Überschwemmungen in Rhüden (Niedersachsen) | Bildquelle: dpa

"Nature"-Studie zum Klimawandel Hochwasser in Nordwesteuropa nehmen zu

Stand: 28.08.2019 19:02 Uhr

Nicht nur auf die Temperaturen hat der Klimawandel Einfluss, sondern auch auf die Regenmengen. Hochwasserereignisse dürften laut einer Studie in Nordwesteuropa zunehmen. Im Osten und Süden des Kontinents sieht es anders aus.

Der Klimawandel hat die Hochwasserereignisse unter anderem in Deutschland einer Studie zufolge deutlich verschärft. "Das Hochwassermanagement muss sich an diese neuen Realitäten anpassen, sonst werden die jährlichen Hochwasserschäden noch schneller steigen als bisher", bilanzierte Günter Blöschl von der Technischen Universität Wien.

Blöschl leitete eine Studie, an der sich insgesamt 35 Forschungsgruppen beteiligten. Die Wassermenge der Flüsse bei Hochwasser sei in einigen Regionen Nordweseuropas in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen, heißt es darin.

Kein einheitliches Bild

Die Studie ist im Fachjournal "Nature" veröffentlicht. Dafür wurden europaweit an mehr als 3700 Wassermessstellen die Daten von 1960 bis 2010 ausgewertet.

"Schon seit langer Zeit wurde vermutet, dass der Klimawandel einen Einfluss auf die Wassermenge bei Hochwasserereignissen hat, weil eine wärmere Atmosphäre mehr Wasser speichern kann", so Blöschl. Doch es sei komplizierter. Es gebe kein europaweit einheitliches Bild, "aber die regionalen Entwicklungen entsprechen alle den vorhergesagten Klimaveränderungen".

Für einzelne Flüsse oder Regionen wurden die Daten nicht aufgeschlüsselt. Flüsse, die über die Ufer treten, richten den Angaben zufolge jährlich weltweit Schäden von mehr als 100 Milliarden Dollar (90 Milliarden Euro) an.

Unterschiede in den Regionen Europas

Der Studie zufolge wirkt sich der Klimawandel nicht überall gleich auf das Hochwasser aus. Während in Nordwesteuropa die Überschwemmungen aufgrund des erhöhten Niederschlags zunehme, sinken die Hochwasserstände in Südeuropa, weil es dort weniger regnen und schneien würde.

Die gleiche Tendenz sei für Osteuropa erkennbar. "In Russland zum Beispiel ist die Temperatur um rund zwei Grad gestiegen, was viel weniger Schnee bedeutet", sagte Böschl. Damit sinke auch die Hochwassergefahr.

Ein wichtiger Grund für die Zunahme von Überflutungen in Nordwesteuropa seien Veränderungen in der atmosphärischen Zirkulation. "Die großen Tiefdruckgebiete ziehen langsamer und weiter nördlich über Europa", erläuterte Blöschl. Deshalb trete in Südeuropa der gegenteilige Effekt ein.

Zunahme von etwa elf Prozent pro Dekade

Das Ausmaß der Hochwasseränderungen in Europa - gemessen am langjährigen Mittelwert - reiche von einem Rückgang der Wassermenge bei Hochwasser von rund 23 Prozent pro Jahrzehnt bis zu einer Zunahme von etwa elf Prozent pro Dekade, so Blöschl. "Es ist wahrscheinlich, dass sich dieser Trend in den nächsten 20 bis 30 Jahren fortsetzt."

Bruno Merz vom Deutschen Geoforschungszentrum GFZ sagte: "Nachdem wir vor zwei Jahren zeigen konnten, dass sich die zeitlichen Muster ändern, haben wir gemeinsam mit internationalen Kolleginnen und Kollegen jetzt nachgewiesen, dass auch die Schwere der Ereignisse vom Klimawandel beeinflusst wird." Merz war an der Studie beteiligt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. August 2019 um 20:00 Uhr.

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