Ein Feuerwehrmann spritzt Wasser Richtung Zuschauer bei einem Festival in Carhaix-Plouguer | AFP

Hitzewelle in Frankreich Warnstufe Rot für Atlantikküste

Stand: 17.07.2022 22:47 Uhr

Südeuropa ächzt unter Rekordtemperaturen und Wasserknappheit. Für Teile Westfrankreichs wurde die höchste Hitzewarnstufe ausgerufen. Der Höhepunkt der Hitzeperiode soll am Montag erreicht werden.

Angesichts der erwarteten Hitze sind Menschen im Westen Frankreichs zu absoluter Vorsicht aufgerufen. Der Wetterdienst Météo France verhängte für fast die komplette französische Atlantikküste und weitere westliche Gebiete die höchste Warnstufe Rot. Lediglich der südlichste Zipfel der Küstenlinie mit dem Département Pyrénées-Atlantiques erhielt die zweithöchste Warnstufe Orange. Diese gilt insgesamt in 51 französischen Départements. Die Warnungen gelten für 24 Stunden und werden am frühen Morgen und am Nachmittag aktualisiert.

Am Sonntag sollten im Südwesten des Landes häufig Temperaturen von 37 bis 40 Grad Celsius erreicht werden. Die Hitze breite sich Richtung Norden aus. Den Höhepunkt der Hitzeperiode sollte es im Westen Frankreichs dann am Montag geben. Die Temperaturen sollten hier häufig auf 40 Grad Celsius oder mehr klettern. Ziemlich sicher würden Temperaturrekorde gebrochen. Auch im Osten sollte es laut dem Wetterdienst dann heißer werden. Am Dienstag werden dann in diesem Landesteil Temperaturen bis 40 Grad erwartet, während der Westen langsam abkühlen dürfte.

Auswirkungen auf Tour de France

Die anhaltend hohen Temperaturen haben auch Auswirkungen auf die Tour de France. Wegen der enormen Hitze ist das Extremwetter-Protokoll der Tour de France in Kraft getreten. Wie die Organisatoren mitteilten, gelten für die 15. Etappe von Rodez nach Carcassonne bei Temperaturen von 40 Grad drei Sonderregelungen.

So dürfen sich die Fahrer vom Start weg bis zehn Kilometer vor dem Ziel verpflegen. Leere Flaschen dürfen auch außerhalb der Müllzonen weggeworfen werden, wenn Radsport-Fans am Straßenrand stehen. Zudem wurde die Karenzzeit - also der maximale Rückstand auf die Zeit des Siegers - auf 20 Prozent gesetzt, unabhängig von dessen Durchschnittsgeschwindigkeit.

Hunderte Tote durch Hitze

In anderen Teilen Europas leiden die Menschen schon seit Tagen unter extrem hohe Temperaturen. Vor allem in Portugal und im Nachbarland Spanien klettert das Thermometer seit etwa einer Woche regelmäßig über die Marke von 40 Grad - mit gravierenden Folgen. Laut Medizinern starben dadurch Hunderte Menschen.

In Spanien mit rund 47 Millionen Einwohnern starben seit vergangenem Sonntag 360 Menschen infolge der hohen Temperaturen, wie die Zeitung "La Vanguardia" unter Berufung auf das staatliche Gesundheitsinstitut Carlos III. in Madrid berichtete. Am Sonntag brach in Torrejón de Ardoz in der Nähe von Madrid ein 50-jähriger Mann auf der Straße zusammen. Sanitäter konnten ihm nicht mehr helfen, seine Körpertemperatur sei auf 40 Grad gestiegen, hieß es von den Rettungskräften.

In Portugal mit gut zehn Millionen Einwohnern seien zwischen dem 7. und dem 13. Juli 238 mehr Tote als in Vergleichszeiträumen der Vorjahre gezählt worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Lusa. Auch diese Todesfälle würden auf die extreme Hitze zurückgeführt.

In zahlreichen Regionen sorgen die Hitze und die Dürre zudem für Waldbrände. In Italien, Griechenland, Spanien, Portugal und Frankreich standen Tausende Hektar in Flammen, zahlreiche Menschen mussten vor den Bränden fliehen und ganze Dörfer evakuiert werden. In Spanien bereitete die größten Sorgen ein Feuer in der Gemeinde Pont de Vilomara, etwa 50 Kilometer nördlich der katalanischen Metropole Barcelona. Dort zerstörten die nachmittags ausgebrochenen Flammen nach Angaben der Behörden in nur sechs Stunden rund eintausend Hektar Wald. Sie erfassten auch einige Häuser und Fahrzeuge. 200 Menschen seien in Sicherheit gebracht worden, erklärte der katalanische Innenminister Joan Elena.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Juli 2022 um 16:00 Uhr.