, ist eine riesige Aufgabe. Insider sagen aber, es könnten sonst Hunderte Millionen Dollar verloren gehen, weil die Kinos in China geschlossen sind", sagt Tiffany Taylor vom Branchenmagazin "Hollywood Reporter". "Zu den anderen Risikoländern gehören Südkorea, Italien und Japan."

Zehntausende Kinos in China sind geschlossen

Der James-Bond-Film ist der erste große Hollywood-Film, bei dem wohl wegen des Virus ernste Konsequenzen gezogen werden, was die Veröffentlichung und Marketingkampagne angeht.

Allerdings scheint die Sorge in Hollywood ohnehin groß zu sein, dass durch die Angst der Menschen vor Ansteckung Hunderte Millionen, wenn nicht sogar Milliarden Dollar an Einspielgeldern flöten gehen könnten.

China gehört zum zweitgrößten Markt für Kinofilme. Wie das Branche-Magazine "Hollywood Reporter" berechnete, wurden 70.000 Kinos in China geschlossen. Die globalen Einnahmen für Kinotickets könnten in der Folge um eine Milliarde Dollar geringer ausfallen. Im Vorjahr lagen sie weltweit bei etwa 42,5 Milliarden Dollar.

Ein Mann läuft mit einem Desinfektions-Sprühgerät an einem geschlossenen Kino in einem Pekinger Einkaufszentrum vorbei. | Bildquelle: REUTERS
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Ein Mann läuft mit einem Desinfektions-Sprühgerät an einem geschlossenen Kino in einem Pekinger Einkaufszentrum vorbei.

Unterhaltungsriese Disney fürchtet Einbußen

Auch Produktionen für Hollywoodfilme, die in China gedreht wurden, sind von Einschränkungen betroffen. Am Freitag wurde zudem das Technologie-, Medien- und Musikfestival SXSW abgesagt. Dort werden traditionell viele kleinere neue Filme vorgestellt. Die Absage trifft wahrscheinlich vor allem Indepentent-Produzenten, die dort in erster Linie aufs Netzwerken aus waren.

Noch haben andere Studios nicht reagiert. Doch im Frühling 2020 stehen noch andere Blockbuster an, die auf weltweit gute Einspielergebnisse hoffen. Darunter zum Beispiel die Disney-Produktion "Mulan", ein Remake des Zeichentricks über eine chinesische Heldin als Realfilm. In China wurden die Premieren bereits verschoben.

Überhaupt Disney: Der Unterhaltungsgigant fürchtet, dass auch seine noch weitaus größere und gewinnbringende Sparte der Vergnügungsparks leiden könnte. Nicht nur in China, sondern weltweit gibt es Disneylands und -worlds, die manche besorgte Menschen wohl nun meiden, um Menschenmassen zu umgehen.

Ein langweiliger Kinofrühling auf der Couch?

Also nur Verlierer allerorten? Nein, es scheint auch Gewinner der Corona-Krise zu geben: die Streamingdienste. Zumindest sieht das die Wall Street so, meint Dan Rayburn, Experte für digitale Inhalte: "Hier in den USA ist die Netflix-Aktie zum Teil 30 Dollar nach oben geschnellt, auch wenn der restliche Markt schlecht war", sagt er. "Die Anleger denken offenbar: Wenn jemand zu Hause bleibt und nicht ins Kino geht, ist das gut für Netflix, weil mehr Leute dort die Inhalte sehen." 

Dabei gibt es Netflix in China nicht, wie Rayburn anmerkt - auf dem Markt, der bis jetzt am meisten betroffen ist.

Die Auswirkungen des Virus für die Kinoindustrie sind noch nicht ganz abzusehen. Auf die Zuschauer aber könnte schlimmstenfalls eines zukommen: ein wirklich langweiliger Kinofrühling auf der Couch.

Hollywood und Corona: Was das Virus mit der Filmindustrie macht
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
07.03.2020 15:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. März 2020 um 17:09 Uhr.

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