Menschen gehen in Neu-Delhi über eine Straße | Bildquelle: AFP

Hitzewelle in Nord-Indien Abkühlung - bei 34 Grad in der Nacht

Stand: 12.06.2019 15:52 Uhr

Die Menschen im Norden Indiens leiden unter einer Hitzewelle mit Temperaturen von über 50 Grad. Bereits 40 Menschen sind schon an den Folgen gestorben. Nun droht auch noch ein Wirbelsturm.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Eine Hitzewelle mit bislang unerreichten Temperaturen hat den Norden Indiens weiterhin fest im Griff. 48 Grad Celsius wurden Anfang der Woche in Delhi gemessen. Im weiter südlich gelegenen Rajastan wurde sogar die 50-Grad-Marke überschritten.

Ein indischer Bootsmann geht inmitten von Booten auf dem trockenen Grund eines Sees im Vogelschutzgebiet Nal Sarovar spazieren. | Bildquelle: AFP
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Im Vogelschutzgebiet Nal Sarovar ist der See bis auf den Grund ausgetrocknet.

Fast 40 Menschen sollen bislang infolge der extremen Hitze gestorben sein. In einem Regionalzug ohne Klimaanlage, der von Agra nach Jhansi im Bundesstaat Uttar Pradesh unterwegs war, wurden die Leichen von vier älteren Menschen gefunden, für die die Hitze in ihrem Schlafwagen offenbar zu groß war. "Alle Toten waren etwa 70 Jahre alt. Woran sie genau gestorben sind, können wir erst nach der Autopsie sagen", sagte Manoj Kumar, der Sprecher der indischen Eisenbahngesellschaft. Angesichts der Hitze und ihres Alters gehen das Unternehmen aber davon aus, dass sie eines natürlichen Todes gestorben sind.

Abkühlung - bei 34 Grad in der Nacht

Auf den Straßen der indischen Hauptstadt suchen die Menschen jedes schattige Plätzchen, das sie finden können. Viele Tuc-Tuc-Fahrer haben während des Tages den Betrieb eingestellt. Wenn der heiße Fahrtwind in die enge Kabine der Motorrikscha bläst, hält das ohnehin niemand aus. Kumar ist einer der Fahrer: "Es gibt kaum Kunden bei dieser Hitze. Wir sitzen hier nur rum. Wenn es so heiß ist, fangen wir erst am Abend an zu arbeiten. Dann fahren wir die ganze Nacht hindurch".

Nachts wird es etwas kühler, dann sinken die Temperaturen auf 34 Grad. Auch auf den Märkten ist bei dieser Hitze deutlich weniger los als sonst. Motorrad-Kuriere bringen Eisblöcke zu den Straßenverkäufern, damit die ihren Kunden wenigsten gekühlte Getränke anbieten können.

Ein Mann trinkt an einem heißen Nachmittag in Neu-Delhi Wasser | Bildquelle: STR/EPA-EFE/REX
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40 Menschen sind bereits unter den extremen Temperaturen gestorben...

Ein Mann ruht sich im Schatten eines Baumes an einem heißen und feuchten Sommertag in Neu-Delhi (Indien) aus. | Bildquelle: AP
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...am Tage versuchen die Menschen, sich im Schatten aufzuhalten.

Sajid Hussain, ein junger Student, hat sich gerade eine Erfrischung besorgt, er macht den Klimawandel für die Hitze verantwortlich: "Die Hitze macht die Leute krank. Nur wer gesund lebt, genug trinkt und sich richtig ernährt, hält das aus."

Wirbelsturm in Sicht

Im Süden Indiens ist derweil Abkühlung in Sicht. An der Westküste des Bundesstaates Gujarat wird ein Wirbelsturm erwartet, der Windgeschwindigkeiten von bis zu 170 Stundenkilometern erreichen soll. Die Behörden riefen Einwohner und Touristen dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen.

Vor rund einem Monat hatte ein Wirbelsturm an der Ostküste Indiens, im Golf von Bengalen, große Schäden angerichtet. 34 Menschen waren ums Leben gekommen. Nach Einschätzung von Hilfsorganisationen hätte es deutlich mehr Opfer gegeben, hätten die Behörden nicht mehr als eine Million Einwohner der Region rechtzeitig in Sicherheit gebracht.

Hitzewelle in Indien
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
12.06.2019 15:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. Juni 2019 um 15:00 und 17:00 Uhr.

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