Kerzen bilden eine rote Schleife | Bildquelle: picture alliance/dpa

Welt-Aids-Bericht Vom Kurs abgekommen

Stand: 06.07.2020 17:31 Uhr

Schlechte Menschenrechtslage, zu wenig Mittel und dann auch noch Corona: Der Kampf gegen Aids stockt. Entsprechend düster ist das Bild, dass die UN im aktuellen Welt-Aids-Bericht zeichnen.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Zwar zeigt der Bericht, dass es bemerkenswerte Fortschritte gibt im Kampf gegen Aids - dennoch besteht zur Erleichterung kein Grund. Weltweit starben knapp 700.000 Menschen vergangenes Jahr an den Folgen einer HIV-Infektion. Das ist verglichen mit dem Jahr 2010 ein Rückgang um fast 40 Prozent. Jedoch deuten diese Zahlen an, dass das angestrebte Ziel der Weltgemeinschaft von weniger als einer halben Million Toten in diesem Jahr deutlich verfehlt wird.

UNAIDS-Direktorin Winnie Byanyima | Bildquelle: AFP
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Zeichnet ein düsteres Bild vom Kampf gegen das HI-Virus: UNAIDS-Direktorin Winnie Byanyima

Schlechte Menschenrechtssituation befördert Aids

Das gelte auch für die Zahl der Neuansteckungen, obwohl es im vergangenen Jahr so wenige Infektionen gab, wie seit 1989 nicht mehr, sagt Winnie Byanyima, die Direktorin von UNAIDS, bei der Vorstellung des Berichts in Genf: "2019 hatten wir 1,7 Millionen Neuinfektionen. Das waren dreimal mehr als die eigentlich angestrebte halbe Million. Das ist nicht akzeptabel. Wir sehen, dass die Neuinfektionen in Afrika südlich der Sahara zurückgehen, aber sie steigen in Osteuropa und Zentralasien, im Nahen Osten, Nordafrika und in Lateinamerika. Das ist beunruhigend."

Die unterschiedliche Entwicklung erklärt Byanyima so: Erfolge im Kampf gegen Aids gebe es dort, wo mehr und mehr Menschen mit modernen, antiretroviralen Medikamenten behandelt werden. Dadurch sinke nicht nur die Sterblichkeit von Erkrankten, sondern es werde auch die Ausbreitung des Virus gebremst. Zudem schützten Prophylaxe-Therapien vor einer Ansteckung. Misserfolge gebe es dagegen in Ländern, wo eine schlechte Menschenrechtssituation Barrieren für Aufklärung und Behandlung schaffe: "Das sind Menschen, die stark gefährdet sind: schwule Männer, Sexarbeiterinnen und -arbeiter, Menschen, die Drogen injizieren, Migranten. Gruppen, die aufgrund ihrer Lebensumstände anfälliger sind als andere." 

Rückschritte durch Corona

Die Coronavirus-Pandemie stelle eine zusätzliche Herausforderung dar, so Byanyima. Der Welt-Aids-Bericht zeige auf, dass Covid-19 die Erfolge bisheriger Bemühungen zurückwerfen könnte: "Covid-19 ist eine Krankheit, die Ressourcen des Kampfes gegen HIV bindet - Labore, Wissenschaftler und Gesundheitspersonal. Wir wollen, dass Regierungen kreative Wege beschreiten, um den Kampf gegen beides fortzusetzen. Der Kampf gegen die eine Krankheit darf nicht dazu führen, dass der Kampf gegen die andere aufgegeben wird", warnt Byanyima.

Doch bereits vor Beginn der Coronavirus-Pandemie hat die Welt zu wenig in Aufklärung über HIV und die Behandlung von Infizierten und Aids-Patienten investiert. Nur zwei Drittel der 2019 weltweit benötigten Mittel hätten zur Verfügung gestanden. Das sei laut dem Welt-Aids-Bericht ein kollektives Versagen mit dem hohen Preis von mehr Infektionen und mehr Todesfällen.

Welt-Aids-Bericht: Coronavirus-Pandemie beeinflusst Kampf gegen HIV
Dietrich Karl Mäurer, ARD Zürich
06.07.2020 16:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Juli 2020 um 17:00 Uhr.

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