FPÖ-Chef Norbert Hofer | Bildquelle: dpa

Wahl zum Vorsitzenden Hofer will FPÖ auf Platz 1 lenken

Stand: 14.09.2019 17:51 Uhr

Norbert Hofer wurde mit 98 Prozent der Delegiertenstimmen zum neuen FPÖ-Vorsitzenden gewählt. Nach dem Ibiza-Skandal will er seine Partei zur ersten politischen Kraft in Österreich machen.

Von Clemens Verenkotte , ARD-Studio Wien

Nahezu einstimmig votierten die FPÖ-Delegierten für Norbert Hofer, der die Partei nach der Ibiza-Affäre und dem Rücktritt ihres langjährigen Vorsitzenden Heinz Christian Strache bereits kommissarisch geführt hatte.

Mit 98,25 Prozent der Stimmen erhielt Hofer ein nahezu gleich hohes Ergebnis wie Strache vor zwei Jahren: "Nein-Stimmen 14, Ja-Stimmen 786, und damit unglaubliche 98,25 Prozent für Norbert Hofer."

15 Tage vor den Wahlen zum Nationalrat ging der neue FPÖ-Chef Hofer in seiner Ansprache nur sehr kurz auf seinen Vorgänger ein, der nicht auf dem Parteitag in Graz anwesend war. Strache habe beim Wiederaufbau der FPÖ seit 2005 "Unglaubliches geleistet".

Ziel: Stärkste Partei Österreichs

Die FPÖ dürfe sich bei den bevorstehenden Parlamentsrwahlen nicht mit dem zweiten oder dritten Platz zufrieden geben, 35 Prozent sei die Messlatte, gab Hofer als Losung aus: "Es ist unser Ziel, zur stärksten Partei in Österreich zu werden, weil wir es können und weil Österreich uns braucht - und wie!"

Jüngsten Meinungsumfragen zufolge, die heute veröffentlicht wurden, sind die Freiheitlichen jedoch von diesem Ziel noch weit entfernt: Der FPÖ werden 20 Prozentpunkte prognostiziert, sechs Prozent weniger als bei den letzten Nationalratswahlen vor zwei Jahren. Die FPÖ sei in der Vergangenheit auf dem Weg, zur stärksten Partei Österreichs zu werden, mehrmals an sich selbst gescheitert - "jetzt wieder", sagte Hofer mit Blick auf das Ibiza-Video.

Screenshot aus dem Video | Bildquelle: dpa
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Das Ibiza-Video und die Äußerungen von Strache führten letztlich zum Bruch der ÖVP-FPÖ-Koalition in Österreich.

Mehr Macht für Hofer

Hofer ließ sich von den Delegierten mehr Machtbefugnisse als neuer Vorsitzender erteilen, um auch einfache Parteimitglieder der Rechtspopulisten entlassen zu können. "Wir müssen auch dort die notwendigen Maßnahmen setzen, wo wir erkennen müssen, dass jemand aus unserer Gesinnungsgemeinschaft etwas tut, was uns massiv schadet. Auch dort müssen wir rasch und entschlossen reagieren."

Damit geht die FPÖ-Führung indirekt auf eine Forderung von Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz ein, der von seinem ehemaligen Koalitionspartner eine eindeutige Abgrenzung von Rechtsextremisten wie der Identitären Bewegung verlangt.

Hofer plädierte für eine Fortsetzung der Koalition mit der konservativen Volkspartei ÖVP von Kurz aus. So billigte der Parteitag Hofers Leitantrag, der sich für eine "vollständige" Umsetzung des mit der ÖVP 2017 ausgearbeiteten Regierungsprogramms ausspricht.

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (links im Bild) und Vizekanzler Heinz-Christian Strache (Archivbild 2017). | Bildquelle: dpa
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2017 noch Seite an Seite, dann im Streit um das Ibiza-Video die Trennung - Kurz (ÖVP) und Strache (FPÖ).

"Keine Außenstelle des Sebastian-Kurz-Anbetungsvereins"

Ex-Innenminister Herbert Kickl, dessen von Kurz erzwungene Entlassung zum Ende der schwarz-blauen Koalition geführt hatte, attackierte den ehemalige Kanzler mit den Worten: Die FPÖ werde "mit Sicherheit" zu "keiner Außenstelle des Sebastian-Kurz-Anbetungsvereins". Bei möglichen Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP werde die FPÖ sehr wohl Anspruch auf das Innenministerium.

FPÖ-Parteitag wählt Norbert Hofer zum neuen Vorsitzenden
Clemens Verenkotte, ARD Wien
14.09.2019 17:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. September 2019 um 18:00 Uhr.

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