Sonne über Kornfeld | Bildquelle: dpa

Internationale Forscher Mehr Hitze durch Klimawandel

Stand: 02.08.2019 16:58 Uhr

Welchen Anteil hat der Klimawandel an Hitzewellen wie zuletzt im Juli? Einen hohen, sagt ein internationales Forscherteam. Ohne Klimawandel wären die erreichten Spitzenwerte "extrem unwahrscheinlich".

Hitzewellen wie zuletzt im Juli sind durch den Klimawandel einer Studie zufolge wesentlich wahrscheinlicher geworden. Nach der vom World Weather Attribution Project (WWA) veröffentlichten Analyse wäre die jüngste Hitzewelle an allen gemessenen Standorten in Europa ohne Klimawandel um anderthalb bis drei Grad geringer ausgefallen. "Die Hitzewelle im Juli 2019 war so extrem über dem kontinentalen Westeuropa, dass die erreichten Spitzenwerte ohne Klimawandel extrem unwahrscheinlich wären", hieß es.

Die Hitzewelle im Juli hatte nicht nur einen neuen deutschen Hitzerekord von 42,6 Grad in Lingen gebracht, in Ländern wie Belgien oder den Niederlanden waren die Temperaturen erstmals seit Beginn der Wetteraufzeichnungen über 40 Grad gestiegen.

Die Autoren der Studie bezeichneten die Wahrscheinlichkeit für die jüngsten Hitzetemperaturen ohne menschengemachten Klimawandel in Frankreich und den Niederlanden als "extrem seltenes" Ereignis, das sonst nur etwa alle 1000 Jahre auftreten würde. In Deutschland und in Großbritannien wäre die jüngste Hitzewelle ohne Klimawandel etwa alle 50 bis 100 Jahre möglich. Derzeit müsse hingegen etwa alle zehn Jahre damit gerechnet werden.

Häufiger Extremwerte

Nun werde es durch die Erderwärmung häufiger zu den Extremwerten kommen. Im Jahr 2050 könnten die Rekorde dann in Mitteleuropa statt bei 42 Grad bei 45 Grad liegen, wenn der Mensch nichts gegen den Klimawandel unternehme, sagte der Hauptautor der Studie, Robert Vautard vom Institut Pierre-Simon Laplace in Frankreich. "Was wird das für Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben? Was werden die Auswirkungen auf das Wasser sein? Das wird wirklich Spannungen in der Gesellschaft erzeugen, mit denen umzugehen wir möglicherweise nicht vorbereitet sind."

Der Boden am Rheinufer ist rissig und ausgetrocknet. | Bildquelle: dpa
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Hohe Temperaturen und wenig Regen führten dazu, dass Ende Juli der Boden am Rheinufer in Düsseldorf ausgetrocknet war.

Zudem steht der Juli 2019 nicht für sich allein, so die Klimawissenschaftler: Weltweit seien die Jahre 2015 bis 2018 die vier wärmsten gewesen, der Juni 2019 stellte als der wärmste seit Messbeginn einen neuen Rekord auf. In Deutschland lag er mit einem Temperaturdurchschnitt von 19,8 Grad um 4,4 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode.

Zusammenhang von Klima und Wetter wird untersucht

Im WWA arbeiten mehrere wissenschaftliche Institute zusammen, auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) beteiligt sich daran. Das Projekt beschäftigt mit dem Zusammenhang von Klima und Wetter.

Der noch relativ neue Forschungsbereich berechnet etwa, wie viel wahrscheinlicher Extremwetterereignisse durch Klimawandel werden und welchen Anteil menschengemachter Klimawandel an einem bestimmten Ereignis hat.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Juli 2019 um 06:05 Uhr.

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