Richter des Obersten indischen Gerichtshofes | Bildquelle: RAJAT GUPTA/EPA-EFE/REX

Oberstes Gericht in Indien Heiliger Ort wird Hindus zugesprochen

Stand: 09.11.2019 15:16 Uhr

Jahrzehntelang gab es Streit um den Ort Ayodhya in Indien. Hindus und Muslime beanspruchten ihn für sich. Anfang der 90er Jahre brach offene Gewalt aus. Jetzt entschieden fünf Richter, wem der Ort gehört.

1992 zerstörten radikale Hindus die Babri-Moschee in Ayodhya im Norden Indiens. Es folgten landesweite Ausschreitungen, bei denen mehr als 2000 Menschen starben. Der Streit, wem der religiöse Ort gehört, spaltet Indien seit Jahrzehnten. Für die Hindus ist es der Geburtsort von Rama, einer der bedeutendsten Gottheiten des Hinduismus. Für die Muslime ist es seit dem 16. Jahrhundert ein heiliger Platz. Sie bauten dort ihre Moschee. Nun hat der Oberste Gerichtshof des Landes entschieden - Er gab grünes Licht für den Bau eines Hindu-Tempels auf dem umstrittenen Gelände.

Hindus feiern Gerichtsentscheidung | Bildquelle: REUTERS
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Hindus feiern Gerichtsentscheidung

Einstimmige Entscheidung der Richter

Die obersten Richter entschieden einstimmig, dass den Muslimen ein anderes Areal für den Bau einer neuen Moschee angeboten wird. Die einstige Babri-Moschee sei seinerzeit auf den Ruinen eines Hindu-Tempels gebaut worden, stellte der Oberste Gerichtshof fest und bezog sich dabei auf die Ergebnisse einer archäologischen Untersuchung. Damit bestätigten die obersten Richter den Anspruch der Hindus auf das Gelände. Die Muslime wiederum, so hieß es, hätten keine Nachweise für ihren Besitzanspruch vorlegen können.

Muslime wollen Entscheidung prüfen lassen

Nicht alle Muslime sind mit der Entscheidung einverstanden. Der Anwalt einer der muslimischen Klägergruppen, Zafary Abjilani, kündigte eine Überprüfung an:

"Wir sind mit dieser Entscheidung nicht einverstanden. Wir werden das überprüfen und dann entscheiden, wie wir weiter vorgehen. Es gibt da einige Widersprüche. Aber wir respektieren den Obersten Gerichtshof und wir rufen die Nation zum Frieden auf. Es sollte keine Proteste geben."

Auch Premierminister Narendra Modi rief die Bevölkerung zu Ruhe und Harmonie auf. Die Entscheidung über den Tempelbau von Ayodhya dürfe den Frieden im Land nicht gefährden, twitterte der Regierungschef.

Sicherheitsmaßnahmen in Ayodhya verschärft

Tausende Soldaten waren in den vergangenen Tagen nach Ayodhya entsandt worden, um nach der Verkündung der höchstrichterlichen Entscheidung für Sicherheit zu sorgen. Auch in Delhi und anderen Städten wurden Sicherheitsmaßnahmen verschärft.

Soldaten in Ayodhya | Bildquelle: AFP
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Indische Soldaten in Ayodhya

In Aligarh, dem Standort der muslimischen Universität in Uttar Pradesh wurde das Internet abgeschaltet. Chandra Bushan Singh, Magistrat von Aligarh, bezeichnete den Schritt als Vorsichtsmaßnahme. Schulen und andere Bildungseinrichtungen blieben drei Tage lang geschlossen. Spezialeinheiten seien in Bereitschaft.

Tempel-Streit in Indien: Gericht entscheidet zugunsten von Hindus
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
09.11.2019 20:05 Uhr

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Mit Informationen von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

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