Skyline von Vancouver, Kanada, durch einen Dunstschleier an einem heißen Tag.

Mehrere Menschen gestorben Tödliche "Hitzekuppel" über Kanada

Stand: 30.06.2021 17:52 Uhr

In Teilen Kanadas sind die Temperaturen auf fast 50 Grad gestiegen. Es gab Dutzende Todesfälle - und erste Waldbrände sind schon ausgebrochen. Ursache für die Hitzewelle ist ein seltenes Phänomen.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Die tödliche Hitze trifft vor allem den Großraum Vancouver. Für Tom Harries Nachbarin kam jede Hilfe zu spät, erzählt er dem kanadischen Fernsehen: "Ich lief in ihr Haus. Sie atmete nicht. Sie hatte keinen Puls mehr."

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Dutzende Menschen sind seit dem Wochenende gestorben, weil sie sie drückende Wärme nicht mehr ertragen konnten, sagt die Polizei. Besonders betroffen: ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Ganz klar gebe es einen Zusammenhang mit den Temperaturen. "Ich kann mich nicht daran erinnern, so etwas schon erlebt zu haben", sagt eine Frau in der westkanadischen Provinz. In der Ortschaft Lytton war es teils 49,5 Grad heiß.

Regierungschef John Horgan schlägt Alarm: "Wir befinden uns mitten in der heißesten Woche, die British Columbia je erlebt hat." Das habe desaströse Konsequenzen. In einer Pressekonferenz rief Horgan dazu auf, nach anderen Menschen zu sehen, kalte Kompressen im Kühlschrank aufzubewahren und sich im kühlsten Teil des Hauses aufzuhalten. "Wir kommen nur durch diese extreme Zeit, wenn wir zusammenhalten und uns um diejenigen kümmern, die gefährdet sind", sagte er.

Angst vor Waldbränden

Die Notruf-Hotline steht nicht still. Die Einsatzwagen kämen nicht mehr nach, sagt Tom Clifford vom Ambulanzverband British Columbia. Bis zu zwei Stunden dauere es bei Notrufen. "Wenn es nicht so dringend ist, müssen die Menschen sogar bis zu 15 Stunden warten bis Hilfe kommt."

Klimaanlagen und Ventilatoren sind in der Region ausverkauft. Wer kein gekühltes Zuhause hat, sucht zum Teil Schutz vor der Hitze in Tiefgaragen oder in klimatisierten Autos. Doch auch das kann gefährlich sein. Die ersten Waldbrände toben in der Region. Sie könnten sich rasch ausbreiten, sagt Vancouvers Feuerwehrchefin Karen Fry: "Mit dieser andauernden extremen Hitze ist die Gefahr besonders groß. Wir haben die meisten Notrufe, die wir je erlebt haben."

"Hitzekuppel" hält heiße Luft fest

Schuld an der Hitzewelle, die sich bis in den Norden der USA zieht, ist ein Phänomen: eine sogenannte Hitzekuppel. Der Hochdruck in der Atmosphäre hält die heiße Luft in der Region fest. Das gebe es im Schnitt alle paar tausend Jahre einmal, sagt der kanadische Klimaexperte David Philips: "Der Klimawandel hat die Hitzekuppel nicht kreiert. Aber er macht sie schlimmer. Ich denke, das ist die menschliche Komponente."

Und es wird sich wiederholen, warnen andere Klimaforscher. Kanada müsse sich darauf einstellen, dass es künftig immer heißer werde.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. Juni 2021 um 18:00 Uhr.